An diesem Tag
26.03.2015: Beginn des Jemen-Kriegs


Geschichte/Jemen/Saudi-Arabien/USA

Am 26. März 2015 begann Saudi-Arabien mit Luftangriffen auf den auf den Jemen. Nachdem der eng mit Riad verbundene jemenitische Präsident im Jahr 2014 von seinem Amt zurücktrat, griff Saudi-Arabien im März 2015 den Jemen, bzw. die seit Februar 2015 dort herrschenden Houthi-Rebellen an.

Jemen Krieg ab 2015
Jemen Krieg ab 2015, Bild: Flaggen Saudi-Arabien + Jemen, beide gemeinfrei

An diesem Tag im Jahr 2015 begannen die Luftangriffe Saudi-Arabiens auf den Jemen. Im Januar desselben Jahres war der mit Saudi-Arabien verbündete jemenitische Präsident Rabbuh Mansur Hadi zurückgetreten. Im Februar 2015 übernahmen die Houthis die Macht, bereits im März begannen die Bombardements.

Für den Krieg existiert kein UN-Mandat. Saudi-Arabiens Operation, welche laut vielen Experten ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg ist, wird von zahlreichen Ländern militärisch und logistisch unterstützt. Unter anderem von den USA, Großbritannien, Frankreich, Pakistan, Somalia, Bahrain, Katar, Kuwait, Vereinigte Arabische Emirate, Ägypten, Jordanien, Marokko, dem Sudan und dem Senegal.

Interessant ist, dass vor Ausbruch des Kriegs sowohl der Jemen als auch Saudi-Arabien von den USA mit Waffen beliefert wurde, darunter gepanzerte Humvees, Maschinengewehre, Pistolen, Granaten und Munition. Dies wurde durch erst später veröffentlichte Dokumente bekannt.

Laut einem Bericht der Yemen Press aus dem Jahr 2017 geht es in dem Konflikt nicht um religiöse Konflikte oder den Krieg gegen Terror, sondern um Öl und Gas. Im Jemen wurden vor dem Krieg riesige Vorkommen entdeckt, die das Land zu einem der größten Produzenten der Welt machen könnten.

2015

Im Sommer 2015 erschienen Meldungen, dass Saudi-Arabien Bodentruppen in den Norden Jemens entsandt habe. Die jemenitischen Streitkräfte hatten zuvor 40 Raketen über die Grenze nach Saudi-Arabien auf ein Militärdepot gefeuert. Laut WHO betrug die Opferzahl zu diesem Zeitpunkt 4.300.

Im September legte Saudi-Arabien dem UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) eine eigene Untersuchung zum Jemenkrieg vor. Damit beabsichtigte man der Untersuchung niederländischer Diplomaten zuvorkommen, die den Vereinten Nationen ebenfalls einen Bericht über die Menschenrechtssituation in dem Konflikt vorlegen wollten.

Im Oktober entsandte der Sudan Bodentruppen ins Kriegsgebiet. „Die sudanesischen Kräfte stellen für die Koalitionsstreitkräfte am Boden einen Mehrwert dar“, sagte Saudi-Arabiens Verteidigungsminister Ahmad Assiri. Ein TV-Sender zeigte Bilder sudanesischen Truppen im Hafen von Aden. Auch gepanzerte Fahrzeuge wurden angeschifft.

Laut arabischen Zeitungen griff Saudi-Arabien gezielt Wohngebiete und die Infrastruktur im Jemen an. Anders waren Luftangriffe auf Märkte, Häuser und Lastwagen nur schwer zu erklären. So geschehen auch im November, als Wohngebiete in der Provinz Jawf bombardiert wurden. 15 Zivilisten starben. Nach 245 Kriegstagen wurden nach inoffiziellen Zahlen 6.984 jemenitische Todesopfer gezählt.

2016

Im Februar griffen saudische Kampfjets einen Markt in Jemens Hauptstadt Sana’a an, wodurch 45 Zivilisten starben und 50 weitere verletzt wurden. Einen Monat später erfolgte ein weiterer Luftangriff auf einen belebten Markt. 106 Menschen starben, darunter 24 Kinder.

Nachdem Saudi-Arabien mehrfach Streumunition gegen den Jemen eingesetzt hatte, stellten die USA die Lieferungen der geächteten Munition an das Königreich ein. Iran kritisierte Saudi-Arabien aufgrund von „Kindermorden“ im Jemen. Irans spiritueller Führer Khamenei warf den Vereinten Nationen vor, bei den von Saudi-Arabien verübten Kriegsverbrechen im Jemen „ein Auge zuzudrücken“.

Riad setzte sich über einen von den Vereinten Nationen ausgehandelten Waffenstillstand hinweg und bombardierte im Juli Ziele im Jemen. Die Angaben zu den Opferzahlen gingen zu dieser Zeit stark auseinander, verschiedene offizielle und inoffizielle Organisationen zählten zwischen 3.500 und 10.000 zivile Opfer.

Zivile Objekte werden angegriffen

Human Rights Watch stellte ebenfalls im Juli fest, dass offenbar gezielt zivile Objekte angegriffen wurden, um den ohnehin extrem geschwächten Jemen mit seiner zu 80 Prozent hungernden Bevölkerung für Jahre lahmzulegen. Dies stellte nach Definition ein Kriegsverbrechen dar.

Im August meldeten die Ärzte ohne Grenzen den Beschuss einer Schule, wodurch zehn Kinder, alle unter 15 Jahre alt, ums Leben kamen. Die Ärzte ohne Grenzen konnten Verletzte in einem Feldlazarett in der Nähe der Schule notversorgen, bevor sie in ein öffentliches Krankenhaus übertragen wurden.

Wenige Tage später wurde ein Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen bombardiert. Elf Menschen starben. Anschließend wurden Rettungskräfte davon abgehalten Ersthilfe zu leisten. Die Hilfsorganisation gab an, dass man der Saudi-Koalition zuvor GPS-Daten des Standorts des Krankenhaus übersendet habe, um derartige Attacken zu vermeiden. Die Ärzte ohne Grenzen verließen den Jemen daraufhin.

Durch Saudi-Arabiens völkerrechtswidrige Angriffe im Jemen, die große Zahl an Enthauptungen und die mangelhafte Menschenrechtslage, wuchs der politische Druck auf Großbritanniens Regierung. Im Jahr zuvor hatte sich die britische Regierung für einen Vorsitz Saudi-Arabiens im UN-Menschenrechtsrat ausgesprochen.

Ein drittel aller Angriffe treffen zivile Ziele

So wurde im September 2016 ausgewertet, dass Saudi-Arabiens Militärkoalition in den vergangenen eineinhalb Kriegsjahren 8.600 Ziele im Jemen bombardiert hatte. Ein Drittel der Angriffe trafen zivile Ziele wie Schulen, Krankenhäuser und Moscheen.

Im Oktober 2016 wurden durch einen US-Raketenangriff jemenitische Radaranlagen zerstört. Daraufhin entsandte der Iran eine Flotte von Kriegsschiffen in den Golf von Aden. „Die Flotte wird iranische Schiffe und die iranischen Interessen auf hoher See schützen“, sagte ein iranischer General gegenüber PressTV.

Jemenitische Soldaten erkämpften sich im November die Kontrolle über zwei Militärbasen in der südlichen Grenzregion von Asir auf saudi-arabischer Seite. Laut Militärquellen sei außerdem ein saudi-arabisches Militärfahrzeug zerstört worden sein. Ein weiterer Angriff richtete sich gegen eine Söldner-Basis, wodurch „eine große Anzahl“ Truppen getötet wurde.

Eine UN-Untersuchung vom Dezember ergab, dass zu diesem Zeitpunkt im Jemen durchschnittlich alle zehn Minuten ein Kind starb. Die Infrastruktur wurde zerstört, das Gesundheitssystem steht vor dem Zusammenbruch, Hunderttausende sind unterernährt, behandelbare Krankheiten breiten sich aus.

2017

Im Januar meldete die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dass die zu dieser Zeit schlimmste Hungerkrise der Welt im Jemen stattfinde. Fast die Hälfte der 22 Gouvernorate befanden sich Anfang 2017 offiziell in einer Notfallsituation.

In der nordwestlichen Provinz Hajja wurde zudem damit begonnen, Frauen auf Angriffe der Koalition vorzubereiten. So sollten diese lernen, sich mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen und ein Bewusstsein für die Krise zu entwickeln.

Derweil eroberten jemenitische Truppen fünf Militärbasen saudischer Söldner, wie lokale Medien meldeten. Im Februar meldete die jemenitische Nachrichtenagentur Saba einen Raketenangriff auf Riad, Saudi-Arabiens Hauptstadt.

Die Vereinten Nationen veröffentlichten im März einen weiteren Bericht, nach dem in nur vier Ländern insgesamt 20 Millionen Menschen zu verhungern drohten, die meisten davon im Jemen. UN-Nothilfekoordinator Stephen O‘ Brien bezeichnete die Situation als „schlimmste humanitäre Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs“.

Pakistan sendet Truppen nach Saudi-Arabien

Nach einen dreitägigen Besuch von General Qamar Javed Bajwa, dem pakistanischen Chef des Armee-Stabes (COAS), in Saudi-Arabien, meldete die Zeitung Middle East Eye im März die Entsendung pakistanischer Truppen nach Saudi-Arabien. Diese sollten dort die Grenzen vor Angriffen der Houthis schützen.

Mitte März bombardierte ein saudi-arabischer Kampfjet ein Fischerboot im Westen des Jemen. Mindestens sieben Angler starben, acht weitere wurden verletzt. Wenige Stunden später feuerten jemenitische Kräfte in der Wadi-Namlah-Region laut lokalen Medien eine BM-21-Grad-Rakete auf eine von Saudi-Arabien gesponserte Miliz ab.

Ende März warnten jemenitische Ärzte vor einem „drastischen“ Anstieg von Missbildungen und Fehlgeburten bei Neugeborenen. Dies sei eine unmittelbare Auswirkung des seit inzwischen zwei Jahren dauernden Kriegs. Viele Kinder würden auch viel zu früh auf die Welt kommen, insbesondere in bombardierten Gebieten.

Im April schrieb der Jemen die Europäische Union an mit der Bitte, Druck auf Saudi-Arabien auszuüben und den Krieg zu beenden. Zu dieser Zeit konnten bereits vier Millionen Kinder aufgrund des Kriegs nicht mehr zur Schule gehen. 73 Prozent aller Lehrer erhielten kein Geld mehr.

Laut einem Artikel der Yemen Press waren die USA damit beschäftigt, eine Militärbasis auf einer Insel im Roten Meer aufzubauen. Konkreter gehe es um die Insel Hanish al-Kubra, die 130 km von der Stadt Hideidah und 40 km von al-Makha entfernt liegt. Nach der Ankunft der US-Streitkräfte auf der Insel, hätten amerikanische Experten dort Radarsysteme installiert.

Laut Stephen Lendman, einem in Chicago ansässigen Politik-Journalisten und Schriftsteller, wurde Saudi-Arabiens Angriffskrieg gegen den Jemen in Washington DC geplant und organisiert.

Der Westen warf dem Iran vor, den Houthis ihre ballistischen Raketen zugespielt zu haben. Viel wahrscheinlicher ist aber, dass der Jemen diese bereits lang vor Beginn des Kriegs aus Nordkorea erhalten hat.

Ausbruch der Cholera

Ebenfalls im Mai 2017 warnten Jemens Behörden, dass der schwere Cholera-Ausbruch zu einer „beispiellosen Katastrophe“ führen könnte, falls sie nicht umgehend gehandelt wird. Darum erklärte die Houthi-Regierung den Ausnahmezustand.

Daraufhin bombardierte Saudi-Arabien ein jemenitisches Krankenhaus, wo sich Cholerapatienten in Behandlung befanden. Das Gebäude wurde schwer beschädigt, sodass der Betrieb der Einrichtung eingestellt werden musste.

Laut einem Bericht der WHO waren im August bereits mehr als 500.000 Menschen im Jemen seit Ausbruch der Krankheit im April an Cholera erkrankt. Die Anzahl der Todesfälle stieg bis zu diesem Zeitpunkt auf knapp 2.000.

Im September waren es bereits 600.000 Erkrankungen. Als Hauptgrund nannte man den Zusammenbruch der Wasserversorgung und des Abfallsystems infolge der Luftangriffe durch Saudi-Arabien.

Briten wollen Geld verdienen

Britische Rüstungsunternehmen wie BAE Systems verdienten seit Beginn des saudi-arabischen Angriffskriegs auf den Jemen bis September 2017 über sechs Milliarden Pfund (6,76 Milliarden Euro) durch Waffenexporte nach Riad verdient. Dies ging aus Zahlen der gemeinnützigen Organisation War Child UK hervor.

Um die Gewinne nicht einbrechen zu lassen, blockierte London angeblich eine Untersuchung der saudi-arabischen Kriegsverbrechen im Jemen-Krieg durch den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. Dies sagte jedenfalls David Mepham von Human Rights Watch.

Für die Saudis hingegen wurde der Krieg allerdings allmählich kostspielig. Der saudi-arabische Kronprinz und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman al-Saud suchte angeblich nach einem „Ausstieg aus dem Krieg“ gegen den Jemen.

Im November bombardierte Saudi-Arabien den jemenitischen Hauptstadt-Flughafen in Sana’a, wo bisher internationale Hilfslieferungen eintrafen. UN-Sprecher Stephane Dujarric sagte gegenüber Reportern, dass der Luftangriff die prekäre humanitäre Situation im Jemen noch verschlimmere.

2018

Vereinte Nationen verlängerte Ende Februar die Sanktionen gegen den Jemen um ein weiteres Jahr. Zuvor hatte Russland einen britischen Resolutionsentwurf gegen den Iran abgelehnt. Darin warf man der Islamischen Repubik vor, „nicht genug gegen Raketenlieferungen in den Jemen“ unternommen zu haben.

Der britische Außenminister Boris Johnson betonte das Recht Saudi-Arabiens, „sich im Jemen selbst zu verteidigen“. Dieses Aussage traf er im März während eines Besuchs des saudischen Kronprinzens Mohammed bin Salman in London.

Ende des Monats meldeten Medien, dass Großbritannien 48 Eurofighter an die Regierung in Saudi-Arabien verkauft. Der Eurofighter ist ein von Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien gemeinsam entwickeltes Flugzeug.

Laut einem Bericht der Sächsischen Sonntagszeitung gingen im März 2018 insgesamt 26 Prozent aller deutschen Waffenexporte in Krisenregionen im Nahen Osten, darunter Saudi-Arabien. Damit haben sich die Rüstungsexporte in diese Regionen seit 2013 verdoppelt.

To be continued…



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