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20.11.1829: Vertreibung der Juden aus Mykolajiw, heutige Ukraine


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Am 20. November 1829 ordnete die russische Regierung die Vertreibung aller Juden aus Mykolajiw in der heutigen Ukraine an.

Vertreibung der Juden aus Mykolajiw, heutige Ukraine
Vertreibung der Juden aus Mykolajiw, heutige Ukraine, Flagge des Russischen Kaiserreichs, Bild: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1829 ordnete Nikolaus I. die Vertreibung der Juden aus Mykolajiw in der heutigen Ukraine an. Die örtlichen Behörden, angeführt vom Militärgouverneur von Admiral A. Greig, widersetzten sich diesem Erlass und behaupteten, dass die Vertreibung die Entwicklung der Stadt, insbesondere im Handwerk und Schiffbau, beeinträchtigen würde.

So verzögerte sich die Vertreibung der Juden bis 1832 und dann wieder bis 1834. Nach der Vertreibung im Jahre 1834 durften nur noch wenige jüdische Werftarbeiter in der Stadt bleiben. Mit der Wirtschaft ging es von nun an bergab.

1837 schlug der Innenminister im Einvernehmen mit dem Chef des Marinestabes vor, Eltern von Juden im Marinedienst Mykolajiw unterzubringen. Doch stimmte der Zar dem nur im Falle verwitweter Mütter zu.

Rückkehr der Juden nach Mykolajiw

Mit der Thronbesteigung von Zar Alexander II. milderte die Regierung die restriktiven Gesetze, die während der vorhergehenden Herrschaft auferlegt worden waren. So erlaubte Alexander II. 1859 auf Ersuchen der Admiralität, die für Mykolajiw und das Finanzministerium zuständig war, den Juden, sich wieder in der Stadt anzusiedeln.

Erste Kaufleute und Industrielle kehrten zurück. Im Jahr 1860 zunächst nur ehemalige Offiziere oder Soldaten niedrigen Ranges, ab 1861 auch Handwerker. Bis 1862 wurde die Stadt nur als Militärhafen genutzt, danach auch als Handelshafen.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Hafen zum drittgrößten nach St. Petersburg und Odessa, basierend auf dem Handelsvolumen mit dem Ausland. In den 1870er Jahren war die Stadt ein bedeutende Industriezentrum in der Region. 1873 wurde auch eine Eisenbahn zum Hafen gebaut.

Pogrome

Nach den Pogromen von 1881-82 begannen Juden aus Russland auszuwandern. Hunderttausende Juden wurden verfolgt und wanderten in die Vereinigten Staaten, nach Kanada, Argentinien und in andere Länder aus. Die Auswanderung dauerte bis kurz nach der Machtübernahme der Bolschewiki in Russland im November 1917, die die Ausreise verboten.

Im Frühjahr 1899 brach in Mykolajiw ein Pogrom aus. Die städtischen Juden waren bis auf wenige Ausnahmen kaum in der Lage, sich wirksam zu verteidigen. So wurden etwa in der Kolonie Nagartav alle Höfe und Geschäfte zerstört.

Im Oktober 1905 gab es im ganzen Russischen Reich Pogrome, wo Juden lebten. Eine zionistische Selbstverteidigungsorganisation in Mykolajiw leistete etwas Widerstand. Doch verloren viele jüdische Familien alles was sie besaßen.

In den Jahren 1919-20 brachen erneut Verfolgungen in Städten und Dörfern rund um Mykolajiw und in der ganzen Ukraine aus. Bis zu Stalins Tod im Jahr 1953 wurden sowjetische Juden systematisch vertrieben und ermordet.

Quellenangaben anzeigen
jewishgenwikipedia, wikipedia

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