Netanjahu: Israelis werden ethnisch gesäubert, nicht Palästinenser


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Den jüngsten Aufruf des palästinensischen Präsidenten Abbas, einige Siedlungen im Westjordanland an die Palästinenser zurückzugeben, bezeichnete Netanjahu als Aufforderung zu einer „ethnischen Säuberung.“

Israel-Flagge auf Palästina-Flagge, eigenes Werk, Lizenz: gemeinfrei
Israel-Flagge auf Palästina-Flagge, eigenes Werk, Lizenz: gemeinfrei

Die palästinensische Aufforderung, die völkerrechtswidrig errichteten israelischen Siedlungen im Westjordanland an die vertriebenen Bewohner zurückzugeben, bezeichnete der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als Ruf nach einer „ethnischen Säuberung.“ In einer Videobotschaft auf Twitter sagte Netanjahu: „Die palästinensische Führung verlangt tatsächlich die Gründung eines palästinensischen Staats, jedoch mit einer Voraussetzung: Ohne Juden. Dafür gibt es einen Begriff, man nennt es ethnische Säuberung. Und diese Forderung ist empörend.“

Der Kommentar folgte einer Erklärung des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas, worin dieser forderte, die israelischen Siedlungen an die Palästinenser zurückzugeben und erneut klarstellte, dass in einem „zukünftigen palästinensischen Staat nicht ein einziger israelischer Siedler innerhalb der Grenzen“ leben werde. Man kann von Abbas‘ und Netanjahus Aussagen halten was man möchte, historische Tatsache ist jedoch die Vertreibung hundertausender Palästinenser im Jahr 1948 durch zionistische Soldaten, um den Staat Israel zu gründen, schreibt Telesur.

„Die einzige ethnische Massensäuberung fand im Jahr 1948 statt, als rund 700.000 Menschen gezwungen wurden ihre Häuser zu verlassen und ihr Hab und Gut verloren, ihre Dörfer und das Land, das sie seit Jahrhunderten besaßen“, schrieb Gideon Levy am Sonntag in der israelischen Tageszeitung Ha’aretz. „Einige wurden gewaltsam vertrieben, auf Lastwagen verladen und entfernt; einige wurden absichtlich in Angst und Schrecken versetzt und flohen, andere flohen einfach so, was möglicherweise unnötig war. Es war ihnen jedoch nie erlaubt zurückkehren, nicht einmal um ihren Besitz abzuholen.“ Es gebe bis heute „Mikrosäuberungen“ im Westjordanland, der Negevwüste und Jerusalem.



Netanjahus Kommentar sorgte auch unter Verbündeten für Kritik. Nachdem sie den Videoclip angesehen hatte, sagte etwa Elizabeth Trudeau, Sprecherin des US State Department während eines Briefings in Washington DC, dass Netanjahus Worte „unangemessen und wenig hilfreich“ seien. Die meisten Staaten der Welt betrachten die israelischen Siedlungen als illegal und als Hindernis für den Frieden. Israel lehnt dies ab mit der Begründung, dass in dem Gebiet seit Tausenden von Jahren Juden leben.

Mahmoud Abbas beschuldigte Israel am Montagmorgen als Reaktion auf das Video Netanjahus ebenfalls der ethnischen Säuberung der Palästinenser. Ein vernünftiger Dialog scheint in immer weitere Ferne zu rücken.

Quellen: telesur, ynetnews, haaretzhaaretz, haaretz

7 Kommentare

  1. Die Auslegung der palistinensichen Forderung durch Netanjahu ist hochgradig pervers.
    Die USA haben ähnliche Denkstrukturen. Die Frage ist nun : Wer hat von wem gelernt ?
    Das geht nicht auf ewige Zeiten gut. Wenn die USA ihre „Weltmachtposition“ verlieren, werden die Araber die Israelis auffressen. Ihre Atomwaffen werden sie nicht schützen können.

    Es gibt seit geraumer Zeit Stimmen in Israel, die für eine friedliche Koexistenz mit den Arabern plädieren. Diese Leute denken weiter, denn die Karten werden immer mal wieder neu gemischt !

    MfG. grillbert aus Hamburg.

  2. @Kaiser Wilhelm. Sehr gute Zusammenfassung. Wo gräbst Du sowas eigentlich immer aus ?

    Die lange Geschichte der Juden beinhaltet sicherlich eine ganze Menge von arrogantem Separatismus der uns nicht in seinem ganzen Umfang bekannt ist.
    Die Flucht aus Ägypten hatte sicherlich handfeste Gründe die uns nur nicht bekannt sind. Sicherlich haben sie damals bereits separatistische Bewegungen angestrebt und die arabische Bevölkerung übervorteilt.
    Auch da habe ich eigene Erfahrungen gemacht. Ca. 1969 lagen wir im Hafen von Haifa um Apfelsinen zu laden. Am Hafentor standen die fliegenden Händler, die morgens mit leeren Händen gekommen waren. Nach wenigen Stunden waren sie behängt mit Kleidungsstücken, die sie den Landgängern abgekauft hatten. Mir wurde eine sehr markante Windjacke angeboten die einem unserer Stewarts gehört hatte, zum doppelten Preis. Denn als ich wieder an Bord war, konnte ich erfahren was der Steward dafür bekommen hatte.
    Das ist zwar nicht kriminell, macht aber klar, wie einfallsreich diese Juden sind. Aus dem Nichts Geld machen.

    MfG grillbert aus Hamburg.

  3. Wenn wir hier in Deutschland angesichts der hereinströmenden
    Illegalen von ethnischer Säuberung und Verdrängung der Deutschen spricht , hat man uns ja schon als Rassisten und Nazis beschimpft.

  4. @ Kaiser Wilhelm
    Danke für die Adresse !

    Der Bericht ist gefüllt mit Horrormeldungen über Israel und seine Nachbarn.
    Mir ist unverständlich, dass die UNO keine Sanktionen gegen Israel ausspricht. Wahrscheinlich halten sie es für sinnlos. Israel bricht täglich das Völkerrecht und man lässt es geschehen.
    Zur Belohnung sagen die USA ihnen 38 Milliarden Militärhilfe für die nächsten ca. 10 Jahre zu. Die illegalen Baumaßnahmen auf palestinensischem Gebiet gehen unvermindert weiter. Bis heute ca. 570 000 Siedler. UNGLAUBLICH !

    MfG. grillbert aus Hamburg.

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