Euro: Offizieller und inoffizieller Wertverlust


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Im März 2010 betrug die Inflation in der Eurozone laut Medienberichten 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Februar betrug die Inflationsrate sogar lediglich 0,9 Prozent. Im weltweiten Vergleich scheint das vertretbar. Doch wie wird die Inflationsrate überhaupt errechnet?

HVPI

In der Eurozone wird die Stabilität der Verbraucherpreise mithilfe des „Harmonisierten Verbraucherpreisindex“ HVPI gemessen. „Harmonisiert“ bedeutet, dass alle Mitgliedsstaaten im Euroraum nach demselben Verfahren vorgehen. Zusammengefasst tragen Preisermittler in fast 1600 Städten der Eurozone etwa 1,8 Millionen Preise aus über 200000 Verkaufsstellen zusammen. Im Warenkorb des HVPI stellen Dienstleistungen mit rund 40 Prozent die größte Gütergruppe, gefolgt von gewerblichen Waren mit 30 Prozent, Nahrungsmitteln mit 20 Prozent und Energie mit 10 Prozent (Stand: April 2007).



Inflationsraten

In Russland beispielsweise beträgt die momentane Jahresinflation 8,8 Prozent, in Indien 9,9 Prozent, in China 2,2 Prozent, in der Schweiz 1,4 Prozent, in den USA 2,3 Prozent und in Großbritannien 3 Prozent. Jedes Land hat einen eigenen Warenkorb und ein eigenes Verfahren die Teuerung zu ermitteln. Um etwas Klarheit zu schaffen, ist ein direkter Vergleich mit anderen Währungen möglicherweise hilfreich.

Tabelle (Stand: 17.04.2010, Onvista Charts)

Wie viele Yen, Dollars oder Franken bekam ich vor einem Jahr für meine Euros? Und wie viele heute? Ein kurzer Überblick, der Erstaunliches zur tatsächlichen Wertstabilität unserer Währung offenbart.

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Vor 1 JahrHeuteVeränderung*
Euro11
Japan. Yen129,00123,004,88%
US-Dollar1,301,35-3,70%
Schweizer CHF1,521,436,29%
China Renminbi Yuan8,859,25-4,32%
Norwegische Krone8,807,9011,39%
Britisches Pfund0,880,880,00%
Kanadischer Dollar1,571,3615,44%
Brasilianischer Real2,902,4020,83%
Indische Rupie65,0060,008,33%
Mexikanischer Peso17,0016,503,03%
Ungarischer Forint298,00262,0013,74%
Russischer Rubel44,0039,0012,82%
Türkische Lira2,102,005,00%
Südafrikanischer Rand11,6010,0016,00%
Dänische Krone7,457,440,13%
Australischer Dollar1,801,4524,14%
Schwedische Krone11,009,7512,82%
Neuseel. Dollar2,301,9021,05%

*berechnet wurde, um welchen Prozentsatz Yen, Dollar usw. im Vergleich zum Vorjahr zum Euro gefallen oder gestiegen sind.

Überraschung?

In der Eurozone beträgt die offizielle Inflationsrate 1,5% zum Vorjahreszeitraum, in Russland 8,8%. Ist es dabei nicht etwas merkwürdig, dass der Rubel zum Euro im gleichen Zeitraum um 12,82% zulegen konnte? Alle hier dargestellten Währungen (die wichtigsten Währungen der Welt dürften hier aufgeführt sein) bis auf den Yuan und den US-Dollar waren auf Jahressicht stabiler als der Euro.
Gold als Schutz vor Wertverlust?

Sicher gibt es noch einige zu beachtende Faktoren wie Wirtschaftsleistung, Export-/Importverhältnisse, Geldmengen, höhere Gewalt und andere Einflussgrößen. Fakt ist aber: Unser Geld verliert an Wert gegenüber anderen Währungen, z.B. fast 25% zum Australischen Dollar.

Unterm Strich vermittelt mir mein Bauchgefühl daher, dass die offiziellen Inflationsraten überhaupt nichts aussagen und der „Goldpreisanstieg“ des vergangenen Jahres somit erklärt ist. Gold konnte in Euro zum Vorjahreszeitraum um 27,41% zulegen (Stand: 19.04.2010), was in Bezug auf den ermittelten Wertverlust unserer Einheitswährung in meinen Augen vollkommen nachvollziehbar ist.

Einige Ökonomen sehen bereits eine Goldblase, die nach meinem Verständnis aber in Anbetracht der niedrigen Leitzinsen, der drohenden Staatspleiten und der Konjunkturpakete in Milliardenhöhe eher eine Währungsblase sein dürfte. Lassen Sie sich auch von sogenannten „Preisrücksetzern“ oder „Korrekturen“ nicht verunsichern: Irgendwann sind diese ganzen Ökonomen und Währungen weg, Gold ist aber immer noch da mit derselben Kaufkraft wie immer (ich verweise auf das berühmte Paar Schuhe im alten Rom).

Somit erfüllt Gold weiterhin seinen Zweck als stabile Wertanlage, Schutz vor Inflation und die einzige taugliche Altersvorsorge. Die offiziellen 1,5% Euro-Inflation kann man jedenfalls vergessen und es ist eine Frage der Zeit, dass der offensichtlich stattfindende Wertverlust spürbar in den Portemonnaies der Bürger ankommt.

Quellen: EZB: Inflation und der Euro, Inflation steigt in der Euro-Zone auf 1,5 Prozent, Inflationsmessung muss vollständig harmonisiert werden, Russland: Jahresinflation 2009 bei knapp neun Prozent, Thailand Inflation Rate, Lebensmittelpreise treiben Inflation in Indien auf 9,9 %, China gelingt Turbo-Wachstum mit niedriger Inflation, Schweizer Inflationsrate im März auf 1,4 Prozent gestiegen, United States Inflation Rate, UK-Inflation Verlangsamung unter Risiken, Angst vor der Goldblase wächst

2 Kommentare

  1. Genau richtig ! Diese angeblichen Inflationsraten von 1-2 % sind reine Luege !
    Schauen Sie sich nur mal die Preise im Kaufland an – ich rede hier von Lebensmitteln des taeglichen Bedarfs. Die sind innerhalb eines Jahres oft mehr als 10% angestiegen.
    Wer sich jeden Tag einen neuen Computer kauft, der wird natuerlich die 1.5% Inflation haben – aber jeder normale Mensch muss mit ca. 10% leben.
    Dazu kommt noch die krasse Ungerechtigkeit fuer Hausbesitzer: nicht nur der Wert Ihrer Immobilie faellt, sondern die Mieteinnahmen bleiben konstant ueber Jahre hinweg waehrend die Inflation diese Einnahmen wegfrisst.
    Wieder einmal mehr in Deutschland: wer sich anstrengt und Vermoegen anspart ist der Dumme, derjenige der lustig zuhause sitzt und Hartz IV einkassiert oder 10 Kinder aus der Tuerkei zu sich holt, ist der Gewinner.
    Wie lange laesst man sich das noch gefallen ?

  2. Wie viele Yen, Dollars oder Franken bekam ich vor einem Jahr für meine Euros? Und wie viele heute? Ein kurzer Überblick, der Erstaunliches zur tatsächlichen Wertstabilität unserer Währung offenbart.

    Hier fehlt doch was?

    Die stabilste Währung in Südamerika, früher bekam ich für einen Euro über 7000 Guarnies, heute 2000 weniger.

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