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19.12.2005: Iran verbietet westliche Musik in Radio und TV


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Am 19. Dezember 2005 wurde im Iran westliche Musik im Radio und im Fernsehen verboten, da diese „den Verstand abstumpft“, ähnlich wie Drogen. In Teheran bildeten sich daraufhin zahlreiche Pop-, Rock- und Hip Hop-Untergrundszenen.

Iran Verbot westliche Musik
Iran Verbot westliche Musik, Bild: Gegenfrage.com, Flagge gemeinfrei

An diesem Tag im Jahr 2005 verbot der Iran sämtliche westliche Musik in Radio und Fernsehen. Die erste bekannte Äußerung einer öffentlichen Persönlichkeit über das Potential von Populärmusik, als sozial destabilisierende Kraft zu wirken, stammt aus dem ersten Jahrhundert v.Chr., als niemand geringerer als der große Philosoph Plato schrieb: „Wenn sich die Art der Musik verändert, werden die Stadtmauern erschüttert.“

Viele ähnliche Äußerungen folgten in den 2000er Jahren, als Verteidiger des Status Quo verschiedene Musiker wie Igor Strawinsky, Elvis Presley und Ice-T als Gefahren für die Gesellschaft bezeichneten.

Der neu gewählte iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad hat dies auf einen Schlag im Jahr 2005 auf diese Musiker und viele mehr übertragen, als er in der Islamischen Republik Iran ein totales Verbot westlicher Musik im staatlichen Fernsehen und Radio anordnete.

Das Verbot entsprach der Antipathie gegen die westliche Kultur, die Präsident Ahmadinejad zuvor als Bürgermeister von Teheran gezeigt hatte. In diesem Amt hatte Ahmadinedschad beispielsweise im Jahr 2003 sämtliche Werbung vom internationalen Fußballstar David Beckham verboten.

Westliche Musik „zerstört unsere Jugend“

Das Verbot westlicher Musik war eine Neuauflage einer langjährigen offiziellen Politik, die im Iran nach der Islamischen Revolution von 1979 eingeführt wurde. Der iranische Führer Ayatollah Khomeini begrtündete das Verbot damit, dass derartige „Musik den Verstand abstumpft, weil es ähnlich wie bei Drogen Genuss und Ekstase beinhaltet. Es zerstört unsere Jugend, die dadurch vergiftet wird.“

In den Jahrzehnten nach der Revolution, aber noch vor der Wahl von Ahmadinedschad, war die Anhängerschaft westlicher Musik stark gewachsen. Musiker wie George Michael, Eric Clapton, The Eagles oder Kenny G. erfreuten sich großer Beliebtheit.

Das von Präsident Ahmadinedschad angekündigte Verbot setzte dem ein Ende. Allerdings war das neue Gesetz nur wenig erfolgreich in einem Land, in dem 70 Prozent der Bevölkerung jünger als 30 Jahre alt waren. Noch im selben Jahr blühten in der iranischen Hauptstadt trotz des Verbots verschiedene Untergrundszenen auf, die sich mit westlichem Pop, Rock und Hip-Hop beschäftigen.

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