Greenspan Put


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Im Zuge des Börsencrashs von 1987 senkte Fed-Chef Alan Greenspan die Zinsen und überflutete den Markt mit Liquidität. Dies führte zu einer erhöhten Risikobereitschaft an den Aktienmärkten und verhinderte einen weiteren Absturz der Kurse. Diese Form der Geldpolitik ging als „Greenspan Put“ in die Geschichte ein und wird bis heute praktiziert.

greenspan put
New York Stock Exchange, Bild: Gegenfrage.com

Der „Greenspan Put“ bezieht sich auf den geldpolitischen Ansatz von Alan Greenspan, den ehemaligen Vorsitzenden der Federal Reserve und anderen Mitgliedern der sog. US-Notenbank, zwischen 1987 und 2000. Der Begriff „Put“ bezieht sich auf eine Put-Option, eine vertragliche Verpflichtung, die ihrem Inhaber das Recht verleiht, einen Vermögenswert zu einem bestimmten Preis an einen anderen Marktteilnehmer zu verkaufen.

Nach nur wenigen Wochen unter Alan Greenspan als Chef der Fed brach eine Krise in den USA los und der Aktienmarkt stürzte um mehr als 20 Prozent ein. Greenspan senkte die Zinsen und gab den Investoren damit die Sicheit, im Falle einer Krise schnell und beherzt in den Finanzmarkt einzugreifen. Im Wesentlichen endete der Crash mit einer extremen Erhöhung der Liquidität und führte zu einer erhöhten Risikobereitschaft an den Finanzmärkten, was einen weiteren Absturz der Kurse verhinderte.

Die Fed führte diesen Schritt nach dem Börsencrash von 1987 durch. Händler und Medien etablierten den Begriff „Greenspan Put“, auch als Moral Hazard (Moralische Gefahr / Moralisches Risiko) bezeichnet. Allerdings wurde die Bezeichnung „Greenspan Put“ für diese Form der Geldpolitik erst zehn Jahre später offiziell.

Im Jahr 2000 erhöhte Alan Greenspan die Zinsen mehrfach. Laut vielen Analysten waren diese Maßnahmen der Grund für das Platzen der Dotcom-Blase. Die Fed versuchte durch eine Erhöhung der Liquidität auch Marktrückgänge während der Savings and Loans-Krise, des Golfkriegs, der Mexikokrise, der Asienkrise, der LTCM-Krise, des Jahr 2000-Problems, dem Platzen der Internetblase, der Ereignisse des 11. Septembers und auch der Krise seit 2008 aufzuhalten.

Investoren haben sich heute daran gewöhnt, dass die Federal Reserve dem Markt in Krisen und Rezessionen so lange Liquidität zuführt, bis das Problem behoben (bzw. auf später verschoben) ist. Der Ökonom Joseph Stiglitz kritisierte derartige Schritte in einem Artikel von 2008, weil auf diese Weise Verluste sozialisiert und Gewinne privatisiert werden. Eine Folge dieser Form der Geldpolitik sei etwa die Spekulationsblase im Vorfeld der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008 gewesen.

Im Jahr 2007 und Anfang 2008 schrieb die Presse über den „Bernanke Put“. Bernanke war der neue Fed-Chef und reduzierte ebenfalls die Zinssätze, um den Absturz der Börsenkurse zu bremsen. Am 08. Oktober 2008 begann er mit der Senkung der Zinssätze, bereits im Dezember begann die Nullzinspolitik. In dieser Zeit wurde Bernanke häufig mit Greenspan verglichen.

Quellen: the balance, new york times, wikipedia (en)

1 Kommentar

  1. Nun, Bürgender, mit Put- Scheinen geht man üblicherweise dann an der Börse short, wenn die Kurse voraussichtlich sinken werden.
    Grünspan (Greenspan) hatte zugegebenermaßen überhaupt keine Alternative zur Zinssenkung.
    Aber wie „senkt“ man denn überhaupt einen Zins?
    Grundsätzlich gilt: wer keine Kredite vergibt, kann auch keinen Zins beeinflussen.
    Deshalb entscheiden in einer gesunden Finanzwirtschaft immer nur Kreditgeber und Kreditnehmer im Rahmen der Marktbedingungen über den Zins.
    Aber wir haben schon lange keine gesunde Finanzwirtschaft mehr.
    Die FED, genauso wie die EZB setzen einen Zinssatz fest, zu welchem sich die Banken bei der Zentralbank Geld leihen können. Und genau da beginnt die Schweinerei mit der Blasenbildung.
    Sparer und Kreditnehmer stehen schon lange nicht mehr in einem gesunden Verhältnis zueinander. Das kann eine Weile funktionieren, wobei die Kreditsicherheiten leider mit der Zeit immer schlechter werden. Und irgendwann platzt diese Kreditblase, wobei es egal ist ob Greenspan oder die EZB oder die Bank von China jede Menge „Falschgeld“ in den Geldkreislauf pumpt. Unter „Falschgeld“ versteht die Österreichische Schule die durch nichts besicherte Geldmenge, die zusätzlich in den Kreislauf kommt.
    Also nochmal: Greenspan hatte keine Alternative. Die Alternative hätte darin bestanden, die Geldpyramide, den Turmbau zu Babel, zum Einsturz zu bringen.
    Und das war in dieser geopolitischen Situation nicht machbar, bezw. zu risikoreich.
    Aber das bedeutet eben auch, das die Geldpyramide wenn der Nullprozentzins nicht mehr möglich ist, sofort einstürzen muss. Und genau das ist wann der Fall?
    Das geschieht dann, sobald die Inflation an Fahrt gewinnt.
    Bei einer jährlichen Inflationsrate von angenommen 25 % ist ein Nullzins nicht mehr möglich, denn dann sind die Sparvermögen in vier Jahren zu hundert Prozent entwertet.

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