Vergessene Geschichte
20.09.2006: „Teufel-Rede“ von Hugo Chávez bei den Vereinten Nationen


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Am 20. September 2006 übte der venezolanische Präsident in seiner „Teufel-Rede“ vor den Vereinten Nationen heftige Kritik an US-Präsident George W. Bush.

Teufel-Rede von Hugo Chávez
Teufel-Rede von Hugo Chávez, Bild: Gegenfrage.com, Flagge gemeinfrei

Am 20. September 2006 hielt Venezuelas Präsident Hugo Chávez seine „Teufel-Rede“ während der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Darin übte er heftige Kritik an US-Präsident George W. Bush, mit besonderem Schwerpunkt auf dessen Außenpolitik.

Die Rede erntete tobenden Beifall. Die US-Delegierten zeigten sich jedoch solidarisch gegenüber ihrem Präsidenten Bush. Allerdings hielt Chávez seine Teufel-Rede während einer Zeit, in der Bush auch in den USA für seine verheerende Außenpolitik scharf kritisiert wurde.

Laut Umfragewerten befand sich die Zustimmung für George W. Bush zu dem Zeitpunkt der Rede auf einem historischen Tiefpunkt, insbesondere wegen des Vernichtungskriegs gegen den Irak.

Rede

Einen Tag nach Bushs Rede vor der Generalversammlung sagte Chávez: „Der Teufel ist gestern hier angekommen, und heute riecht es noch immer nach Schwefel, an diesem Tisch, vor dem ich jetzt stehe.“ Gleichzeitig machte Chávez das Kreuzzeichen.

Er legte seine Hände zusammen, als ob er beten wolle, schaute kurz nach oben zu Gott, und fuhr fort: „Gestern, meine Damen und Herren, kam der Präsident der Vereinigten Staaten, der Gentleman, den ich als den Teufel bezeichne, hierher an das Podium, und sprach, als ob er die Welt besäße.“

Chávez sagte weiter, dass Präsident Bush „gekommen ist, um seine Geheimpläne zu teilen und zu versuchen, das gegenwärtige Muster der Herrschaft, Ausbeutung und Plünderung der Völker der Welt zu bewahren.“

Chávez begann seine Rede mit einer Empfehlung des Buchs Hegemony or Survivalvon Noam Chomsky. „Es ist ein ausgezeichnetes Buch, das uns hilft zu verstehen, was in der Welt während des 20. Jahrhunderts geschehen ist und was gerade passiert und die größte Bedrohung, die sich auf unserem Planeten abzeichnet.“

Unter Berufung auf Chomskys Buch erklärte Chávez: „Das amerikanische Imperium tut alles, um sein Herrschaftssystem auszubauen. Und wir dürfen ihnen das nicht erlauben. Wir können nicht zulassen, dass die Weltdiktatur ausgebaut wird.“

Die Rede wurde auf spanisch vorgetragen mit einer von der UNO bereitgestellten Übersetzung für die Anwesenden.

Reaktionen in Venezuela

Das Meinungsforschungsunternehmen Zogby führte einen Monat nach der Teufel-Rede eine Umfrage in Venezuela durch. 36 Prozent der befragten Venezolaner gaben an, die Rede habe sie stolz auf Chávez als ihren Präsidenten gemacht. 23 Prozent sagten, dass sie sich schämen würden.

Weiteren 15 Prozent waren die harten Worte ihres Präsidenten gegenüber seinem Amtskollegen aus den USA egal. 26 Prozent sagten, sie würden die Rede nicht kennen oder wüssten nicht, was sie darüber denken sollten.

Während seiner Rede vor den Mitgliedsstaaten bei der 72. UN-Vollversammlung in New York im September 2017 sagte Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza, dass es „noch immer nach Schwefel stinkt“.

Reaktionen von US-Politikern

Viele US-Politiker aus beiden Häusern des Kongresses veröffentlichten eine Welle von Pressemitteilungen als Reaktion auf die Äußerungen, die Chávez während seiner Rede getroffen hatte.

Die Demokratin Nancy Pelosi aus Kalifornien, selbst scharfe Kritikerin Bushs, bezeichnete Chávez als „Strolch“, der sich selbst für einen „modernen Simón Bolívar“ halte. „Hugo Chávez missbraucht sein Privileg bei den Vereinten Nationen“ und „er erniedrigte sich selbst und er erniedrigte Venezuela“.

Der Demokrat Charles Rangel aus New York sagte: „George Bush ist der Präsident der Vereinigten Staaten und vertritt das gesamte Land. Jeder erniedrigende öffentliche Angriff gegen ihn wird von Republikanern und Demokraten und allen Amerikanern wie ein Angriff auf uns alle gewertet.“

Senator Tom Harkin (Demokrat, Iowa) bezeichnete Chávez ‚Kommentare als „Brandstiftung“. Der frühere Präsident Bill Clinton (Demokrat, Arkansas) betitelte die „persönliche Dämonisierung“ als „Fehler“, der nur Chávez und seinem Land Schaden zufüge.

Reaktionen in Ecuador

Rafael Correa, damals ecuadorianischer Präsidentschaftskandidat, bezeichnete Chávez Rede als beleidigend. Allerdings nicht für Bush, sondern für den Teufel. Letzterer sei zwar ebenso böse, aber dafür sicherlich intelligenter als Bush.

Rafael Correa, ein ausgesprochener Kritiker der US-Außenpolitik, bezeichnete George W. Bush als einen „ungehobelten Präsidenten, der sein Land und die Welt stark beschädigt hat“. Correa wurde im November 2016 zum Präsidenten Ecuadors gewählt.

Chávez-Interview im Time Magazine

Als Reaktion auf die politische Kritik der Amerikaner ließ Chávez in der Time-Ausgabe vom 10. Oktober 2006 in einem Interview mitteilen, dass er nicht Bush angegriffen, sondern Gegenangriffe verübt habe. Bush habe wesentlich schlimmere Dinge über ihn gesagt (z.B. Chávez-Putsch im Jahr 2002, s. hier).

Zudem attackiere Bush die ganze Welt, „und zwar nicht nur mit Worten, sondern mit Bomben“. Er argumentierte, dass er auf das reagiert habe, was er als „Bedrohung eines US-Imperiums, das die UNO zur Rechtfertigung seiner Aggression gegen die halbe Welt benutzt“, empfand . und dass er „die öffentliche Meinung in den USA und weltweit wecken“ wollte.

Quellenangaben anzeigen
un.org (komplette Rede auf englisch übersetzt), washingtonpost, cnnmercopress, time, elpais



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