An diesem Tag
07.08.1973: US-Bomber jagt versehentlich Dorf in die Luft, Neak Leung Massaker


Am 07. August 1973 bombardierte ein US-Bomber irrtümlich ein kambodschanisches Dorf und warf 20 Tonnen Bomben über der Ortsmitte ab. Zwei Drittel des Dorfes wurden schwer beschädigt oder zerstört, 400 Dorfbewohner starben oder wurden verstümmelt.

Neak Leung Massaker Kambodscha
Neak Leung Massaker, Kambodscha, Bild: Flaggen USA, Kambodscha, gemeinfrei, Adler: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1973 bombardierten die USA versehentlich das kambodschanische Dorf Neak Leung. Dadurch starben 137 Menschen, weitere 268 wurden teilweise schwer verletzt.

Während des kambodschanischen Bürgerkriegs und Vietnamkriegs geriet Neak Leung ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit, als ein amerikanischer B-52 Bomber irrtümlich 20 Tonnen Bomben über der Ortsmitte abwarf. Flightglobal schrieb damals sogar von 20 Bomben mit einem Gesamtgewicht von 30 Tonnen.

Circa 30 tiefe Krater wurden in die 1,5 Kilometer lange Hauptstraße gerissen. Ein Drittel des Dorfes Neak Leung wurde vollständig zerstört, ein weiteres Drittel wurde schwer beschädigt, darunter der Marktplatz und eine Kaserne.

Die amerikanische Botschaft entschuldigte sich und gab Geldgeschenke in Höhe von „ein paar Hundert Dollar“ an die Familien der Opfer. Viele dieser großzügigen „Geschenke“ gingen an Überlebende, die mehrere Gliedmaßen verloren hatten.

Operation MENU

Neak Leung liegt nur wenige Kilometer entfernt von Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh, welche zwischen 1969 und 1972 schwer von der US-Luftwaffe bombardiert wurde. Im Zuge der „Operation MENU“, einer geheimen Luftoffensive, wurde Kambodscha zwischen März 1969 und Mai 1970 aus der Luft bombardiert.

Geheim deshalb, weil die US-Bevölkerung den sogenannten Vietnamkrieg generell nicht unterstützte und die Bombardierung Kambodschas für noch größeren Widerstand gesorgt hätte. Kambodscha war politisch neutral, diente jedoch als Nachschubroute nach Nordvietnam, weshalb 50.000 bis 150.000 Zivilisten ihr Leben lassen mussten.

„Wenn Zivilisten in Kriegen ums Leben kommen, behauptet das Militär stets es sei unbeabsichtigt, obwohl jeder weiß, dass sich zivile Opfer nicht vermeiden lassen. Insbesondere dann, wenn Waffen großflächig eingesetzt werden“, schreibt Crimesofwar.org. Das Massaker von Neak Leung wurde vom Regisseur Roland Joffé im Jahr 1984 im Film „The Killing Fields“ (s. hier) aufgearbeitet.

„Kriegsschulden“

Die US Air Force warf während des Vietnamkriegs insgesamt 500.000 Tonnen Bomben über Kambodscha ab. Um das völlig zerstörte asiatische Land wieder aufzubauen, lieh sich die Lon Nol Regierung 274 Millionen Dollar von Washington.

Da sich Kambodscha seit Jahrzehnten weigert, diese „Kriegsschulden“ zurückzuzahlen, hat sich diese Summe bis 2017 auf 500 Millionen Dollar erhöht, die Washington von Kambodscha fordert.

Die Zeitung Cambodia Daily schrieb am 08. März 2017: „Kambodscha schuldet den USA absolut nichts für die Zerstörung seines Volkes, seiner Wildtiere, seiner Reisfelder und der Wälder.“

Quellenangaben anzeigen
historynet, flightglobal, crimesofwar

5 Comments

  1. Dazu nur kurz: Gegen das neutrale Kambodscha wurden eine 4 jährige Bombenkampagne geflogen um Nordvietnam vom Nachschub abzuschneiden. So wie ich meine wurden da mehr Bomben abgeworfen als in Vietnam. Es wird als das am meisten bombardierte Land aller Zeiten bezeichnet. Ebenfalls stark betroffen Laos. Über diese damals geheime Aktion des Mr. Nixon gibt es im Internet reichlich detaillierte Berichte. Es gibt keine genauen Zahlen, aber man schätzt 50.000 – 150.000 getötete Zivilisten in Kambodscha. Die Menge der abgeworfenen
    Minen haben seit 1979 an die 64.000 Tote bewirkt, und 25.000 amputierte Bürger, darunter sehr viele Kinder. Auch davon im Internet Artikel satt.

  2. Die Informationen des Kommentators „Kaiser Willhelm“ sind auch mir aus verschiedenen Quellenbekannt.
    Ich halte sie für glaubwürdig.

    Arg zweifelhaft ist jedoch das Wort *versehentlich*.
    Denn zur Erreichung der geostrategischen Ziele des US-Aggressors hatten die gewaltigen Bombardierungen von Kambodscha + Laos + Vietnam eine durchaus vergleichbare Priorität.
    Und falls dies bezweifelt wird, dem sei gesagt, daß es für die US-Rüstungskonzerne keine Rolle spielt, ob die Bomben auf Vietnam, Laos, Kambodscha, Grenada, Panama, Japan, Mali, Syrien, Libyen, Irak, Korea, Jemen, Angola, Haiti, Ost-Ukraine, Kossovo, Serbien, Mazedonien, … oder Hundert andere kleine Staaten fallen.
    # Wirtschaftlich betrachtet – wurde aus Perspektive der US-Rüstungskonzerne das Ziel übererfüllt.
    Alles andere ist Fein(d)tuning der Rüstungs-Speditionen (also der US-Politik + Militär).
    (zynisch)

  3. @J.
    In allen Quellen steht „accidentally“. Natürlich kann man sich selbst einen Reim darauf machen.

  4. @J. – Zum Thema Bombardierung kann ich dir hunderte von
    Artikeln verlinken zu Artikeln in englischer Sprache, sicher findet sich auf Suchbegriff auch reichlich was in Deutsch

    Vom Vietnam Krieg spricht man militärhistorisch nur in Bezug auf die Kampfhandlungen in Vietnam. Da aber andere Länder gleich einfach mal so mitbombardiert wurden, läuft das unter dem Begriff 2. Indochina Krieg. Der 1. Indochina Krieg begann 1946 in Vietnam angeleiert, unterstützt und ausgerüstet von den Amerikanern. Stellvertretende Ausführung durch die Franzosen.

    Bitte beachten : Außer HIER bei GEGENFRAGE kommentiere ich nirgends unter meinem Nick kw.
    Bei Kopp soll so ein Vogel sein, der meinen Nick benutzt, und der Vogel kommentiert ggf. auch woanders. Also so einer der sich fremde Federn in den A…. steckt und Kikieriki schreit. Es ist sicher ein Unterschied zu meinem Schreibstil erkennbar.

  5. @Bürgender – Die Bombardierung in Kambodscha war eine gezielte Aktion und nirgends wurden so viele Bomben und Minen abgeworfen wie in Kambodscha, die heute noch für Tod und Verstümmelung sorgen. Versehentlich Zivilisten treffen ist Unsinn, denn man warf die Bomben nicht auf einen sichtbaren Feind ab, sondern massiv auf zivile Infastruktur, also Nachschubwege des Viet Cong.

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