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02.05.1776: Frankreich liefert Waffen an amerikanische Rebellen


Frankreich/Geschichte/Großbritannien/USA

Am 02. Mai 1776 begann Frankreich mit Waffenlieferungen an amerikanische Rebellen. Knapp zwei Jahre später intervenierte das Land direkt in den Krieg zwischen England und den amerikanischen Kolonisten.

Frankreich Waffenlieferungen Rebellen USA
Frankreich Waffenlieferungen Rebellen USA, Von Emanuel LeutzeThe Metropolitan Museum of Art, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9520770

Die Tinte auf dem Vertrag von Paris war kaum getrocknet, schon stand der nächste Konflikt zwischen Frankreich und England vor der Tür. Frankreich schwor Rache für die schmachvolle Niederlage während des Siebenjährigen Krieges, durch den man Kanada, aber auch andere Kolonien in Afrika und Französisch-Indien verloren hatte.

Großbritannien war zur stärksten Macht in Europa aufgestiegen. Die Franzosen hatten darum die primären Interessen, den eigenen Ruf als Weltmacht wiederherstellen und gleichzeitig die Briten schwächen. Man betrachtete Großbritannien spätestens nach dem vergangenen Krieg als Erbfeind.

Bereits im Jahr 1767 entsandte Frankreich deshalb im Zuge des wachsenden Konflikts zwischen Großbritannien und den nordamerikanischen Kolonien Agenten nach Amerika, um herauszufinden, ob die Kolonisten eine ernsthafte Gefahr für das Königreich darstellten.

Frankreich bleibt zunächst neutral

Im Jahr 1774 baten die Patrioten (amerikanische Siedler) Frankreich um Hilfe im Kampf gegen England, doch beschloss Frankreichs Außenminister Comte de Vergennes, dass es zu früh war für ein Engagement. Er befürchtete, die Krise könne gelöst werden und dass eine Intervention einer Kriegserklärung an England gleich käme.

Stattdessen entschied er sich für eine Politik des Beobachtens und Abwartens. Im Jahre 1775 jedoch schickte er einen Geheimagenten nach Philadelphia, um sich mit dem Kontinentalkongress in Verbindung zu setzen. Es gab jedoch zwei notwendige Bedingungen für eine Unterstützung durch Frankreich.

Erstens hatten die Kolonisten ihre Unabhängigkeit zu erklären, und zweitens mussten sie Frankreich davon überzeugen, dass sie in der Lage waren sich gegen die britische Armee zu verteidigen. Bevor diese Bedingungen erfüllt waren, beschloss Vergennes offiziell neutral zu bleiben.

Frankreich beginnt mit Waffenlieferungen

Doch begann er im Jahr 1776 heimlich mit militärischen Lieferungen und finanziellen Hilfen für die Amerikaner. Bis Herbst 1776 hatte eine fiktive Handelsfirma bereits fast 300.000 Pfund Schießpulver an die amerikanischen Rebellen geliefert, desweiteren 30.000 Musketen, 3.000 Zelte, mehr als 200 Lieferungen Artillerie und Kleidung für 30.000 Soldaten.

Im Dezember 1776 besuchten drei amerikanische Agenten Paris, angeführt von Benjamin Franklin. Dieser schlug eine formelle Allianz zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich vor. Frankreichs Regierung zögerte jedoch, da man die Schiffsflotte für einen offenen Konflikt mit England militärisch noch nicht bereit sah.

Einige französische Aristokraten, darunter Marquis de Lafayette, zeigten sich jedoch ungeduldig und wollten einen sofortigen Eintritt Frankreichs in den Krieg. Bis zum Ende des Jahres erreichte Paris die Nachricht über den beeindruckenden amerikanischen Sieg bei Saratoga, New York, über den britischen General Burgoyne.

Eintritt in den Krieg

Man sah die zuvor genannten Bedingungen nun als erfüllt, worauf Vergennes mit amerikanischen Beauftragten über einen Bündnisvertrag verhandelte. Am 6. Februar 1778 unterzeichneten Frankreich und die Vereinigten Staaten den „Treaty of Alliance“ als militärisches Bündnis, sowie den Handelsvertrag „Treaty of Amity and Commerce“.

Am 17. März 1778 erkannte Frankreich die Vereinigten Staaten offiziell an. Die Briten hatten es nun nicht mehr mit rebellischen Kolonisten zu tun, sondern führten plötzlich einen weltweiten Krieg. Die erste direkte militärische Unterstützung Amerikas begann im Juli 1778, als ein Expeditionskorps bestehend aus 4.000 Soldaten und 16 Schiffen in Amerika eintraf.

Die Operation endete jedoch in einem Misserfolg, die britisch besetzte Stadt New York konnte nicht erobert werden. Der nächste Plan für einen Angriff auf die britischen Truppen in Newport, Rhode Island, scheiterte erneut. Die Amerikaner machten die Franzosen für den misslungenen Angriff verantwortlich.

Miserable Kampffähigkeiten der Franzosen

Die ausbleibenden Erfolge führten zu einer antifranzösischen Stimmung unter den Amerikanern. Die französischen Truppen wurden von den Kolonisten verhöhnt, bei Zusammenstößen kam sogar ein französischer Offizier ums Leben.

Die Briten verschoben ihre Prioritäten inzwischen in die Südstaaten. Frankreich wagte mit einem Angriff auf das britisch besetzte Savannah einen zweiten Versuch, um mit den Amerikanern zu kollaborieren. Auch diese Kampagne scheiterte. Man griff die britischen Festungen an, wurde aber mit schweren Verlusten zurückgeschlagen.

Die Amerikaner wollten die Operation fortsetzen, doch weigerte sich Frankreich und brach den Angriff ab. Der wachsende Unmut über die Franzosen konnte nur noch durch Waffen- und Geldlieferungen ausgeglichen werden. Einige Kolonisten vermuteten aufgrund der miserablen Kampffähigkeiten inzwischen sogar eine feindliche Absicht der Franzosen.

Spanien trat Frankreich als Verbündeter im Jahr 1779 zur Seite, war jedoch formell nicht mit den Vereinigten Staaten verbündet. Spanien hatte sei Mai 1776 ebenfalls Waffen an die Amerikaner geliefert.

Das Jahr 1780 bildete den Tiefpunkt der Militärallianz. Die Briten hatten New York fest belagert, weitere Gebiete eingenommen und isolierten 5.500 gut ausgerüstete französische Soldaten in Rhode Island. Frankreich versuchte händeringend die Beziehungen zu den amerikanischen Verbündeten zu verbessern.

Doch wendete sich das Blatt ab 1781 plötzlich gegen die Engländer. Bis Ende des Jahres kippte auch die Stimmung in der britischen Bevölkerung gegen den Krieg. Knapp zwei Jahre später erkannte England die Vereinigten Staaten als unabhängig an.

Intervention in den USA führte zur Französischen Revolution

Ohne die direkte und indirekte Unterstützung Frankreichs (und Spaniens) gilt es als zweifelhaft, ob die Amerikaner den Unabhängigkeitskrieg für sich entschieden hätten. Die Staatsverschuldung Frankreichs schnellte während des Krieges jedoch massiv in die Höhe und löste eine schwere Finanzkrise aus.

Not und Hunger brachen in Frankreich aus. Die Monarchie stand vor dem Bankrott, dennoch führte sie ihren verschwenderischen Lebensstil fort und gab Unsummen für königliche Parties aus. Der größte Teil der Staatseinnahmen wurde jedoch für Zinsen und Schuldentilgung ausgegeben (1788: 292,2 Millionen Livres von 472,4 Millionen Livres, bzw. 62 Prozent).

Fast der gesamte Rest, rund ein Drittel der Staatseinnahmen bzw. 164 Millionen Livres, werden für das Militär ausgegeben. Ein extrem kalter Winter gab der französischen Wirtschaft den Rest. Von 25 Millionen Franzosen waren 22 Millionen Bauern. Eine schwere Finanzkrise brach aus.

Bürger verteilten Flugblätter in Paris mit der Aufschrift „Tyrannen zittert – eure Herrschaft geht zu Ende“. In mehreren Teilen des Landes brachen Unruhen aus. Die Franzosen protestierten gegen hohe Preise, Abgaben und Vorrechte des Adels.

Im Juli 1789 entwickelte sich die Krise mit dem Sturm auf die Bastille bzw. der Französischen Revolution zu einem Flächenbrand. Letztendlich bezahlte die Bevölkerung Frankreichs einen hohen Preis für die Unterstützung der USA im Unabhängigkeitskrieg.

Quellenangaben anzeigen
Historyisfun.org, US Office of the Historian



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