"Irexit":
Für Irland gibt es keinen Grund in der EU zu bleiben – Irish Times


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Für Irland gibt es keinen Grund mehr, Mitglied der EU zu bleiben. Dublin bezahlt inzwischen mehr an die EU, als es zurückbekommt. Immer mehr Stimmen möchten dem Beispiel Großbritanniens folgen und sprechen sich für einen „Irexit“ aus.

Irexit Irland EU
Irexit Irland EU, Bild: Flaggen gemeinfrei, Gegenfrage.com

Eine wachsende Zahl irischer Kommentatoren drängen Dublin dazu, dem Beispiel Londons zu folgen und aus der Europäischen Union auszutreten. Die EU stelle eher ein Hindernis dar, als irgendeine Hilfe für Irland, sagte etwa Dr. John Anthony Coughlan gegenüber Radio Sputnik.

Da das Vereinigte Königreich seinen Ausstieg aus der EU verhandelt, fordern einige Stimmen Selbiges für das benachbarte Irland. Laut dem Wirtschaftswissenschaftler Ray Kinsella, der am Mittwoch in der Irish Times einen diesbezüglichen Artikel publizierte, ist die EU zu einer „Verzerrung der Vision der Pionieren der europäischen Einheit wie Jean Monnet und Robert Schuman geworden.

Sie seien Schlüsselfiguren bei der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl im Jahre 1991 gewesen, dem Vorläufer der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und später der EU.

„Es ist ein hegemonistischer und zunehmend militarisierter politischer Behemoth, der von Deutschland und in geringerem Maße von einer deutsch-französischen Interessensgemeinschaft beherrscht wird. Europa ist durch eine drückende Abhängigkeit zentral verbunden“, schrieb Kinsella.

Dr. John Anthony Coughlan, Direktor der National Platform beim EU Research and Information Center und Professor für Sozialpolitik am Trinity College Dublin, sagte gegenüber Radio Sputnik, dass die Zeit für Irland gekommen sei, die EU zu verlassen. Inzwischen würden die Nachteile die Vorteile überwiegen.

„Wenn wir es objektiv betrachten, gibt es keine wirklichen Vorteile mehr für den irischen Staat, in der EU zu bleiben. Seitdem er sich 1973 zurückgezogen hat, bekam [Irland] eine große Menge an Geld aus der EU, vor allem aufgrund der landwirtschaftlichen Produktion.“

Weiter schrieb er: „In den letzten drei oder vier Jahren sind wir zu Nettozahlern geworden. Wir bezahlen mehr Geld an die EU, als wir bekommen. Seit Jahrzehnten betrachtet das irische politische Establishment die EU als eine Art Melkkuh,  sozusagen eine Quelle für leicht verdientes Geld.“

‚Euro-Beitritt war ein Irrtum‘

Coughlan fügte hinzu, es gebe „einige große Nachteile“ durch die EU-Mitgliedschaft. So sei es beispielsweise Fischern aus der ganzen Union erlaubt, in irischen Gewässern zu fischen. Er wies außerdem darauf hin, dass Irlands größte Handelspartner die USA und Großbritannien seien. Daher solle sich Irland auf die USA und Großbritannien konzentrieren, und nicht auf die EU.

Er schrieb weiter, Dublin sei der Währungsunion lediglich deshalb beigetreten, weil man einen späteren Eintritt Großbritanniens in die Eurozone erwartet habe. „Irland ist wahrscheinlich das einzige Land, das den Euro verlassen könnte, ohne eine allgemeine Krise für die Euro-Währung als Ganzes zu verursachen.“

James Keane, ein Gründungsmitglied der Partei „People of Ireland“, glaubt ebenfalls, dass Irland dem Austritt des Vereinigten Königreich aus der EU folgen solle, da der Lebensstandard unter dem EU-Durchschnitt bleibe und das Land mit einem hohen Schuldenstand belastet sei.

Staatsanleihen seit 2007 vervierfacht

Ein Juli-Briefing der irischen Irlands National Treasury Management Agency ergab, dass die Staatsverschuldung Irlands inzwischen 200 Milliarden Dollar erreicht hat. Dies sei viermal mehr als noch im Jahr 2007 und entspreche 42.000 Euro pro Person. Der Pro-Kopf-Durchschnitt unter den 28 Mitgliedsstaaten der EU betrage hingegen 24.000 Euro.

„Die britischen Bürger haben sich dafür entschieden zu gehen und ich glaube, dass dies eine großartige Entscheidung war. Es wird nicht das letzte Land sein, das geht. Jeder schaut nun genau, wie Großbritannien behandelt wird und alle werden sich aus diesem Grund von der EU abwenden.“

„Wir brauchen eine kritische Position in Bezug auf die Europäische Union Wir brauchen Gespräche darüber. Ich hoffe, dass meine Gruppe es schafft, die Bürger sprechen zu lassen. Wenn ich mich mit den Leuten unterhalte, von Haus zu Haus, von Angesicht zu Angesicht, erhalte ich positive Reaktionen. Darum denke ich, dass sie mit der Zeit wachsen wird“, so Keane.

Quellenangaben anzeigen
irishtimes, sputnik

1 Kommentar

  1. Wie Dirk Müller dieser Tage über Tschechien sprach, das dies auf gar keinen
    Fall den Euro einführen werden sondern ihre Krone lieber behalten .
    Ländern die den Euro nicht haben geht es wirtschaftlich besser.

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