Euro-Rettung: Wann steigen die ersten Mitspieler aus?


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Auf eine Billion Euro werden die 440 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds EFSF nun gehebelt. Die Bundesbank warnte offenbar davor, da genau diese Hebel-Zockereien die Wirtschaftskrise überhaupt erst verursacht hätten. Zudem ist der griechische Schuldenschnitt von 50% offenbar Augenwischerei und beträgt möglicherweise nur reale 17%.

Umgehend nachdem der Euro-Gipfel beendet war, wiesen Ökonomen, freie Journalisten und Blogger auf die riesigen Schwachstellen des neuen Plans hin, welcher der Öffentlichkeit als große und umfassende Lösung der europäischen Schuldenkrise verkauft werden sollte. Auch die deutsche Bundesbank drückte ihre Sorge über den neuen Plan aus, nach dem der EFSF von 440 Milliarden Euro auf 1 Billion Euro gehebelt werden soll. Dies ähnele den hochriskanten Finanzinstrumenten, die für den Ausbruch der Krise im Jahr 2008 mitverantwortlich gewesen seien, als die Pleitebanken Bear Stearns und Lehman Brothers zahlreiche andere Finanzinstitute in den Abgrund rissen und ganze Volkswirtschaften zum Wanken brachten.

Moment, wie funktioniert eigentlich so ein Hebel?

Man nimmt die 440 Milliarden Euro aus dem Rettungsschirm und kauft davon wertlose Staatsanleihen bankrotter Staaten wie Griechenland, zum vollen Preis versteht sich. Man hinterlegt dann diese Anleihen als Sicherheit und borgt sich dafür ohne Risiko-Abschlag weitere 440 Milliarden Euro. Dafür kauft man dann ein weiteres Mal griechische Anleihen. Man hinterlegt dann diese Anleihen ein weiteres Mal als Sicherheit und borgt sich dafür ohne Risiko-Abschlag noch einmal 440 Milliarden Euro… Im Falle eines diskutierten 5-fach Hebels wiederholt man das ganze dann – Sie vermuten es schon ganz richtig – fünf Mal. Auf diese Weise wollen die Regierungen der Eurozone unser Geld vor dem Untergang bewahren. Eine gute Idee? Und wer wird diese Ramschpapiere überhaupt als Sicherheit akzeptieren?



Jens Weidmann, Präsident der Bundesbank und Mitglied der Europäischen Zentralbank, lehnt den Plan, den Fonds vier- oder fünffach zu hebeln, vehement ab. Er warnte davor, dass diese riskanten Investitionen mit dem Geld der Steuerzahler in italienische oder spanische Anleihen schwere Marktturbulenzen verursachen könnte, wie die britische Zeitung The Telegraph berichtet. Mit den auf dem EU-Gipfel beschlossenen Modellen seien Weidmann zufolge auch höhere Verlustrisiken verbunden.

Bill Gross, der Gründer des größten Anleihenfonds der Welt Pimco, sagte, dass die Rettung der Euro-Zone nur eine temporäre Lösung für die Märkte sei und die Entscheidung der Euro-Chefs ein hohes Risiko darstelle. Und tatsächlich, die Aktienkurse von Banken und Versicherungen schossen kurzfristig in die Höhe. „Keine Bazooka, aber sollte aber Märkte kurzzeitig stabilisieren“, postete Gross auf seiner Twitter-Seite. „Seht her, der Plan ist ein riesiger SIV (Structured Investment Vehicle) mit gehebeltem Risiko.“ Der Plan, den EFSF auf 1 Billion Euro zu hebeln, wird von zahlreichen Ökonomen als nicht ausreichend gewertet, um die Probleme Spaniens und Italiens abzufedern. Laut einer Umfrage sagten 26 von 48 Okönomen, „die Feuerkraft reicht nicht aus.“ Der ursprüngliche Plan, den Fonds auf 2 oder gar 4 Billionen Euro zu hebeln, wurde laut Telegraph von der deutschen sowie der französischen Opposition vorerst gestoppt.

Der Haircut Griechenlands von angeblichen 50% ist im Übrigen in vielerlei Hinsicht nicht mehr als ein schlechter Scherz, eine Nebelkerze, Augenwischerei. Von heutigen 160% soll durch diese Maßnahme die Staatsverschuldung auf 120% sinken. Allerdings erst im Jahr 2020! Tatsächlich handelt es sich dabei allerdings nicht um einen 50%-Schuldenschnitt. Denn wenn man aus den insgesamt 350 Milliarden Euro die Kredite von der Troika und Anleihen bei der EZB herausrechnet, bleiben noch 205 Milliarden Euro übrig. Davon liegen 85 Milliarden bei griechischen Banken, die wiederum keinen Haircut verkraften können und darum mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls außen vor bleiben. Von den übrigen 120 Milliarden fallen dann 60 Milliarden weg, so beträgt der Haircut dann plötzlich nur noch reale 17%. Hier eine schöne Grafik dazu.

Der konservative griechische Oppositionsführer Antonis Samaras sagte: „Wir sind kein Stück näher an der Lösung, sondern sehen uns mit neun weiteren Jahren des Zusammenbruchs und der Armut konfrontiert.“ Dimitris Papadimoulis, Abgeordneter der Linkspartei in Griechenland, sagte, dass die neuen auferlegten Sparmaßnahmen einen Interessenkonflikt verursachen würden. „Diejenigen, die uns nun kontrollieren, scheren sich nicht um unsere Interessen“, sagte er. „Deren Priorität ist lediglich, dass wir unsere Kredite zurückbezahlen.“

Aber Hand auf’s Herz – worüber regen wir uns auf? Im Endeffekt ist der Euro nur Monopoly-Spielgeld. Und das Spiel ist erst dann vorbei, wenn die ersten Mitspieler keine Lust mehr haben und die fröhliche Runde verlassen. Am Ende verfeuert man die ganzen bunten Scheine im Ofen, druckt anschließend neues Spielgeld und fängt von vorne an. Bleibt nur zu hoffen, dass einzelne Mitspieler den bevorstehenden Verlust nicht allzu ernst nehmen werden und – wie in der Vergangenheit leider des öfteren geschehen – damit beginnen, auf die anderen Spieler einzuprügeln. Denn leider hängt inzwischen der Wohlstand vieler Millionen Menschen in Form von Vermögen und Altersvorsorgen an diesem Spielgeld.

6 Kommentare

  1. immerhin haben sich die euroländer auf etwas geeinigt und das innerhalb einer recht kurzen frist. hingegen kommen die amis nicht miteinander klar, was hoffentlich noch eine weile so bleiben wird bis die usa innenpolitisch kollabiert – hurra, hurra!!!

    der esfs hat jedenfalls ein neues kapitel der spekulation eröffnet, der einsatz wurde erhöht, damit auch die gewinn und verlustchancen. das die spieler nach wie vor dieselben sind und auch die spielregeln feststehen, ist klar wie auch diese runde ausgehen wird: die bank gewinnt immer und der spieler verliert folglich immer!

    noch vor weihnachten wird eines der großen eu-länder seine zahlungsunfähigkeit bekannt geben und damit das ganze system sprengen. allen regierungen wird nichts über bleiben als die notleidenden banken zu verstaatlichen und einfluß auf die geschäftspolitik zu nehmen. bis dahin muß parallel der druck der strasse wachsen, so dass es für die politik keinen ausweg mehr gibt ohne nicht selbst dabei umzukommen.

  2. Noch vor Weihnachten? Könnte schon sein, dass nun wieder ein paar Wochen/Monate Ruhe ist… wir werden sehen!

    „allen regierungen wird nichts über bleiben als die notleidenden banken zu verstaatlichen“ …. wohl eher werden doch die Staaten verbanklicht 🙂

  3. Hat es einen Wert über das „Was“ und „Wie“ und „Wann“ zu spekulieren? Sind wir Kommentatoren oder Monopoly-Spieler?

    Alternativlos unterbelichtet und strunzdumm
    Sollen „die bisherigen Zahler-Bundesländer wie Hessen, Bayern und Baden-Württemberg“ auch noch Griechenland und Italien, Spanien und Frankreich finanzieren inklusive der USA? Genau dieser Schwachfug wurde 26. Oktober per Abstimmung im Deutschen Bundestag abgesegnet. „Herr vergib‘ ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Laternenpfähle gibt es genug. Die haben den unschätzbaren Vorteil, daß daran hängende Verbrecher auch bei Dunkelheit bewundert werden können. Bäume sind einfach zu diskret.

    Wer mag, erfreue sich an all den Quellen und Kommentaren, die ich zum Wochentheater zusammengetragen habe: „Investoren und Unternehmer, Lohnsklaven und Schuldsklaven“

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