Vergessene Geschichte
03.03.1945: Briten bombardieren versehentlich Den Haag (NL)


Geschichte/Großbritannien/Niederlande

Am 03. März 1945 zerstörten Bomber der britischen Luftwaffe versehentlich das Wohngebiet Bezuidenhout in Den Haag. Über 500 Menschen kamen ums Leben, Zehntausende wurden obdachlos und flüchteten ins Landesinnere.

Den Haag Bombardierung
Den Haag Bombardierung, Flagge der Niederlande, Bild: Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1945 bombardierten britische Bomber der Royal Air Force (RAF) versehentlich das Wohnviertel Bezuidenhout in der niederländischen Stadt Den Haag. Zu dieser Zeit war der Bezirk dichter bevölkert als gewöhnlich, da sich dort Evakuierte aus Den Haag und Wassenaar aufhielten.

Durch den Luftangriff kamen über 500 Personen ums Leben, 20.000 wurden obdachlos, insgesamt 50.000 Menschen flüchteten in die östliche und mittlere Niederlande. Den Piloten wurden angeblich falsche Koordinaten mitgeteilt. Zusätzlich verdeckten Nebel und Wolken die Sicht, weshalb versehentlich das Wohnviertel Bezuidenhout zerstört wurde.

Der Angriff galt nach Informationen des britischen Militärs eigentlich einer deutschen V-2 Abschusseinrichtung. Am Morgen des 03. März starteten mittlere und leichte Bomber britischen Luftwaffe aus Melsbroek bei Brüssel und Vitry in Nordfrankreich.

Zwischen 8 und 9 Uhr morgens warfen die Bomber 67 Tonnen hochexplosive Bomben über Bezuidenhout ab, wodurch der Bezirk erheblich zerstört wurde. Die Feuerwehr verfügte zu diesem Zeitpunkt über zu wenig Personal, um die Brände zu löschen. Deshalb breitete sich das Feuer weitgehend unkontrolliert aus. Als die Briten das Ausmaß des angerichteten Schadens erkannten, ließen sie die Bomber abziehen und entschuldigten sich für den Fehler.

Trouw, die niederländische Widerstandszeitung, berichtete:

„Die Schrecken des Krieges nehmen zu. Wir haben die Brände in Den Haag nach den schrecklichen Bombenanschlägen aufgrund der V2-Startplätze gesehen. Die Rauchsäule, die nach Süden treibt und die Tortour des Krieges, die uns mit voller Härte traf.

Wir hörten die kreischenden Bomben, die auf Bezuidenhout fielen, und die Raketen, die den Tod und das Elend brachten, gingen nur hundert Meter neben uns zu Boden. Gleichzeitig sahen wir die startende und brüllende, flammende V2, die unseren Atem stocken ließ, als wir dabei zusahen, wie sie erfolgreich starteten, und hofften, dass sie nicht die Häuser unschuldiger Menschen treffen würden.

Es ist schrecklich zu sehen, wie diese Monster mitten in der Nacht zwischen den Häusern abheben und den Himmel erleuchten. Man kann sich die Schrecken vorstellen, die damit über uns kamen, zumal die Frontlinie in Den Haag mehr als zehn Tage lang ununterbrochen bombardiert wurde.

Gebäude brennen und schwelen lichterloh, eine Stadt, die im Rauch erstickt, Frauen und Kinder fliehen, Männer, die ihre Wohnungseinrichtung versuchen aus dem Chaos zu retten. Welch Elend, welch Verzweiflung.“

Gedenkfeier

Der Bombardierung wird in Den Haag jährlich am ersten Sonntag nach dem 03. März gedacht. Im Jahr 2011 erinnerten Den Haags Bürgermeister Jozias van Aartsen, sowie die Bürgermeister von Wassenaar und Leidschendam-Voor (die Bewohner beider Städte halfen bei der Brandbekämpfung und Bergung der Überlebenden) während eines Gottesdienstes an die Zerstörung des Wohnviertels.

Am „Monument des menschlichen Versagens/Irrtums“ (niederl.: Monument van de menselijke vergissing) legten sie einen Kranz nieder. Anschließend fand im Königlichen Konservatorium in den Haag ein Gedenkkonzert statt. Im Jahr 2012 fanden ein ähnlicher Gottesdienst und ein Konzert statt.

Statistik

Durch die Bombardierung gab es 511 Todesopfer und 344 Verletzte. 20.000 Menschen wurden obdachlos. 3.250 Häuser brannten vollständig aus, 3.241 weitere wurden beschädigt, 391 davon irreparabel. 290 Unternehmen und Fabriken wurden zerstört, fünf Kirchen, neun Schulen und zehn öffentliche Gebäude.

Quellenangaben anzeigen
wikipedia(en), histomil, bb45.nl, nu.nl, denhaag.nl, v2platform.nl



1 Comment

  1. Versehentlicher Angriff?
    Schlampigkeit und Interesselosigkeit nenne ich das.
    Es geht auch anders.
    Nehmen wir die Stadt Konstanz am Bodensee.
    Wegen der Nähe zur Schweiz, das sind nur wenige hundert Meter, wurde Konstanz während des gesamten Krieges nicht angegriffen. Andere Städte wie Friedrichshafen oder Rheinfelden hingegen schon.
    Wenn man will, dann kann man unbeabsichtigte Bombentreffer vermeiden. Aber das setzt ein gewisses Problembewusstsein bei den Planern des Luftkriegs voraus.
    Dieses Bewusstsein war bei den Amerikanern selten vorhanden. Auch wenn wir an das spätere Vietnam denken mit der Weiterung Kambodscha.

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