"Lenins Testament":
04.01.1923: Lenin fordert Amtsenthebung von Josef Stalin


Geschichte

Am 04. Januar 1923 forderte Lenin in seinem Testament die Amtsenthebung des Generalsekretärs des Zentralkomitees Josef Stalin. Das Dokument blieb bis nach Stalins Tod im Jahr 1953 unter Verschluss.

Lenins Testament Stalin
Lenins Testament Stalin, Bild: Gegenfrage.com, Flagge der Sowejtunion gemeinfrei

Lenins Testament ist der Name eines von Wladimir Lenin in den letzten Wochen des Jahres 1922 und der ersten Woche des Jahres 1923 geschriebenen Dokuments. Im Testament schlug Lenin Änderungen an der Struktur der sowjetischen Regierungsorgane vor.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Angesichts seines drohenden Todes äußerte er sich auch zu den führenden Mitgliedern der Sowjetunion, um seine Zukunft zu sichern. Er schlug vor, Josef Stalin aus seinem Amt als Generalsekretär des Zentralkomitees der russischen kommunistischen Partei zu entfernen.

Lenin wollte, dass das Testament auf dem 12. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion im April 1923 verlesen wird. Nach seinem dritten Schlaganfall im März 1923 war er gelähmt und nicht mehr in der Lage zu sprechen, sodass seine Frau Nadezhda Krupskaja das Dokument in der Hoffnung auf eine spätere Genesung zunächst geheimhielt.

Erst nach Lenins Tod am 21. Januar 1924 übergab sie das Dokument dem Sekretariat des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei und bat darum, es den Delegierten des 13. Parteitages im Mai 1924 zur Verfügung zu stellen.

Lenins Testament stellte das regierende Triumvirat oder die Troika (Josef Stalin, Grigorij Sinowjew und Lew Kamenew) vor ein unbequemes Dilemma. Man zog es vor, das Testament unter Verschluss zu halten. Darin wurden sowohl der Verbündete Nikolai Bucharin, als auch politische Gegner wie Leo Trotzki und Georgij Pjatakow scharf kritisiert.

Obwohl Lenins Bemerkungen praktisch allen kommunistischen Führern schadeten, war Josef Stalin der größte Leidtragende. Der einzige praktische Vorschlag im Testament bestand darin, ihn aus dem Amt des Generalsekretärs des Zentralkomitees der Partei zu entfernen.

Stalin „kann nicht geduldet werden“

In einer Nachschrift am 04. Januar 1923 schrieb Lenin, Stalin sei zu grob und könne nicht als Generalsekretär geduldet werden. Er schlug den Genossen vor, sich darüber Gedanken zu machen, wie man Stalin austauschen könne.

Jemand andere müsse an seine Stelle gesetzt werden, der sich in jeder Hinsicht von Stalin unterscheidet. Dieser müsse dann toleranter, loyaler, höflicher, aufmerksamer und weniger launisch sein. Dies sei von entscheidender Bedeutung, um eine Spaltung innerhalb der Partei zu vermeiden.

Das Lenin-Testament wurde zwar verlesen, von einer Veröffentlichung jedoch abgesehen, um der Partei keinen Schaden zuzufügen. Eine editierte Version des Testaments wurde im Dezember 1927 in einer limitierten Auflage gedruckt, die den Delegierten des 15. Parteitags zur Verfügung gestellt wurde.

Der Inhalt des Testaments und die Geheimhaltung wurden im Westen bekannt. Eine vollständige englische Übersetzung des Textes erschien im Jahr 1926 in der New York Times. In den späten 1920er Jahren wurde jegliche Bezugnahme auf Lenins Testament als antisowjetische Agitation betrachtet und als solche bestraft.

Die Existenz von Lenins Testament wurde konsequent geleugnet und blieb bis zum Tod Stalins am 05. März 1953 einer der Eckpfeiler der sowjetischen Geschichtsschreibung. Stalins Nachfolger Nikita Chruschtschow ließ das Dokument im Jahr 1956 am 20. Kongress der Kommunistischen Partei veröffentlichen.

Der Originalbrief befindet sich in einem Lenin gewidmeten Museum.

Quellenangaben anzeigen
wikipedia, marxists

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