5 fragwürdige Friedensnobelpreis-Verleihungen


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Der Friedensnobelpreis wurde in der Vergangenheit bereits des öfteren an Personen vergeben, die ihn möglicherweise nicht in vollem Umfang verdient haben. Leider bekräftigt das Nobelkomitee, dass diese Auszeichnung den Trägern nie wieder aberkannt wird. Im Folgenden fünf Kandidaten, über deren Auszeichnungen man sich zumindest streiten könnte.

Friedensnobelpreis
Friedensnobelpreis, Bild: Gegenfrage.com

Der Friedensnobelpreis wurde seit seiner ersten Vergabe im Jahr 1901 niemals einem Träger wieder aberkannt und gilt heute als der wichtigste Friedenspreis der Welt. Geir Lundestad, bis 2015 Direktor des norwegischen Nobel-Instituts, bekräftigte nachdrücklich, dass kein Friedensnobelpreis jemals wieder aberkannt wird.

Und das trotz des Umstands, dass dieser in der Vergangenheit bereits mehrfach an „eine Gauner-Galerie bestehend aus Schurken, Größenwahnsinnigen und Kriegsherren“ verliehen wurde, schreibt TeleSur.

Ob dies der Fall ist oder nicht, darf natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Für den Fall, dass das Nobelkomitee seine Meinung eines Tages doch noch ändert und der Nobelpreis wieder aberkannt werden kann, gibt es im Folgenden schon mal fünf Friedensnobelpreisträger, über deren Auszeichnungen möglicherweise noch einmal genauer nachgedacht werden könnte.

1. Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister und Nationaler Sicherheitsberater

„Das Illegale erledigen wir sofort, das Verfassungswidrige dauert etwas länger“, sagte er im Jahr 1994 gegenüber dem damaligen türkischen Außenminister. Dies war anscheinend der Leitfaden seiner Karriere, vor allem in seiner Rolle als Hauptarchitekt der US-Außenpolitik von 1969 bis 1977.

Im Jahr 1973 erhielt er gemeinsam mit Le Duc Tho von der Kommunistischen Partei Vietnams den Friedensnobelpreis, da sich das Duo um ein Ende des blutigen Vietnamkriegs bemühte, hieß es.

Le Duc Tho lehnte die Auszeichnung ab. Trotz Friedensnobelpreis dauerte der Krieg noch weitere zwei Jahre an und Kissinger gilt als einer der Chefplaner der Bombardements in Laos, Vietnam und Kambodscha. Kissinger war auch der Strippenzieher der „Operation Condor“, einer US-Kampagne, die von Mord, Folter und Verschleppungen in Lateinamerika geprägt war.

Kissinger unterstützte einen Militärputsch in Chile, durch den der demokratisch gewählte sozialistische Präsident Salvador Allende gestürzt wurde. In den Folgejahren unterstützte Kissinger den von den USA eingesetzten Diktator Augusto Pinochet, der das Land bis 1990 mit eiserner Faust regierte.

Auch in anderen südamerikanischen Staaten war Kissinger an Operationen beteiligt, die die Rechtmäßigkeit einer Vergabe des Friedensnobelpreises wenigstens in Frage stellen könnten. So unterstützte er im Jahr 1976 in Argentinien den rechtsradikalen Flügel des Militärs und begann damit einen „Schmutzigen Krieg“ gegen die Linken. Das Ergebnis: 30.000 Tote und Verschleppte.

Im Jahr 1976 plante Kissinger zudem Luftangriffe auf die kubanische Hauptstadt Havanna, wollte kubanische Häfen verminen lassen und militärische Einrichtungen attackieren. Die entsprechenden Dokumente wurden allerdings erst im Jahr 2014 veröffentlicht. Die Angriffe waren für das Jahr 1977 angedacht, wurden aber vom frisch gewählten US-Präsidenten Jimmy Carter gestoppt.

2. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama

Der Friedensnobelpreis wurde Obama im Jahr 2009 aufgrund seiner „außerordentlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Kooperation zwischen den Völkern zu stärken“ verliehen.

Desweiteren für seine Aussage, dass er „eine Welt ohne Atomwaffen anstrebt“ und sich aggressiv für eine Abrüstung einsetzen wird. Nur zwei Monate, nachdem er den Friedensnobelpreis erhielt, entsandte Obama 30.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan.

Obama etablierte den Drohnenkrieg, der wahrscheinlich als sein unrühmlichstes Erbe in die Geschichtsbücher eingehen wird. Angriffe in Pakistan, Somalia, Jemen, Afghanistan, Irak oder Libyen kosteten unzählige Zivilisten das Leben.

Außerdem hat Obama mehr Menschen aus den Vereinigten Staaten abgeschoben, als jeder andere Präsident vor ihm, weshalb er von Kritikern scherzhaft als „Deporter-in-Chief“ bezeichnet wird.

Er hatte das oberste Kommando über die US-Streitkräfte während der NATO-Bombardierungen in Libyen und modernisierte den berüchtigten Knast in Guantanamo Bay für viele Millionen Dollar, obwohl er in seinem Wahlkampf im Jahr 2008 eine Schließung der Anlage versprochen hatte.

Er lieferte trotz wiederholter Luftangriffe auf den Gazastreifen Militärhilfe an Israel, unterstützte trotz der Luftangriffe auf den Jemen die Regierung Saudi-Arabiens. Nicht zu vergessen auch der entsetzliche Krieg gegen Syrien.

Doch nicht nur im Ausland kann man Obamas Arbeit wenigstens mit einem kritischen Auge betrachten. Auch in den USA selbst hat sich unter seiner Knute eigentlich überhaupt nichts zum Positiven geändert.

Angefangen bei der enormen Polizeigewalt in den USA, die international kritisiert wird. Von der explodierenden Zahl ausgegebener Lebensmittelmarken (Food Stamps) oder auch seiner tatkräftigen Unterstützung der Waffenindustrie ganz zu schweigen.

3. Shimon Peres, Mitbegründer Israels und ehemaliger israelischer Staatspräsident

Einer der Gründerväter und späterer Staatspräsident des Staates Israel war Shimon Peres. Im Jahr 1994 erhielt er den Friedensnobelpreis für seine Verdienste im Oslo-Friedensprozess, einer 1993 begonnenen Reihe von Abkommen zwischen Palästinensern und Israel zur Lösung des Nahostkonflikts.

Im selben Jahr handelte er mit der libanesischen Hezbollah ein mündliches Abkommen aus, laut dem die jeweiligen Zivilisten verschont bleiben würden. Israel verstieß in den folgenden drei Jahren jedoch 231 Mal gegen dieses Abkommen, der Libanon antwortete in 13 Fällen und verstieß damit ebenfalls dagegen.

Im Jahr 1996 gab er grünes Licht für die „Operation Früchte des Zorns“. Ziel der Operation war, durch verstärkte Bombardierungen eine gigantische Flüchtlingswelle im Libanon loszutreten, damit die libanesische Regierung etwas gegen die Hezbollah unternimmt.

400.000 Zivilisten mussten flüchten. Die Operation gipfelte in der Bombardierung eines UN-Flüchtlingslagers in Qana im Libanon, wo die Menschen Schutz vor israelischen Bomben suchten und wodurch über 100 Hilfsbedürftige ums Leben kamen. „Meiner Meinung nach wurde alles nach einer klaren Logik und in verantwortungsvoller Weise durchgeführt. Ich bin mit mir im Reinen“, sagte Peres dazu.

Darüber hinaus war er Teil der Miliz, die während der Nakba für die ethnische Säuberung palästinensischer Dörfer verantwortlich war. Peres hatte laut Dokumenten, die dem britischen Guardian vorlagen, offenbar auch versucht, dem südafrikanischen Apartheid-Regime Atomwaffen zu beschaffen.

Dabei handelte es sich übrigens um den ersten schriftlichen Beweis für die Existenz israelischer Atomwaffen.

4. Der 14. Dalai Lama

Im Jahr 1989 wählte das Nobelkomitee den tibetischen geistlichen Führer Dalai Lama als Empfänger des Friedensnobelpreises aus und betonte dessen „buddhistische Friedensphilosophie der Verehrung aller Lebewesen.“ Doch ist seine Laufbahn auch von eher weniger ehrwürdigen Vorfällen geprägt.

In den 1960ern finanzierte die CIA den bewaffneten Widerstand Tibets gegen die Volksrepublik China und schulte tibetische Kämpfer in Camp Hale in den USA in Guerilla-Taktiken. Der Dalai Lama erhielt laut der New York Times zusätzlich einen persönlichen Jahreszuschuss in Höhe von 180.000 Dollar.

Im Jahr 1959 wurde Tibet von China besetzt, um die vom Dalai Lama ausgeübte Leibeigenschaft sowie die in Tibet praktizierte Folter und Verstümmelung von Straffälligen zu beenden. Der Dalai Lama flüchtete nach Indien.

Im Westen wird er als Freiheitskämpfer angesehen, in China als Top-Terrorist. Der Dalai Lama ist bzw. war ein persönlicher Freund von windigen Politikern wie etwa George W. Bush, Margaret Thatcher oder auch dem oben erwähnten Diktator Pinochet.

5. Der ehemalige US-Präsident Woodrow Wilson

Der „Vater des Liberalismus“, gefeiert als Begründer der internationalen „Humanität“, wurde im Jahr 1919 für seine Rolle als treibende Kraft hinter der League of Nations, dem Vorläufer der Vereinten Nationen nach dem Ersten Weltkrieg, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Wilson predigte die Werte der „Selbstbestimmung“ und sagte, die Menschen hätten das Recht, „die Souveränität unter der sie leben selbst zu wählen.“ Während seiner Amtszeit als Präsident schickte er US-Truppen nach Kuba, Haiti, die Dominikanische Republik, Mexiko und Russland.

Im selben Jahr, in dem er mit dem Preis ausgezeichnet wurde, hielt Wilson eine Rede vor dem Kongress, in der er erklärte: „Es sollte nicht die Aufgabe des amerikanischen Volks sein, einem anderen Volk seine Regierung zu diktieren.“ Als er dies seinem Staatssekretär zur Überprüfung sendete, antwortete dieser kurz und knapp: „Haiti, S. Domingo, Nicaragua, Panama.“

Bevor er Präsident wurde traf er die Aussage, dass es in seinem Land „keine Regierungspositionen für Neger“ geben werde. Der Platz eines Negers sei das Maisfeld. Wilson persönlich entließ 15 von 17 Schwarzen, die Führungspositionen in US-Behörden innehatten.

Während seiner Zeit als Gouverneur von New Jersey unterzeichnete er zudem einen Gesetzentwurf, der die obligatorische Sterilisation von Kriminellen und psychisch Kranken vorsah.

Quellenangaben anzeigen
telesur, amerika21, independent, rt, rt, guardian

6 Kommentare

  1. Es ist ausgesprochen wichtig den „Friedensnobelpreis“ und seine Vergabepraxis zum Thema zu machen.
    Mit der Vergabe an H. Kissinger hat man einen der größten Verbrecher der amerikanischen Nachkriegsgeschichte geadelt. Was dem Komitee dabei eingefallen ist, bleibt mir rätselhaft.
    Helmut Schmidt hat keine Gelegenheit ausgelassen, von seinem besten Freund H. Kissinger zu sprechen. Das veranlasste mich, Schmidt anders einzuordnen.
    Die Vergabe an Obama, bevor er überhaupt einen Finger gerührt hatte, war mir ebenfalls rätselhaft. Dann hätte man ihn auch an Osama Bin Laden vergeben können.
    Genau betrachtet ist die Vergabepraxis eindeutig politisch motiviert.

    Unterm Strich ist Ihre Auflistung sehr treffend. Danke !

    MfG. grillbert aus Hamburg.

  2. Naja- Adolf hat man auch 1939 für den Nobelpreis nominiert.
    Die Rassengesetzte gegen die Juden (seit 1933) waren da wohl kein Hindernis.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  3. Der Friedensnobelpreis ist ein politischer Preis und wird daher nach politischen Gesichtspunkten vergeben. Das stimmt.

    Der famose Obama erhielt diesen, weil er die Absicht gehabt haben soll, in Verhandlungen mit Russland die Atomwaffen angeblich ganz abzuschaffen.
    Da von den anderen Atommächten (England, Frankreich, China, Indien, Pakistan und Israel) ausdrücklich nicht die Rede war, war bereits die blose Idee unrealistisch.

    Wäre diese unrealistische Idee von Präsident Putin gekommen, glaube ich nicht, dass das einen Preis wert gewesen wäre.

  4. @ Hallo Helmut,

    ach ja, stimmt ja; hatte ich ganz vergessen. Hitler war für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden, weil er die Sudetenkrise mit viel Geschick zusammen mit England und Frankreich und der da bereits auseinandergefallenen Tschechoslowakei löste. Aber das kann eigentlich nicht 1939 gewesen sein. Denn im März 1939 zwang er die Rest- oder Rumpftschechei zum gewaltlosen Anschluss an Deutschland.
    Ich glaube auch nicht, dass es dafür im Völkerbund eine Mehrheit gegeben hätte im Jahre (1938?). Zwar entscheidet die Kommission in Stockholm unabhängig, aber so unabhängig, dass man die Mehrheit des Völkerbundes übergangen hätte wohl sicher nicht.

  5. Fragwürdig ist bei kissinger und Obama wohl eine Übertreibung.sie einzustufen als Kriegsverbrecher wäre in Ordnung.

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