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22.11.1923: Deutscher Spion Lothar Witzke wird in den USA begnadigt


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Am 22. November 1923 begnadigte US-Präsident Coolidge den deutschen Top-Spion Lothar Witzke, der während des Ersten Weltkriegs als Saboteur in den Vereinigten Staaten und Mexiko tätig war.

Lothar Witzke
„Weltkrieg“, Lothar Witzke, Bild: Gegenfrage.com

Lothar Witzke (geb. 1895, gestorben nach 1952) war ein deutscher Marineoffizier, der während des Ersten Weltkrieges als Spion und Saboteur in den Vereinigten Staaten und in Mexiko tätig war. Im Jahr 1918 wurde er verhaftet und zum Tode verurteilt.

Durch den Waffenstillstand am 11. November 1918 wurde sein Leben gerettet. 1923 wurde er begnadigt und freigelassen. Während des Zweiten Weltkrieges diente er in der Abwehr. Nach dem Krieg war er Parteimitglied des Hamburger Parlaments.

Marinekarriere

Der im Kreis Koschmin in der Provinz Posen geborene Witzke wurde an der Posener Akademie ausgebildet und trat dann als siebzehnjähriger Kadett in die Deutsche Marineschule ein. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges war er Leutnant in der Kaiserlichen Marine auf dem Leichten Kreuzer SMS Dresden.

Nach monatelangen Gefechten versenkten die Alliierten die SMS Dresden. Witzke überlebte mit einem gebrochenen Bein und wurde festgenommen. Zusammen mit anderen Überlebenden der Besatzung internierten ihn die Engländer in Valparaíso, Chile.

Sabotageaktivitäten

Anfang 1916 entkam Witzke aus der Haft. Unter einem falschen Namen gelang es ihm im Mai 1916 als Seemann an Bord der SS Calusa San Francisco zu erreichen. In Kalifornien berichtete er an den deutschen Generalkonsul Franz von Bopp, der ihn mit einem anderen Saboteur, Kurt Jahnke, in Mexiko-Stadt einsetzte.

Zu diesem Zeitpunkt wussten die amerikanischen Behörden nichts von den heimlichen Aktivitäten der beiden Spione. Beide zeigten eine besondere Begabung für die Geheimdienstarbeit und arbeiteten deutlich besser als Bopps andere Agenten.

Neben ihrer Arbeit an der Westküste unternahmen Witzke und Jahnke häufig Sabotage-Missionen an der Ostküste. Bopp wurde verhaftet, weshalb Witzke und Jahnke ihre Spionage- und Sabotageaktivitäten nur noch an der industriell bedeutenderen Ostküste durchführten.

Verhaftung

Doppelagenten des U.S. Military Intelligence Corps verbanden Witzke mit einer Munitionsexplosion vom März 1917 auf dem Mare Island Naval Werftgelände in San Francisco. Später gab Witzke außerdem zu, dass er an der Black Tom Explosion im New Yorker Hafen am 30. Juli 1916 mitgewirkt hatte.

Witzke wurde am 01. Februar 1918 um 10 Uhr in der Nähe von Nogales in Arizona an der mexikanischen Grenze verhaftet. Er behauptete, ein russischstämmiger Amerikaner mit dem „Pablo Waberski“ zu sein, der gerade nach San Francisco zurückkehrte.

Ein Kryptogramm mit 424 Buchstaben wurde gefunden, das in den linken Ärmel seiner Jacke eingenäht war. Einige Monate konnte das Kryptogramm dem Kaiserlichen Konsulat in der Republik Mexiko zugeordnet werden.

Todesurteil

Ein Kriegsgericht in Fort Sam Houston verurteilte Witzke zum Tode. Zweimal versuchte er zu fliehen. In einem Fall gelang es ihm tatsächlich, doch fassten ihn die Behörden am selben Tag in einer mexikanischen Hütte nahmen ihn wieder in Haft.

Nach seiner Rückkehr fand man eine Rasierklinge in seiner Zelle. Da man einen Selbstmord befürchtete, war ihm von nun an das Tragen von Oberbekleidung nicht mehr erlaubt. Am 02. November 1918 bestätigte der Department Commander die Todesstrafe.

Da der Krieg jedoch am 11. November 1918 endete, wurde das Todesurteil nicht vollstreckt. Am 27. Mai 1920 änderte US-Präsident Wilson das Todesurteil Witzkes zu lebenslanger Haft. Die US-Behörden verlagerten ihn ins Leavenworth-Gefängnis.

Begnadigung und späteres Leben

Unterdessen übten deutsche Beamte großen Druck auf seine Freilassung aus. Am 30. April 1923 bat der deutsche Botschafter um die Freilassung Witzkes mit der Begründung, andere Länder, darunter Deutschland, hätten alle Kriegsgefangenen, darunter auch Spione, freigelassen.

Gleichzeitig besagte ein Gefängnisbericht, dass Witzke eine Katastrophe heldenhaft verhindert hatte, indem er nach einer Explosion einen Heizraum des Gefängnisses betrat und den Kessel sicherte. Auf dieser Grundlage begnadigte US-Präsident Calvin Coolidge den deutschen Top-Spion.

Am 22. November 1923 (laut anderen Quellen am 23. November oder auch am 26. September) wurde er aus der Haft entlassen und nach Berlin deportiert. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde Leutnant Witzke mit dem Eisernen Kreuz der Ersten und Zweiten Klasse ausgezeichnet.

Später arbeitete er für den Militärgeheimdienst Abwehr. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er in Hamburg und ließ sich dort in den Landtag wählen. Von 1949 bis 1952 war er Parteimitglied des Hamburger Parlaments.

Quellenangaben anzeigen
ciathisdayinhistory, wikipedia, Historical Dictionary of World War I Intelligence S. 341, A Century of Spies: Intelligence in the Twentieth Century S. 70

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