Hollandes Rachefeldzug: 120 Zivilisten in Syrien ausgelöscht


von

Französische Kampfjets haben gestern zwei syrische Dörfer bombardiert, wodurch 120 Zivilisten, laut Berichten hauptsächlich Frauen, Kinder und ältere Menschen, getötet wurden. Nach dem Ereignis in Nizza hatte Frankreichs Präsident Hollande Vergeltungsschläge in Syrien und im Irak angekündigt.

hollande
„Francois Hollande Bastille Day 2013 Paris t101747“ by Marie-Lan Nguyen / Wikimedia Commons. Licensed under CC BY 2.5 via Commons.

Nur wenige Tage nachdem der in Tunesien geborene Franzose Mohamed Lahouaiej Bouhlel in Nizza einen LKW in eine Menschenmenge lenkte und dadurch 84 Personen ums Leben kamen, haben französische Kampfjets am Dienstag die syrischen Dörfer angegriffen und mindestens 120 Zivilisten umgebracht. Syriens Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat die Angriffe und die dadurch entstandenen zivilen Opfer bestätigt.

Tatsächlich besteht zwischen diesen beiden Ereignissen ein Zusammenhang, so das Ron Paul Institute aus Texas, da Frankreichs Präsident Francois Hollande nach dem Ereignis in Nizza Vergeltung schwor und eine verstärkte Bombardierung im Irak und in Syrien ankündigte.

Getreu seines Wortes tötete Hollande gestern mehr als 120 syrische Dorfbewohner, laut einer Erklärung des syrischen Außenministeriums überwiegend Frauen, Kinder und ältere Menschen. Die Nachrichtenagentur Aamaq, welche laut US-Medien dem Islamischen Staat nahe steht, meldete sogar die Tötung von 160 Zivilisten allein in Tokhar, andere Medien schreiben von bis zu 200 Getöteten. Die bombardierte Region steht derzeit nicht unter der Kontrolle der Regierung in Damaskus.



Laut der syrischen staatlichen Nachrichtenagentur SANA sandte Syriens Außenministerium unmittelbar nach den Angriffen auf die Dörfer nördlich von Aleppo zwei gleichlautende Beschwerden an den UN-Generalsekretär und den Präsidenten des Sicherheitsrats. Französische Kampfflugzeuge hätten im Namen der „internationalen Koalition“ unter der Führung der USA ein Massaker an Zivilisten verübt. In den Schreiben wurde betont, dass die „sogenannte internationale Koalition ihre Raketen und Bomben auf Zivilisten“ abfeuere, statt auf Terrorbanden.

Die in London ansässige Menschenrechtsgruppe Amnesty International schrieb in einer Erklärung ebenfalls am Dienstag, dass allein in der Manbij-Region seit Juni mindestens 100 Zivilisten durch Luftangriffe der US-geführten Koalition ums Leben kamen. Amnesty versucht diesbezüglich Kontakt zum US Central Command (CENTCOM) aufzunehmen, um auch Informationen über Reihe weiterer völkerrechtswidriger Luftangriffe mit zivilen Opfern in anderen Regionen zu erhalten.

Quellen: Ron Paul Institute, Philly.com, Antara News, SANA

4 Kommentare

  1. Mag sein, dass ich da etwas begriffstutzig bin. Aber ich frage mich, was der Tunesier eigentlich mit Syrien zu tun hat. Warum bombt Hollande auf Zivilisten in Syrien, wenn der Täter von Nizza ein ausgeflippter Mulsim aus Tunesien war? Warum bombt er nicht in Tunesien?
    Hier was daraus zu konstruieren, – dort wäre der IS, und der wäre radikal, – der Tunesier hat sich radikalisiert, – also gehört er in denselben Topf, – das hängt mir alles zu hoch.

    Müßte man dann so vergleichen, – wenn die IRA da in Belfast irgendwas in die Luft sprengt, dann müßte man auf Madrid ein paar Bomben werfen, – zumal in Spanien der Großteil der Bevölkerung katholisch ist.

    Eine Radikalisierung im Islam kann von vielen Seiten erfolgen. Militärisch über den IS, oder die Al Khaida, oder Boko Haram, oder was auch immer. Da gibts alle mögliche Imame oder sonstigen scheinheiligen Prediger, die die Leute in ihren Bann ziehen. Mit welchen Auswirkungen, das kann völlig unterschiedlich sein.

    Aber man kann doch nicht einfach aus einer Unterstellung, der Täter wäre radikalisiert, automatisch unterstellen, dass er im Auftrag der IS gehandelt hat. Dazu hat die IS ja Schwerpunkte nicht nur in Syrien, sondern auch im Irak. Warum hat Frankreich denn nicht im Irak bombardiert?

    Mag sein, dass ich da manches nicht verstehe. Macht nichts, – man muss ja auch nicht alles verstehen. Ich hab mir das von den Politikern abgeguckt:

    „Wissen ist Macht“ – „Nichts wissen macht auch nichts“

  2. Hollande produziert neue Radikale .
    Die Gewaltspirale wird immer mehr angekurbelt.
    Leider ist wie immer die einfache Bevölkerung das Opfer ,
    und das töten geht munter weiter.
    Das man terror nicht mit terror bekämpfen kann sollte doch so
    langsam verstanden worden sein.

  3. Ja, Michael, er produziert neue Terroristen. Die 120 toten Syrer machen die 84 Opfer von Nizza auch nicht wieder lebendig. Wenn ich kaltblütig eine Familie von 5 Personen kille und zum Tode verurteilt würde, dann macht dieses vollstreckte Todesurteil diese Familie auch nicht wieder lebendig. Oder träumt Hollande davon, dass das funktioniert mit „Aug um Aug und Zahn um Zahn“? Nein da prophezeie ich ihm den nächsten Anschlag – früher oder später. Ich wunsche es den Franzosen nicht. Eher wünsche ich eine Abkehr von der inzwischen Vergeltung der Vergeltung der Vergeltung…

  4. Ein zivilisiertes demokratisches Land begeht Blutrache. Wie sie heute noch in Albanien praktiziert wird. Das traurige an der Sache ist allerdings, dass die toten Zivilisten in Syrien null und nichts mit den Toten in Nizza etwas zu tun haben. Das war nichts als ein vom Staat angeordneter kaltblütiger Mord gegen Unbekannt.

    Das sind also die Werte des Westens, die uns tagtäglich eingehämmert werden: wir sind die Guten die anderen die Bösen, egal, welche Art von Schweinereien wir begehen.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.