Goldman Sachs wettet auf Niedergang der Eurozone


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Goldman Sachs überschüttet seine Privat- und Hedgefondskunden mit Ideen, wie man aus den finanziellen Verwerfungen in der Eurozone ordentlich profitieren kann. Die Investmentbank wirft zahlreiche Derivate auf den Markt, die sich dann auszahlen, wenn das Vertrauen in europäische Märkte sowie in das europäische Bankensystem noch weiter schwindet.

Der Trading-Stratege Alan Brazil sagte jüngst, dass Banken eine Billion an zusätzlichem Kapital benötigen würden, um die Krise zu überstehen. Weiter prognostizierte er in einem 54-seitigen Bericht von Goldman Trading Desk , der letzte Woche veröffentlicht und im Wallstreet Journal abgedruckt wurde, dass man nicht nur auf einen Absturz in der Eurozone wette, sondern auch in den USA, China und dem Rest der Weltwirtschaft, wie die britische Zeitung The Independent berichtet.

„Here we go again“, schreibt Brazil in dem Bericht und weist auf einen Chart hin, der sehr an die Kursverläufe zwischen 2007 und 2009 erinnert, bevor die weltweiten Börsen in Panik verfielen. „Eine Schuldenkrise kann nicht durch mehr Schulden gelöst werden, da das eigentliche Problem so grundsätzlich nicht beseitigt wird.“ Brazils Tradingpläne beinhalten komplizierte Währungsoptionen, die von einem Niedergang des Euro profitieren würden. Zusätzlich werden Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps, mit eingebaut, um auf Ausfälle europäischer Banken und Unternehmen zu wetten.

Goldman Sachs führt Geschäfte mit vielen der Regierungen und Banken, die in Brazils Bericht implizit kritisiert werden. So hatte die Bank in Folge der Berichts versucht, dessen Inhalt herunterzuspielen und die Kunden mit ins Boot zu nehmen. „Selbstverständlich veröffentlichen unsere Finanzabteilungen auch Berichte, die sich den Strategien und Bedürfnissen unserer Kunden kurzfristig anpassen“, heisst es in einer Erklärung. „Wenn Kunden bestehende Risiken und Marktpositionen absichern möchten, dann ist es unser Ziel, diesen Kunden zu helfen.“

Zahlen & Fakten

  1. Goldman Sachs bunkert eine Million Tonnen Aluminium, um die Preise zu manipulieren und kontrollieren
  2. Goldman Sachs, Morgan Stanley, JPMorgan Chase, Citigroup, Bank of America und Wells Fargo verwalten ein Vermögen von etwa 60 Prozent des amerikanischen Bruttosozialprodukts
  3. Im April wurde Goldman Sachs verklagt, weil Kunden “wertloser Plunder und Gerümpel” als Vermögenswerte verkauft wurde. Anschließend wettete die Bank auf einen Wertverfall dieser Anlagen.
  4. In einer Bloomberg-Umfrage vom 9. und 10. Mai unter Händlern, Investoren und Analysten haben 54 Prozent angegeben, eine negative Meinung von Goldman zu haben
  5. Trotz einem Gewinnrückgang von 53% verdreifachte Goldman Sachs im Januar 2011 die Spitzengehälter
  6. Die Bank hat das Social Network Facebook mit 50 Milliarden Dollar bewertet und ist Großinvestor. Vermutet wird, dass Daten der Nutzer ausgewertet werden
  7. Goldman Sachs hält Silber-Derivate im Wert von 42 Billionen Dollar (Stand 12/2010)

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