Venezuela schießt zurück:
„Wer ist jetzt der Diktator?“ – Maduro an Spaniens Präsidenten Rajoy


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„Wer ist jetzt der Diktator?“, fragte Venezuelas Präsident Maduro in einer Ansprache über das Referendum in Katalonien und richtete sich damit an Spaniens Präsidenten Mariano Rajoy. Dieser hatte Maduro zuvor für die Gewalt in Venezuela scharf kritisiert.

Mariano Rajoy
Mariano Rajoy, Bild: spanische Flagge, Urheber: Gegenfrage.com

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro hat den spanischen Präsidenten Mariano Rajoy für die heftige Polizeigewalt während des Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien verbal scharf angegriffen. „Wer ist jetzt der Diktator?“, so Maduro bei einer Sendung im staatlichen Fernsehen.

„Mariano Rajoy hat den Weg des Bluts, der Schlagstöcke, der Schläge und Repressionen gegen ein edles Volk gewählt. Wir reichen den Menschen Kataloniens unsere Hand. Leiste Widerstand, Katalonien, Lateinamerika bewundert dich“, fügte der Präsident hinzu. Spaniens Regierung hatte die venezolanische Regierung während der Proteste in Venezuela scharf kritisiert.

Human Rights Watch veröffentlichte eine Erklärung, in der die spanischen Behörden aufgefordert wurden, das Recht ihrer Bürger auf friedliche Versammlungen zu respektieren und keine Gewalt anzuwenden. Der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn bezeichnete die Vorgehensweise der spanischen Behörden als „schockierend“ und bat andere EU-Führer zu intervenieren.

„Ich fordere Theresa May auf, direkt an Rajoy zu appellieren, die Polizeigewalt in Katalonien zu beenden und eine politische Lösung für diese konstitutionelle Krise zu finden“, schrieb er auf Twitter. Julian Assange forderte die EU-Kommission dazu auf, Spanien aufgrund einer Verletzung von Artikel 2 der Menschenrechtskonvention aus der Europäischen Union auszuschließen.

„Wir werden Formalitäten einleiten, um Sanktionsmechanismen zu aktivieren … Wir denken, dass die ganze Welt nach den Aktionen des spanischen Staats Zeuge ist, dass die EU als Garant für Demokratie und Menschenrechte in Gefahr gebracht wird“, sagte Kataloniens Außenminister Raul Romeva auf einer Pressekonferenz in Barcelona.

840 Verletzte

Die Regierung in Barcelona hat gestern das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum trotz eines Verbots durch die Madrid durchgeführt. Die Polizei ging rigoros gegen die Bürger vor, die an der Abstimmung teilnehmen wollten. Nach offiziellen Zahlen wurden dabei mindestens 840 Personen verletzt. Rund 90 Prozent der Katalanen sprachen sich für eine Abspaltung aus.

Rajoy und Maduro greifen sich seit Jahren gegenseitig an. Vor drei Jahren sprach sich Spaniens Präsident für die Freilassung des venezolanischen Oppositionsführer Leopoldo Lopez aus, als dieser wegen Aufrufs zur Gewalt im Gefängnis saß. Daraufhin ließ Caracas den spanischen Botschafter einberufen und beschuldigte Rajoy, „venezolanische Angelegenheiten zu stören“.

Spanien droht finanzielles Blutbad

Die spanische Zeitung El Pais veröffentlichte im Mai Teile eines Geheimdokuments, wonach Katalonien einen einseitigen Austritt aus Spanien plant, für den Fall dass Katalonien an einem Referendum über seine Unabhängigkeit gehindert werden sollte.

Das Finanzportal Wolfstreet schrieb dazu, dass Spanien ein „finanzielles Blutbad“ im Falle einer Abspaltung Kataloniens drohe. Spanien würde 20 bis 25 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verlieren, was die Schuldenlast auf 125 Prozent steigen ließe.

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telesur

12 Kommentare

  1. Nach einem UN-Beschluss, der 1970 ohne Gegenstimme beschlossen wurde, müssen angrenzende Staaten mit dem Einsatz von Militär dafür sorgen, dass Menschen frei wählen können; so wie es Putin auf der Krim gemacht hat.
    Frankreich müsste nun Truppen entsenden, damit die Katalanen frei abstimmen können.
    Aber wie das so in der EU-Diktatur ist, alle halten den Mund und schämen sich noch nicht einmal.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  2. Wenn eine Regierung die ihr verliehene Macht wie eine Peitsche und nicht wie Zügel zur Lenkung des Staates benutzt, so handelt sie auf alle Fälle nicht mehr nach allgemein rechtsstaatlich anerkannten Regeln. Inakzeptabel

    Die Katalonen haben eine eigene Sprache und Kultur – warum sollten sie kein eigener Staat sein dürfen, zumal das Referendum hier eine klare Aussage der Bevölkerung an den Tag brachte.

    Wirtschaftlich wäre ein freies Katalonien auch lebensfähig.

  3. @ eckart

    Rein wirtschaftlich wäre Katalonien vielleicht lebensfähig?
    Aber was ist mit den Schulden, welche die Regierung in Madrid auf Rechnung und zu Gunsten, aber auch zu Lasten aller Regionen gemacht hat?
    Dieses herauszurechnen dürfte sehr problematisch sein.
    Und auch die Frage: wer regiert dann Katalonien?
    Derzeit wird Spanien vom Euro regiert, d.h. von der EZB in Frankfurt. Sollte Katalonien austreten wollen, müssten die extrem niedrigen Zinsen, die von der EZB künstlich niedrig gehalten werden, für den katalanischen Euro steigen.
    Denn ich glaube nicht, dass die EZB, die für Milliarden griechische oder spanische Anleihen kauft, dieses auch für Katalonien tun würde. Damit wären die Zinsen in Katalonien höher wie in Spanien! Das ist nicht praktikabel.
    Das würde scheitern.

  4. Hallo Kaiser Wilhelm
    Beschuss der UN von 1966

    ****Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist eines der Grundrechte des Völkerrechts. Es besagt, dass ein Volk das Recht hat, frei über seinen politischen Status, seine Staats- und Regierungsform und seine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung zu entscheiden. Dies schließt seine Freiheit von Fremdherrschaft ein. —Dieses Selbstbestimmungsrecht ermöglicht es einem Volk, eine Nation bzw. einen eigenen nationalen Staat zu bilden oder sich in freier Willensentscheidung einem anderen Staat anzuschließen—-.
    Heute wird das Selbstbestimmungsrecht der Völker allgemein als gewohnheitsrechtlich geltende Norm des Völkerrechtes anerkannt. Sein Rechtscharakter wird außerdem durch Artikel 1 Ziffer 2 der UN-Charta, durch den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR) sowie den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (IPWSKR), beide vom 19. Dezember 1966, völkervertragsrechtlich anerkannt. Damit gilt es als universell gültig.
    Ganzer Text unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstbestimmungsrecht_der_V%C3%B6lker***

    Danach hat Gorbatschow gehandelt und Putin hat dafür gesorgt, dass die Menschen von der Krim frei abstimmen konnten.
    Und wie handeln die angeblichen Demokraten Europas???

    Dem blöden Volk erzählt das Regierungsfernsehen jeden Tag, dass Putin die Krim völkerrechtswidrig annektiert hat und die Leute glauben es und sie befürworten auch die Sanktionen gegen Russland, die Europa zig Milliarden kosten und in Russland für einen Wirtschaftsaufschwung sorgen.
    Und diese Leute dürfen wählen in Deutschland.

    Viele grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  5. @ Markus,
    Katalonien war ein Geberland, d.h. es ist immer mehr Geld nach Madrid geflossen, als umgekehrt. Mithin sind deine Ausführungen etwas schlicht.

  6. @H.J.Weber
    Besten Dank für deine Nachmeldung. Habe ja schon erläutert, dass ich von vielen Themen null Ahnung habe, weil ich mich nie damit befasst habe. Bin mit meinen Interessengebieten plus zeitaufwändigem Hobby auch ausgelastet. Von daher kommentiere ich auch zu vielen Themen nicht, habe aber hier Vieles mir Unbekannte nebenher mitbekommen. Die Verdrehungen in Sachen Krim für das Dummvolk waren krass, und während D pflichtgehorsamst Sanktionen ausführte, wurde zeitgleich beim Obama der Handel mit Russland noch gesteigert. Wurde sicher nicht bei den Reichs TV Sendern erwähnt seinerzeit.

    Also wenn schon keine fremden Truppen die freien Wahlen möglich machen wollen, dann kommen sie vielleicht zu anderem Zweck, nämlich um einen Volksaufstand gewaltsam zu beenden sofern die lokalen Kräfte für so einen Einsatz zu gering sind.

    https://www.spin.de/forum/msg-archive/16/2009/12/257867

    Bei Infowars wurde ein Uralt-Photo aus Katalonien mit neuem Text versehen, und als
    aktuell vom 2. Oktober 2017 gemeldet innerhalb eines Artikels. Diese Methode läuft seit Jahren, auch mit Videos, wird aber immer häufiger aufgedeckt durch Bürger, welche Zeit und Lust haben zu Überprüfen.

  7. Wie lautete das Motto der spanischen Regierung wenn es um die katalonische Frage geht?
    Liberté, Egalité und vor allem Brutalité

  8. @ Eckart

    Ich weiß, dass Katalonien ein Geberland ist, genauso wie Deutschland, Niederlande, Luxemburg, Österreich alles Geberländer sind.
    Damit sind aber keine besonderen Rechte verbunden.

    Jedenfalls können die Gesamtschulden Spaniens, die auch in die Industrieregionen Barcelona in Richtung Alicante („Alacant“) und in Gegenrichtung zur französischen Grenze geflossen sind, nicht ausgeklammert werden.

  9. @ Markus
    Wenn Geber vor Nehmern keine Möglichkeiten haben sich gegen brutalste Polizeigewalt und Ausbeutung zu wehren, dann stimmt generell etwas nicht. Und das wissen Millionen von Katalonen.

    Wärst du bereit dein gesamtes Taschengeld in die brutalen Arschlöcher von egoistischen faulen Hooligans zu stecken?
    (Übertreibung verdeutlicht – sonst begreifst du es ja nicht!)

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