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27.01.1914: USA überfallen und besetzen Haiti


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Am 27. Januar 1914 drang das US-Militär nach Haiti ein, besetzte das Land, vertrieb die deutsche Minderheit und zog erst 20 Jahre später wieder aus dem kleinen karibischen Staat ab.

Haiti, USA, Deutschland
Haiti, USA, Deutschland, Bild: Flagge USA + Haiti, beide gemeinfrei, Bearbeitung: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1914 trat der Präsident von Haiti, Michel Oreste, zurück und flüchtete aus dem Land. Gleichzeitig landete die USS Montana mit 150 Marines in Port-au-Prince, um die Ordnung wiederherzustellen. Der reformistische Führer wurde von Kräften vertrieben, die der Landbesitzer-Elite im Land treu waren.

Die eigentliche Besetzung Haitis durch die Vereinigten Staaten begann jedoch erst am 28. Juli 1915, als 330 US-Marines im Auftrag von US-Präsident Woodrow Wilson in der Hauptstadt Port-au-Prince eintrafen.

Die Intervention im Juli fand statt, nachdem Präsident Vilbrun Guillaume Sam durch Aufständische ermordet worden war, die durch politische Exekutionen innerhalb der Elite-Opposition verärgert waren.

Die Besetzung endete erst am 01. August 1934, nachdem Präsident Franklin D. Roosevelt im August 1933 ein Rückzugsabkommen bestätigt hatte. Das letzte Kontingent der US-Marines übertrug der Garde d’Haïti am 15. August 1934 förmlich alle Befugnisse.

Hintergrund

Zwischen 1911 und 1915 war Haiti politisch instabil. Bei einer Reihe politischer Morde und Zwangsvertreibungen wurden in dieser Zeit sechs Präsidenten amtiert. Verschiedene revolutionäre Armeen führten die Putsche durch.

Alle wurden von den Cacos und anderen Bauernmilizen aus den Bergen des Nordens gebildet, oder auch von Streitkräften, die über die shlecht bewachte Grenze zur Dominikanischen Republik einwanderten. Sie wurden von rivalisierenden politischen Fraktionen finanziert.

Die Vereinigten Staaten zeigten sich insbesondere aufgrund des wachsenden Einflusses Deutschlands in der westlichen Hemisphäre besorgt. Im Vorfeld des Ersten Weltkriegs (1890er bis 1910er Jahre) hatte sich Deutschland ein breites Netzwerk in Lateinamerika und der Karibik aufgebaut und sammelte Informationen von Militär und Geheimdiensten in ganz Hispaniola.

Die Besorgnis der Vereinigten Staaten über die Ambitionen Deutschlands spiegelte sich in Besorgnis und Rivalität zwischen amerikanischen Geschäftsleuten und der kleinen deutschen Gemeinde in Haiti wider, die zwar nur etwa 200 Menschen stark war, doch im Jahr 1910 überproportional wirtschaftlich wirkte.

Deutsche Staatsbürger kontrollierten rund 80 Prozent des internationalen Handels des Landes. Sie besaßen und betrieben Versorgungsunternehmen in Cap-Haïten und Port-au-Prince, einschließlich der Hauptstraße und einer Straßenbahn in der Hauptstadt, und hatten darüber hinaus eine bedeutende Eisenbahnlinie gebaut.

Die deutsche Gemeinschaft war zudem bereit, sich gut in die haitianische Gesellschaft zu integrieren, mehr als jede andere Gruppe kaukasischer Ausländer, einschließlich der zahlreicheren Franzosen. Zudem sorgten sie für einen allgemeinen wachsenden Wohlstand der Bevölkerung in Haiti.

Einige Deutsche hatten sich in Haitis prominenteste Familien eingeheiratet. Dies ermöglichte ihnen, das Verfassungsverbot von Landbesitzern aus dem Ausland zu umgehen. Trotzdem hielten die deutschen Einwohner starke Beziehungen zu ihrer Heimat aufrecht und halfen deutschen Militär- und Nachrichtendiensten in Haiti.

Sie dienten auch als Hauptfinanzierer der zahlreichen Revolutionen der Nation und gaben Kredite für die konkurrierenden politischen Fraktionen. Aus diesem Grund wurden sie als Bedrohung für die finanziellen Interessen der amerikanischen Geschäftsleute betrachtet.

USA gehen gegen deutschen Einfluss vor

Die politische und militärische Führung der Vereinigten Staaten glaubte, die Deutschen in Haiti seien direkt mit der Regierung in Berlin verbunden, was teilweise sicherlich nur eine haltlose Verschwörungstheorie war.

Um den deutschen Einfluss zu reduzieren, unterstützte das US-Außenministerium 1910/11 ein Konsortium amerikanischer Investoren, angeführt von der National City Bank von New York, um die Kontrolle über die Banque Nationale d’Haïti zu erlangen. Dies war die einzige Geschäftsbank des Landes und diente als Schatzkammer der haitianischen Regierung.

Im Dezember 1914 beschlagnahmte das US-Militär die Goldreserven der haitianischen Regierung und brachte das Gold nach New York City. Im Februar 1915 errichtete Jean Vilbrun Guillaume Sam, Sohn eines ehemaligen haitianischen Präsidenten, eine Diktatur.

Fünf Monate später, vor einem neuen antiamerikanischen Aufstand, ordnete er das Massaker an 167 politischen Gefangenen an. Alle Opfer stammten aus prominenten Familien, hauptsächlich Angehörigen der besser gebildeten und wohlhabenderen Schicht mit deutschem Hintergrund. „Präsident“ Sam wurde von einem aufgebrachten Mob in Port-au-Prince gelyncht, als sie von den Hinrichtungen erfuhren.

Ende der Deutschen in Haiti

Schließlich wurde die politische, militärische und wirtschaftliche Macht sowohl der kleinen deutsch-haitianischen Gemeinde als auch der kaiserlichen deutschen Regierung durch die jahrelangen amerikanische Besatzung völlig zerschlagen.

Deutsche wurden wegen ihrer angeblichen antiamerikanischen Mobilisierung verurteilt. Deutsche Geheimdienstzellen, die auf der Insel operierten, wurden gesäubert oder zur Aufgabe gezwungen. Die verbleibenden Deutsch-Haitianer blieben weitgehend isoliert, die meisten von ihnen entschieden sich für eine Rückkehr nach Deutschland.

Im Jahr 1917 erklärten die USA dem Deutschen Reich den Krieg, was 1918 zur deutschen Niederlage führte und das Reich vollständig zusammenbrechen ließ. 

Quellenangaben anzeigen
wikipedia (en), wikipedia (en)

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