EZB schließt zwei italienische Zombie-Banken


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Die EZB hat am Freitagabend zwei italienische Zombie-Banken geschlossen. „Gesunde“ Teile werde von einer anderen Bank übernommen, die Verluste übernehmen die Steuerzahler.

EZB schließt Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza
EZB schließt Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza, Bild: Gegenfrage.com

Wenn Banken kollabieren und entschieden wird diese zu schließen, dann geschieht das immer am Freitagabend. So geschehen auch gestern in Italien: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Freitagabend die beiden Banken Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza geschlossen.

Insgesamt ging es dabei um Assets in Höhe von 60 Milliarden Euro, größtenteils sogenannte toxische Papiere, die niemand kaufen wollte, schreibt Wolfstreet. Zwar griff die Regierung bereits zuvor in den Niedergang ein, doch reichte der Schritt nicht aus, um einen Zusammenbruch abzuwenden. Gestern Abend war es dann soweit.



Die EZB schloss die Institute mit einer knappen Begründung: Die Banken hätten wiederholt die Eigenkapitalanforderungen verletzt und wurden als „wahrscheinlich nicht überlebensfähig“ eingestuft. Man habe den Banken Zeit gegeben, Kapitalpläne zu präsentieren. Doch seien diese nicht in der Lage gewesen, glaubwürdige Lösungen vorzulegen.

Bei der Schließung der beiden Geldhäuser handelt es sich um die erste Liquidation in Italien im Rahmen des neuen Einheitlichen Aufsichtsmechanismus in Europa. Erst kürzlich wurde die spanische Banco Popular geschlossen und für einen Euro von der Großbank Santander übernommen.

Kosten

Die Kosten für die Abwicklung sollen Inhaber von Anleihen, Aktionäre und Steuerzahler tragen. Außerdem sollen Schrottpapiere in eine Bad Bank ausgelagert werden. Rom erklärte sich bereit, fünf Milliarden Euro bereitzustellen. Italienische Zeitungen berichten jedoch bereits einen Anstieg der Kosten auf zwölf Milliarden Euro.

Die gesunden Teile der Bank werden Berichten zufolge von der Großbank Intesa Sanpaolo übernommen. Die toxischen Schrottpapiere hingegen werden vom italienischen Steuerzahler in Form der Bad Bank aufgekauft.

Es ist also das altbekannte Spiel: Die Gewinne werden von der Finanzbranche eingesackt, die Verluste trägt der Steuerzahler. Die Abwicklung der Zombies erfolgt nach italienischem Insolvenzrecht.

Veneto Banca

Die im Jahr 1877 gegründete Veneto Banca hat ihren Sitz in Montebelluna, Italien und ist seit Dezember 2015 eine Aktiengesellschaft. Nach einer gescheiterten Börsennotierung im Juni 2016 wurde sie vom Rettungsfonds Atlante übernommen. Nach einigen Abschreibungen und einem Skandal beim Verkauf einiger Aktien an Kunden wurde die Bank nun geschlossen.

Die Bank war eine der vierzehn größten italienischen Banken, die direkt von der Europäischen Zentralbank betreut wurden.

Banca Popolare di Vicenza

Die im Jahr 1866 gegründete Bank war ebenfalls eine der 14 von der EZB betreuten Banken. Die Banca Popolare gehörte zu den vier italienischen Banken, die bei den Stresstests im Jahr 2014 versagten. Auch diese wurde von Atlante übernommen.

Quellenangaben anzeigen
wolfstreet, linkiesta, financialtimes

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