Das vergessene „Project West Ford“


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Im Jahr 1963 begann „Project West Ford“. Dafür schoss das US-Militär 480 Millionen Kupfernadeln in die Erdumlaufbahn, um per Funk mit Streitkräften im Ausland kommunizieren zu können.

Project West Ford
Project West Ford, Bild: Gegenfrage.com

Auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs in den späten 1950er Jahren wurden alle internationalen Nachrichten entweder durch Seekabel gesendet, Funksignale prallten an der natürlichen Ionosphäre ab.

Das US-Militär war besorgt, dass die Sowjets diese Kabel zerstören könnten, was die Ionosphäre zur einzigen Möglichkeit der Kommunikation mit im Ausland befindlichen Streitkräften machte.



Das Weltraumzeitalter hatte gerade erst begonnen, und die Kommunikationssatelliten, auf die wir heute angewiesen sind, existierten nur in den Skizzen von Futuristen. Dennoch suchte das US-Militär im Weltraum nach einer Lösung.

So kamen die Militärplaner auf die Idee, eine künstliche Ionosphäre zu schaffen. Im Mai 1963 beförderte die US Air Force 480 Millionen winzige Kupfernadeln in die Erdumlaufbahn, die kurzzeitig einen Ring um den gesamten Globus bildeten.

Dies nannten sie Project West Ford. Die Ingenieure hinter dem Projekt hofften, dass es als Prototyp für zwei weitere permanente Ringe dienen würde, um die Kommunikationsfähigkeit auf der ganzen Welt zu garantieren.

Beginn des Projekts

Obwohl der erste Start scheiterte, verlief der zweite Start am 09. Mai 1963 reibungslos. Innerhalb des West Ford-Raumschiffs waren die Nadeln dicht zusammengepresst in Blöcken aus einem Naphthalin-Gel, das im Weltraum rasch verdampfte.

Dieses ganze Nadelpaket wog nur 20 kg. Nach ihrer Freisetzung breiteten sich die 480 Millionen Kupfernadeln über einen Zeitraum von zwei Monaten allmählich über die gesamte Umlaufbahn aus.

Der Ring war 15 Kilometer breit und 30 Kilometer dick und umringte den Globus in einer Höhe von 3700 km. Die Kupfernadeln waren jeweils 1,8 cm lang und hatten einen Durchmesser von 0,0018 cm und wogen nur 40 Mikrogramm.

Sie wurden so entworfen, dass sie genau die Hälfte der Wellenlänge von 8000 MHz Mikrowellen hatten. Diese Länge würde starke Reflexionen erzeugen, wenn die Mikrowellen auf die Kupfernadeln trafen, was sie zu winzigen Dipolantennen machte, von denen jeder das exakt gleiche Signal in alle Richtungen weitergab.

Der erste Versuch einer Fernkommunikation mit dem West Ford-Gürtel fand am 14. Mai statt, vier Tage nach dem Start. An diesem Punkt hatten sich die Dipole noch nicht vollständig ausgebreitet, sodass die Abstände zwischen den Nadeln noch sehr dicht beieinander lagen.

Mit zwei 18,5-Meter-Mikrowellenantennen schafften die Ingenieure von Project West Ford Sprachübertragungen zwischen Camp Parks, Kalifornien, und Millstone Hill, Massachusetts.

Die Sprachverbindung wurde als „verständlich“ beschrieben und mit einer Datenrate von ungefähr 20.000 Bits pro Sekunde – ungefähr der Geschwindigkeit eines Telefonmodems aus dem Jahr 1992 – übertragen.

Aber als sich die Nadeln weiter verteilten, fiel die Datenrate signifikant ab, so dass bis zum 18. Juni nur 400 Bits pro Sekunde übertragen werden konnten. Am 02. Juli wurde das Experiment eingestellt.

Ende von Project West Ford

Trotz seines technischen Erfolgs wurde das endgültige Ziel von Project West Ford nie erreicht. Einige Wissenschaftler äußerten zudem ihre Bedenken, Hunderte Millionen Kupfernadeln in die Erdumlaufbahn zu schießen.

Darüber hinaus wurden in den 1960er Jahren die ersten funktionsfähigen Kommunikationssatelliten entwickelt, sodass das Projekt damit obsolet war.

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