Grundsatzfrage: Ist Gold bereits zu teuer?


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Sie wissen inzwischen sicher wie ich zu Gold und Silber stehe (s. hier, hier oder auch hier). Wie früheren Artikeln desöfteren erwähnt, sind Gold und Silber endlich, das heißt „knappe Güter“. Im Gegensatz zu Anleihen, Aktien und und Papiergeld generell ist die Gold- und Silbermenge begrenzt. Eine wichtige Tatsache, denn viele Anleger und Sparer wissen heute nicht mehr, was „knapp ist und was es in Hülle und Fülle gibt“ (Zitat v. Thorsten Schulte).

Die Preisrücksetzer der vergangenen Tage haben viele Anleger verunsichert. Die einen Experten bezeichnen die nervösen Abwärts-Schwankungen als „Sommerloch„, andere erwarten eine „Trendwende„, wieder andere suchen die Gründe bei „mysteriösen Geschäften“ der BIZ. Beobachtet man die Gold- und Silbercharts längerfristig, erkennt man einen anhaltenden Wertverlust der Währungen Euro und Dollar. Ja, eigentlich jeder Währung der Welt. Zwischendurch gibt es immer wieder Erholungsphasen, in welchen sich dann sogenannte „Experten“ zu Wort melden und gegen eine Goldanlage wettern. Fallen Euro und Dollar weiter, dann spricht man sich plötzlich wieder dafür aus.

Doch ist dieser Wertverlust der Währungen inzwischen nicht völlig normal geworden? Wer kennt das Gestöhne verschiedenster Leute nicht, weil „alles immer teurer“ wird. Doch ist heute wirklich alles teurer? Man denke hier an immer höher werdende Preise für Strom, den Eintritt ins FreibadBenzin oder Versicherungsbeiträge.

Rechnet man in Gold, so bleiben die Preise eher stabil. Kostete die Unze Gold im Jahre 2001 noch 280 Dollar (= 318,18 EUR, damaliger Kurs 1 : 0,88), so steht sie heute bei 1170 Dollar (889,73 EUR, Kurs 1 : 1,315). Gold hat sich in Euro seither also um den Faktor 2,79 verteuert.

Mit Benzin ist die Tendenz ähnlich: Kostete der Liter im Jahre 2001 noch 1,42 DM (= 0,73 EUR), so müssen wir heute gut das Doppelte berappen. Ähnlich dürfte es mit einem Bier in der Kneipe aussehen: Gehe ich nach eigenen Erinnerungen, bezahlte ich vor der Einführung des Euro rund 2,80 DM, heute 3,50 EUR. Laut einer Statistik, die ich im Netz entdeckt habe, erlebte der halbe Liter von 1999 bis 2005 sogar eine stolze Vervierfachung (1999: 1,24 DM, 2005: 2,60 EUR). Auch der Heizölpreis hat sich seit 2001 fast genau verdoppelt: von 0,72 DM auf 0,72 EUR pro Liter.

Doch auch längerfristig blieb der Goldpreis stabil: 1960 lag der Durchschnittslohn je Arbeitsstunde bei 1,27 Euro. 2009 waren es 14,05 Euro – die Deutschen verdienten in Euro gerechnet vergangenes Jahr laut einem SPIEGEL-Artikel also 11-mal so viel wie noch vor fünf Jahrzehnten. Und wie teuer war Gold? Die Unze kostete damals 35,27 US-Dollar, in D-Mark entsprach das zum damaligen Wechselkurs genau 147,08 DM. In Euro = 75,20 EUR. Wir haben im Jahre 1960 umgerechnet auf die Arbeitsstunden von 2009 somit 827,20 EUR (11 x 75,20 EUR) pro Unze bezahlt. Und wie teuer war die Unze im Jahr 2009? Jetzt haltet Euch fest: Der Höchstkurs am 02. Dezember 2009 lag bei exakt 803,51 EUR. 1960 musste man also durchschnittlich 58,9 Stunden für eine Unze Gold arbeiten, im Jahre 2009 waren es 57,18 Stunden.

Noch ein längerfristiges Beispiel: Für eine Unze Gold bekam man im alten Rom – also vor etwa 2000 Jahren – eine Tunika, das klassische Gewand. Für die gleiche Menge ist heute ein Herrenanzug im Fachgeschäft zu bekommen.

Gold befindet sich demnach nicht in einer Blase, entgegen der Meinung einiger Experten. Nach meinen Erkenntnissen findet man in Zeiten (teil-)verstaatlichter Banken und Unternehmen, in Zeiten von Abwrackprämien und historisch niedrigen Leitzinsen die einzigen Blasen bei Anleihen, Aktien, Versicherungen und im Geldsystem ansich. Übrigens sind weltweit nur 0,8 Prozent aller Vermögen in irgendeiner Form in Gold investiert. Damit gemeint sind physisches Gold, Goldaktien und börsennotierte Goldfonds (also größtenteils wieder nur Papier). Eine Blase sieht meines Erachtens anders aus.

Um über einen längeren Zeitraum seine Arbeitsstunden zu konservieren eignet sich nichts besser als Gold. Gold ist Geld. Natürliches Geld. Frei von Schulden und Versprechungen. Vom Menschen auserwählt und akzeptiert über Jahrtausende. Es hat jeden Krieg, jede Währung, jeden Experten und jede Diktatur der Welt überlebt. Und in 500 Jahren, wenn wir alle über den Jordan sind und die aktuelle Krise neben der Tulpenkrise, der Großen Depression und ein paar anderen Krisen einige kurze Zeilen in zukünftigen Geschichtsbüchern einnehmen wird, dann ist Gold mit großer Wahrscheinlichkeit immer noch da und wird vielleicht von neuen, noch neunmalklügeren Experten verteufelt. Bis auch diese irgendwann wieder verschwinden.

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