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28.02.1954: USA zünden die Castle Bravo-Wasserstoffbombe


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Am 28. Februar 1954 führte das US-Militär mit der Zündung der „Castle Bravo“ den größten US-Atomwaffentest der Geschichte durch. Die Forscher berechneten die Sprengkraft falsch, weshalb nukleares Material bis nach Indien, Europa, Japan und Australien schleuderte. Zahlreiche Menschen im Fallout-Radius, die man vorab nicht über den Test informierte, starben oder erkrankten.

Castle Bravo
Castle Bravo, Bild: US-Botschaft, Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1954 wurde Castle Bravo, mit einer Sprengkraft von 15 Megatonnen TNT die stärkste US-Atomwaffe aller Zeiten, zur Detonation gebracht. Der Test war Teil eines Atomwaffen-Testprogramms bekannt als Operation Castle. Durchgeführt wurde die Operation von der US Atomic Energy Commission und dem US-Verteidigungsministerium.

Die Operation fand am Bikini-Atoll statt, einem Teil der Marshall-Inseln, wo das US-Militär seit 1946 Atomwaffentests durchführt. Fehlerhafte Berechnungen führten zum größten Atomunfall in der Geschichte der USA, schreibt Brookings. Das Pentagon führten ihren ersten thermonuklearen Test bereits zwei Jahre zuvor durch, bekannt als Ivy Mike, ebenfalls auf den Marshall Inseln.

Während Ivy Mike eine „nasse“ thermonukleare Vorrichtung war, was bedeutet, dass das Wasserstoff-Isotop, das in der Vorrichtung verwendet wurde, flüssig war, war Castle Bravo eine „trockene“ Bombe. Dadurch reduzierten sich Gewicht und Größe erheblich.



Zum Vergleich: Ivy Mike hatte eine Sprengkraft von 10,4 Megatonnen, maß 6,19 x 2,03 Meter und wog 73,8 Tonnen. Castle Bravo maß 4,56 x 1,37 Meter und wog 10,7 Tonnen. Der Test zielte darauf ab, künftig effektivere Waffen zu produzieren, um diese mit Flugzeugen transportieren zu können.

Fatale, falsche Berechnungen der Sprengkraft

Tatsächlich wurde die Sprengkraft von Castle Bravo falsch berechnet. Die US-Forscher erwarteten eine Sprengkraft von fünf bis sechs Megatonnen TNT (tatsächlich waren es 15 Megatonnen), was in der Folge zu einer kritischen Kontamination führte. Damit war Castle Bravo außerdem rund 1.000 mal stärker, als die US-Atomwaffen, mit denen das US-Militär im Jahr 1945 die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki zerstörte.

Die nach der Detonation entstandene Pilzwolke war sieben Kilometer breit und stieg nach wenigen Minuten auf eine Höhe von 40 Kilometern. Der Krater, der zurückgelassen wurde, hatte einen Durchmesser von zwei Kilometern und war 75 Meter tief.

Der Test führte zu einem nuklearen Fallout, der auf die Bewohner der Atolle in der Nähe der Detonation, sowie auf Soldaten, die an der Operation Castle beteiligt waren, niederregnete. Kritischer Fallout trat in den Rongelap-, Rongerik-, Alinginea- und Utirik-Atollen auf den Marshall Inseln auf.

Die anschließenden Evakuierungen dauerten zu lange und in vielen Fällen wussten die dort lebenden Menschen nichts von einem Atomtest, geschweige denn von den Konsequenzen eines nuklearen Fallouts.

Fallout auf dem Rongelap-Atoll

Ein sehr tragisches Ereignis war der Fallout auf dem Rongelap-Atoll. Etwa fünf Stunden nach der Detonation ging radioaktives Pulver über dem Atoll nieder. Viele Einwohner dachten, es handle sich um Schnee. Sie spielten damit und teilweise aßen sie das Pulver. Schätzungsweise 665 Einwohner der Marshall-Inseln wurden schwer verstrahlt.

Jenseits der Atolle konnten Spuren der Atomexplosion sogar noch in Australien, Indien, Japan, den Vereinigten Staaten und Europa festgestellt werden. Der nukleare Fallout verteilte sich auf etwa 18.000 Quadratkilometern. Eineinhalb Stunden nach der Detonation erreichte der Fallout ein japanisches Fischerboot, welches etwa 100 Kilometer entfernt war.

Eines der 23 Besatzungsmitglieder verstarb durch die Strahlung, die anderen wurden krank. Dies führte zu ernsthaften Spannungen zwischen Tokio und Washington, zumal das US-Militär erst neun Jahre zuvor Atombomben über Japan abgeworfen hatte, wodurch hunderttausende Zivilisten starben.

Einige Wochen nach dem Test forderte der ehemalige indische Ministerpräsident Jawaharlal Nehru ein Ende von Atomwaffentests. Indien war somit eines der ersten Länder, das Atomwaffen stoppen wollte. Trotz der schwerwiegenden Fehler führte das US-Militär zahlreiche weitere Tests durch.

USA zündeten bis heute 1.039 Atomwaffen

Zwischen 1946 und 1958 allein 67 im Pazifischen Ozean. Zwischen 1946 und 1992 zündeten die USA insgesamt 1.039 Atomwaffen, die meisten davon jedoch unterirdisch. Im Jahr 1963 wurde der Limited Test Ban Vertrag unterzeichnet, der unterirdische Atomwaffentests vorschrieb.

Der Castle Bravo-Atomwaffentest war trotz seiner enormen Stärke jedoch nur der fünftgrößte Test in der Geschichte. Mit einer Sprengkraft von 50 Megatonnen hält die Sowjetunion mit der Zündung der Zarbombe im Oktober 1961 den Weltrekord.

Quellenangaben anzeigen
brookings, ctbto

2 Kommentare

  1. Tja, die Berechnung des Energieumsatzes einer H-Bombe ist eine ziemlich heikle Sache, da ein Teil der Energie aus dem „ZPF“ stammt. Rein mathematisch betrachtet, befindet sich im Volumen einer Kaffeetasse genügend Energie, um einen Ozean verdampfen zu lassen!
    Bei einer H-Bombe wird eine geringe, unbestimmte Menge dieser Energie „angezapft“. Schon die ersten Tests zeigten, dass ein unerwarteter Überschuss da war, auch bei den Russen. Ein mehr oder weniger glücklicher „Zufall“, denn das führte viele Physiker, darunter auch Sacharow, dazu, die Dogmen der konventionellen Physik anzuzweifeln.

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