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23.11.1946: Frankreich bombardiert Haiphong, Vietnam


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Am 23. November 1946 bombardierten französische Einheiten die vietnamesische Küstenstadt Haiphong. 6.000 Vietnamesen kamen ums Leben, die meisten davon waren Zivilisten.

Haiphong-Massaker
Haiphong-Massaker, Bild: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1946 ereignete sich das Haiphong-Massaker in Vietnam, als der französische Kreuzer Suffren die vietnamesische Küstenstadt Haiphong bombardierte und 6.000 Vietnamesen tötete.

Der Vorfall wird als der erste bewaffnete Zusammenstoß betrachtet, der am 19. Dezember 1946 zur Schlacht von Hanoi und damit zum offiziellen Ausbruch des Ersten Indochinakriegs führte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zukunft des vietnamesischen Territoriums in Frage gestellt. Nach Jahren der französischen Kolonialherrschaft, gefolgt von der japanischen Herrschaft während des Krieges, begann Vietnam mit dem Kampf um die Unabhängigkeit.

Am 09. März 1945 trat Japan die vietnamesischen Territorien ab und erklärte Vietnam offiziell für unabhängig. Dies wurde schnell durch einen Aufstand am 02. September 1945 rückgängig gemacht, als Ho Chi Minh und seine Guerilla-Armee die Demokratische Republik Vietnam ausrief.

Ho Chi Minh wurde zum Führer der Vietnamesischen Kommunistischen Partei und verlangte völlige Autonomie von Europa. Die Franzosen missachteten diese Autonomieansprüche und betrachteten Vietnam als Mitglied der Französischen Union.

Eine vollständige Kolonisierung war aufgrund der Machtdynamik im Westen jedoch keine Option mehr. Am 06. März 1946 traf der französische Kommissar für Nordindochina, Jean Sainteny, auf Druck der westlichen Alliierten mit Ho Chi Minh in Hanoi zusammen und unterzeichnete das Ho-Sainteny-Abkommen.

Dieses erteilte Vietnam offiziell die Unabhängigkeit als „freier Staat mit eigener Regierung, Parlament, Armee und Finanzen als Teil der Indochinesischen Föderation und der Französischen Union“. Darüber hinaus erlaubte der Vertrag den Franzosen, in den folgenden fünf Jahren eine militärische Präsenz in Vietnam zu errichten.

Kommunistische Zeitungen kritisierten die Unterzeichnung des Abkommens und bezeichneten es als „die bedauerliche Kapitulation aller unserer ideologischen und politischen Pläne“. Auf französischer Seite sah man das Abkommen hingegen positiv.

Die vietnamesischen Befürchtungen hinsichtlich der Vereinbarung trafen schon bald zu, als Frankreich damit begann, die Kolonialgewalt auszuüben, die es formell in dem Vertrag abgelehnt hatte. Frankreich schuf mit der starken Marinepräsenz im Golf von Tonkin eine de facto-Seeblockade von Haiphong.

Dies veranlasste die Vietnamesen zu Friedensgesprächen, um den französischen Einfluss in der Region einzudämmen. Diese Friedensgespräche kamen zustande und führten im Juli 1946 zum Abkommen von Fontainebleau.

Das Massaker

Am Morgen des 20. November 1946 beschlagnahmte ein französisches Patrouillenschiff ein chinesisches Müllboot. Während es sich um eine scheinbar routinemäßig Kontrolle handelte, zog die Beschlagnahmung des Schiffes einige Komplikationen nach sich. Vietnamesische Soldaten schossen vom Ufer aus auf das französische Schiff.

An Land brachen bewaffnete Zusammenstöße zwischen Franzosen und Vietnamesen aus. Die Franzosen stimmten am 22. November 1946 zu, die vietnamesische Souveränität in Haiphong zu respektieren. Dies war jedoch erst der Anfang des Vorfalls.

Als die Nachricht über das Gefecht Admiral d’Argenlieu in Paris erreichte, schickte er ein Telegramm an Jean Étienne Valluy, den Befehlshaber der französischen Streitkräfte in Indochina, und befahl ihm, gegen die Vietnamesen in Haiphong Gewalt anzuwenden.

Valluy wiederum schickte Oberst Debès, Befehlshaber der französischen Truppen bei Haiphong, einen Befehl: „Es ist eindeutig, dass wir uns gegen vorsätzliche Aggressionen aussprechen, die von der vietnamesischen regulären Armee sorgfältig inszeniert wurden … Der Zeitpunkt ist gekommen, um den verräterischen Angreifern mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln eine Lektion zu erteilen.“

Debès reagierte mit einem Ultimatum an die Vietnamesen in Haiphong, die einen Rückzug aus der französischen Sektion und chinesischen Teilen der Stadt, einschließlich des Hafens, forderten.

In der Verordnung berief sich Debès auf das französisch-chinesische Abkommen vom 28. Februar 1946 als Rechtfertigung für die Forderung der Evakuierung von Teilen der Stadt durch Vietnamesen. Debès argumentierte, dass der Vertrag Frankreich Schutzrechte über die Chinesen in Vietnam gewährte und ihnen damit entsprechende Befugnisse einräumte.

Nachdem sich die Vietnamesen nicht rechtzeitig zurückgezogen hatten, begannen die Franzosen mit einem Bombardement der vietnamesischen Stadtteile, sowohl mit dem französischen Kreuzer Suffren als auch mit einem Bombardement aus der Luft.

Bis zum 28. November 1946 hatte Oberst Debès die vollständige Kontrolle über die Stadt übernommen. Auf der Seite der Vietnamen kamen 6.000 Menschen ums Leben, die meisten davon Zivilisten. Frankreich hatte kein einziges Opfer zu beklagen.

Quellenangaben anzeigen
wikipedia

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