Manager vs. Arbeiter – wer leistet mehr?


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Ich möchte hier an diesem Beispiel vergleichen, wer unter Berücksichtigung der anfallenden Kosten während der Ausbildung (meistens zu Lasten der Eltern oder auf Kredit) am Ende mehr in seinem Arbeitsleben verdienen wird: der Uniabsolvent oder der Facharbeiter. Der Student kostet seine Eltern Miete, Nebenkosten, Verpflegung, der Arbeiter verdient in dieser Zeit eigenes Geld. Der Student wird im späteren Berufsleben mehr verdienen, dann beginnt die „Aufholjagd“. Die Investition in die Bildung des Studenten gilt es gegen die duale Ausbildung aufzurollen.

Berücksichtigt wird hier, was an Guthaben insgesamt erarbeitet, bzw. was sich von Dritten (Eltern, Bank usw.) geliehen werden muss.

Ganz wichtig: Verpflegung und Miete werden zu den Kosten des Studiums addiert. Man könnte sich darüber streiten, da der Arbeiter ebenfalls essen und wohnen muss. Hier werden aber die Einkünfte und Bildungsausgaben des gesamten Arbeitslebens verglichen. Das sind Kosten, welche die Eltern des Studenten zu tragen haben (welche die Eltern des Arbeiters nicht zu tragen haben). Im Falle einer Kreditaufnahme für das Studium, müsste er all diese Kosten später an die Bank zurückzahlen, was man dann also rein rechnerisch später abziehen müsste. Es wird zusammengerechnet, wie viel der Student einen fremden Geldgeber kostet, bevor er eigenes Geld verdient. Darum zählt das zu den Bildungsausgaben.

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Dieser Artikel handelt von zwei 15jährigen Jungs namens Franjo Maria – Jaromir und Uwe. Beide besuchen die 9. Klasse, Franjo Maria – Jaromir an einem bundesweit bekannten Privatgymnasium und Uwe an einer Hauptschule.

Franjo Maria – Jaromir ist der Sohn eines hochgebildeten Projektmanagers, seine Mutter betreibt nebenher ein Nagelstudio, ist örtliche Parteivorsitzende der Grünen und betreut tagsüber die Reinigungsfachkraft, welche Montags und Donnerstags im finanzierten Einfamilienhaus mit etwa 280m² Wohnfläche die Räumlichkeiten pflegt. Seine Schwester Chantal-Marie besucht die 7. Klasse am selben Privatgymnasium wie Franjo Maria – Jaromir.

Uwes Vater betreibt selbständig einen Zweirad-Fachhandel, arbeitet hart und freut sich jeden Abend auf sein Feierabend-Bierchen. Uwes Mutter hilft tatkräftig als Vollzeitkraft im kleinen Betrieb mit, erhält telefonisch den guten Kundenkontakt und erledigt seit vielen Jahren zuverlässig die Buchhaltung. Um im Winter die niedrigen Umsätze zu kompensieren, bieten sie ihren Kunden während der kalten Jahreszeit Stellpätze für ihre Motorräder an.

Wie Franjo Maria – Jaromir hat auch Uwe eine Schwester. Sie heisst Katja, ist 6 Jahre älter als Uwe und arbeitet im Büro eines angesehenen Münzfachhandels im Zentrum Berlins, nicht weit entfernt von ihrer liebevoll eingerichteten 1,5 Zimmer Mietwohnung.

Um der hohen Nachfrage standhalten zu können, hat Uwes Vater einen Meister eingestellt, welcher den Familienbetrieb tatkräftig unterstützen und Uwe zum Zweiradmechaniker ausbilden wird. Uwe wird im kommenden Jahr, mit 16, die Ausbildung beginnen. Franjo Maria – Jaromir wird in dieser Zeit weiter mit Hochdruck auf sein Abitur hinarbeiten.

Nachdem Uwe seinen Hauptschulabschluss erfolgreich abgeschlossen hat, beginnt die duale Ausbildung. Die Vergütung beträgt im ersten Jahr 383 Euro und steigert sich mit jedem weiteren Jahr. Im zweiten Jahr auf 419, im dritten 470 und im vierten auf 522 Euro. Nach Abzug von Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung bleiben davon etwa 79% übrig, was Uwe dann „bar auf die Kralle“ erhält.

Uwe wohnt weiterhin bei seinen Eltern, hilft von nun an fleißig im Familienbetrieb mit und überweist seinem Vater monatlich 150 Euro von der Ausbildungsvergütung, um seinen Teil der Miete und der Nebenkosten beizusteuern. 80 Euro behält er als „Taschengeld“, 10% des Gesamtnettos legt er auf die Seite. Den Rest spart er auf den Führerschein und ein gebrauchtes Moped, welches er selbst reparieren und instand halten möchte. Mit 18 hat er sich selbst das Geld für einen in die Jahre gekommenen Kleinwagen zusammengespart, welchen er mit seinem besten Freund in wochenlanger Arbeit aufpoliert.

Franjo Maria – Jaromir besucht die kommenden vier Jahre weiter das angesehene Privatgymnasium. Er erhält von seinen Eltern 80 Euro Taschengeld, ein Jahr später 100 Euro, dann 120 Euro und im Abschlussjahr sogar 150 Euro pro Monat. Zum Abitur schenken ihm seine Eltern einen sportlichen Mittelklassewagen einer Premiummarke. Ausgeschrieben ist der Wagen für 45.000 Euro. Da sein Vater eine führende Position als angestellter Projektmanager in einem großen Industrieunternehmen hat, welches seine Geschäftswagen bei selbigem Händler least, erzielt er mit aggressiven Verhandlungsstrategien einen ordentlichen Nachlass, so bekommt Franjo Maria – Jaromir das Auto schon für 32.000 Euro (wird in der Rechnung nicht berücksichtigt, Beispiel dient nur der Charakterisierung).

Uwe schließt seine Ausbildung nach 3 ½ Jahren mit hervorragenden Ergebnissen ab. Er ist inzwischen 20 Jahre alt und steigt als engagierter Facharbeiter in das Unternehmen des Vaters ein. Er erhält einen Bruttolohn von 2.699 Euro (Quelle: sueddeutsche.de). Nach sieben Jahren übernimmt er den Betrieb seines Vaters. Das Unternehmen läuft gut, und von nun an bezieht Uwe nach Abzug aller Versicherungen, Vorsorgen und Steuern für sich ein Einkommen von etwa 2500 Euro netto monatlich auf die Hand (persönliche Recherchen im privaten Umfeld, Mittelwert).

Nun beginnt das Studium. Letztes Jahr konnte Franjo Maria – Jaromir sich einen Platz an der Universität in Regensburg sichern, wo er den Studiengang BWL belegen wird.

Dort lebt der inzwischen 19 jährige in Miete (warm) für 255€. Für Nahrung gibt er pro Monat 140 Euro aus, für Fahrtkosten 116 Euro, für Kleidung 54 Euro, Telefon und Internet 49 Euro, Lernmittel 50 Euro, Medikamente und Gesundheit 30 Euro, Freizeit 62 Euro, Nebenkosten fürs Auto rund 150 Euro und Studiengebühren 84 Euro. So entstehen für seine Eltern monatliche Fixbelastungen von insgesamt 990 Euro pro Monat (Quelle: studis-online.de). Nach acht Semestern hat er den Titel des Diplom-Kaufmanns. Gesamtkosten für das Studium: 47.520 Euro.

Nun möchte Franjo Maria – Jaromir gerne Berufserfahrung im studierten Beruf sammeln. Für durchschnittlich 40.000 Euro Jahreseinkommen (Quelle: gehaltsvergleich.com) wird er in einer mittelständischen Firma vier Jahre lang arbeiten.

Anschließend wird er an der Handelshochschule Leipzig zwei Jahre lang ein Studium zum Vollzeit-MBA absolvieren, Kostenpunkt: weitere 22.500 Euro (Quelle: hobsons.de) + weitere 16.308 Euro für 18 Monate Miete und Nahrung (990 Euro monatl. abzügl. Studiengebühren).

Während des Studiums hat Franjo Maria – Jaromir einen Nebenjob. Das Geld fließt aber nicht zurück an die Eltern, sondern eher in Cocktailbars, Studentenpartys und teuren Mode-Kaffee mit Caramel-Geschmack (Umfrage aus dem Focus, 41% der Studenten haben überhaupt keinen Nebenjob, die mit Nebenjob verkonsumieren das Geld in der Regel. Wird darum nicht berücksichtigt).

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Der inzwischen 29 jährige Franjo Maria – Jaromir hat seit Beginn des Vergleichs mit Uwe bis heute so viel Geld verdient:

Taschengeld 10. Klasse bis Abitur: -5400 Euro

Nebenkosten währenddessen zulasten der Eltern (150 Euro pro Monat wie bei Uwe): -7200 Euro

BWL-Studium: -47.520 Euro

4 Jahre Berufserfahrung: netto +88.000 Euro (Single, keine Kinder)

18 Monate Vollzeit-MBA: -38808 Euro

Gesamt: -10.928 Euro

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Uwe ist inzwischen ebenfalls 29 Jahre alt und hat bis heute erwirtschaftet:

Ausbildungsvergütung insgesamt: netto +14.532,84 Euro

Einkommen nach der Ausbildung bis Übernahme: netto +124.693 Euro

Übernahme bis zum Alter von 29 Jahren: netto +60.000 Euro

Gesamt: +199.225,84 Euro

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Die beiden gleichaltrigen, ausgebildeten Männer haben nun beide noch 38 Arbeitsjahre vor sich. Uwe hat einen Gesamtvorsprung von 210.153,84 Euro, welchen Franjo Maria – Jaromir mit seinem Einkommen als MBA in den kommenden Jahren aufholen möchte.

Uwe hat mit seinem Zweiradgeschäft die krisenfestere Existenzgrundlage, der MBA ist eher eine Modeerscheinung. Dennoch gehe ich hier von einer gleichbleibenden wirtschaftlichen Situation aus, ohne Inflation oder Deflation, beträfe ohnehin beide gleich.

Uwe verdient nun also 2500 Euro netto, nach fünfjähriger Erfahrung vergrößert er sein Fachgeschäft noch einmal und erhöht sein Einkommen auf 2800 Euro. Nach weiteren zehn Jahren noch einmal auf 3200 Euro.

So kommen wir bis zur Rente netto auf ein Gesamteinkommen von 1.369.200 Euro.

Für Franjo Maria – Jaromir geht’s los mit einer Startvergütung von brutto 60.000 Euro, nach fünf Jahren Berufserfahrung wird er in ein anderes Unternehmen wechseln, wo er 80.000 Euro pro Jahr bezieht.

Netto sind das also in den ersten fünf Jahren 31.912,74 pro Jahr (Focus Money Rechner), die folgenden 10 Jahre gehe ich von 41.915,67 (brutto 80.000 Euro), die restlichen 23 Jahre von 52.381,67 Euro (brutto 100.000 Euro) pro Jahr aus (Gehaltsanstieg aufgrund von gesammelten Erfahrungswerten, Grundgehalt basiert auf ermittelten Zahlen der Wirtschaftswoche).

Insgesamt kommen wir hier auf netto erarbeitete 1.783.498,81 Euro.

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Unter Berücksichtigung von Uwes Vorsprung von 210.153,84 Euro während des Studiums gewinnt tatsächlich der MBA netto mit einem Vorsprung von 204.144,97 Euro. Als Franjo Maria – Jaromir und Uwe 59 Jahre alt sind, stehen sie nach unserem Beispiel von Gesamteinkommen her auf gleicher Stufe. Erst ab jetzt lohnt sich das teure Studium zum MBA.

Ein tüchtiger Handwerker mit guten Ideen kann den MBA sogar sicher locker toppen, rein theoretisch bräuchte Uwe nur Zeitungen austragen gehen um den MBA zu überholen, so marginal ist der Unterschied (etwa 333 Euro monatlich). Zumal die Ausgaben der Manager die der Arbeiter zumeist weit übersteigen (Autos, Immobilien, Reisen…), das meiste davon auf Kredit.

Frage an die Leser: Gibt es Manager, welche im Alter von 59 noch acht Jahre arbeiten möchten?

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Dieser Text ist unverbindlich und lediglich eine Gegenüberstellung zweier völlig frei ausgewählten Berufsgruppen. Der Artikel dient der persönlichen Horizonterweiterung, alle Namen und Freizeitaktivitäten sind erfunden.

Das Einkommen von Uwe ist verhältnismäßig niedrig angesetzt, im Falle der Selbständigkeit kann dieses natürlich extrem schwanken. Als Angestellter in einer Firma mit derartiger Berufserfahrung wären die Unterschiede allerdings marginal.

Falls der Student nur ein mal exmatrikulieren sollte, um sich „neu zu orientieren“ (häufig der Fall, siehe hier!), dürfte das Rennen denkbar knapper ausfallen.

1 Kommentar

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit Interesse habe ich Ihren Artikel des Themas Handwerk versus MBA gelesen.
    Als nicht angemeldetes Mitglied sende ich ihnen mein Kommentar via e-mail,-
    sie können ihn auch selbstverständlich veröffentlichen.

    Dank im Voraus,
    Ihr Gallus

    Einfach spitze geschrieben !

    Ich kann dem Artikel nur zustimmen. Ich selbst bin Handwerksmeister,Bj. 65
    und habe meine Fa. vor Jahren schon verkauft und lebe seither von Mieten.
    Tüchtigen Handwerksmeistern ( natürlich selbstständig)bekommen netto WEIT MEHR als 2500 Eur.
    Zu diesem Thema kommt, daß ich sämtliche Reparaturen am Haus und Fahrzeugen selber erledigen kann,- das macht mehr als ein 400 Eur-Job monatlich aus.
    Ich treffe heute im Cafe ( als Handwerker aber bitte nur den normalen Pott )Schulkameraden mit ihren ach so leckeren Abschlüssen :
    Mit KEINEN von denen möchte ich tauschen !
    Außerdem bin ich als Handwerker bodenständig geblieben und lasse mir kein x vom u vormachen. Wo meine „intelektuellen“ Schulkameraden Geld für ausgeben könnt ich mich nur drüber totlachen !
    Die jahrelange Infrarotbestrahlung mit pseudointelktuellem Gefasel und der unbedingte Drang dem erwarteten
    gesellschaftlich und wirtschaftlich zu entsprechen hat ihr Hirn einfach aufgeweicht.
    Nach dem gemeinsamen Abi trennten sich ja einst unsere Wege und würde damals nur müde belächelt. Als mich die Kameraden nach meinem Rezept fragten möchte ich es auch hier kund tun:
    Wer immer nur mit der Herde läuft,
    wird auch immer nur Ärsche sehen !

    Ist zwar im trivialen „Handwerker-Deutsch“,- aber wie ich empfinde trefflich beschrieben !

    In diesem Sinne,…
    Euer Gallus

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