Helmut Kohl: Habe den Euro wie ein Diktator eingeführt


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Wie nun im Zuge der Veröffentlichung einer Doktorarbeit bekannt wurde, hat der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl bereits im Jahr 2002 eingeräumt, dass er bei der Einführung des Euro wie ein Diktator gehandelt hat.

Führte den Euro gegen den Willen des Volkes ein: Helmut Kohl
Führte den Euro gegen den Willen
der Bürger ein: Helmut Kohl

Der frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl hat zugegeben, dass er mit der Einführung des Euro „wie ein Diktator“ gehandelt hat. Eine Volksabstimmung zum Euro hätte er mit 70 zu 30 Stimmen verloren, ist sich Kohl sicher. Die Äußerungen traf Kohl in einer Umfrage zum Euro am 14. März 2002 gegenüber dem Journalisten Jens Peter Paul, die erst heute durch Veröffentlichung einer Doktorarbeit bekannt wurden.

Kohl beschrieb die Einführung des Euro als Synonym des europäischen Projekts, das einen Krieg auf dem Kontinent verhindert hat. „Für mich ist die Idee der Einigung Europas nicht irgend eine Sache wie dem Riester seine Rentenversicherung … Europa hat zum ersten Mal keinen Krieg mehr. Das muß man doch einmal sehen! Das ist doch ein historischer Bezug.“ Er fügte hinzu, dass er die Vision vertreten habe, „dass endlich in Europa nie wieder Krieg ist.“

Der frühere Kanzler sagte weiter: „Das politische Leben läuft so: Demokratie hin, Demokratie her, Wahlen hin und her, repräsentative Demokratie kann nur erfolgreich sein, wenn irgendeiner sich hinstellt und sagt: So ist das.“ Im Falle des Euro sei er ein Diktator gewesen, in anderen Fällen ein Zauderer, der Probleme ausgesessen habe.

Die komplette Doktorarbeit kann hier heruntergeladen werden (PDF, ca. 6 MB): Bilanz einer gescheiterten Kommunikation. Fallstudien zur deutschen Entstehungsgeschichte des Euro. Das Interview mit Helmut Kohl finden Sie auf Seite 284.