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04.04.1944: Bomben auf Bukarest, Rumänien


Geschichte/Rumänien

Am 04. April 1944 wurde Rumäniens Hauptstadt Bukarest von britischen und US-amerikanischen Luftangriffen schwer getroffen. Tausende Zivilisten kamen ums Leben, wurden verletzt oder obdachlos.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)
Bombardierung Bukarest Rumänien 1944
Bombardierung Bukarest 1944, Bild: Flagge Rumänien 1944, gemeinfrei

An diesem Tag im Jahr 1944 bombardierten britische und amerikanische Kampfflugzeuge Rumäniens Hauptstadt Bukarest. Nach offiziellen Zahlen starben in mehreren Angriffswellen im April und im Mai insgesamt 5.524 Menschen. Weitere 3.373 wurden verletzt und 57.974 obdachlos.

Bis Juli desselben Jahren bombardierten Großbritannien und die USA auch weitere rumänische Städte. Rumänien war zu dieser Zeit ein Verbündeter Deutschlands und ein Lieferant von Öl und Getreide.

Bukarest stellte kein bedeutendes wirtschaftliches oder militärisches Ziel dar. Luftangriffe auf die „offene Stadt“ wurden darum nicht erwartet. Nicht zuletzt weil sie 300 Kilometer von der Kriegsfront entfernt lag.

Die ersten Angriffe im April konnten dennoch von rumänischen und deutschen Flugzeugen zunächst mehr oder weniger abgewehrt werden, obwohl nicht mit britisch-amerikanischen Luftangriffen auf rumänische Zivilisten gerechnet wurde.

Der 04. April 1944 war ein ganz normaler Tag. Aber plötzlich, um 13.45 ertönte überall in der Stadt der Alarm. Viele Hauptstadtbewohner reagierten nicht, da man von einer Übung ausging. Der Himmel verdunkelte sich, ein ohrenbetäubender Lärm folgte und mehr als 200 Bomber griffen die Stadt an. Kurz später lagen weite Teile der Stadt in Trümmern.

Das offizielle Ziel war der Angriff auf Gara de Nord. Durch Luftangriffe sollten Militärtransporte an die Front im Osten Rumäniens verhindert werden, wo die sowjetische Rote Armee vorrückte. Allerdings waren die Kämpfe bereits seit März beendet.

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Hauptsächlich zivile Ziele

Die Briten und Amerikaner zerstörten unter anderem einen Bahnhof, an dem Flüchtlinge aus der sowjetisch besetzten Republik Moldau untergebracht waren. Der Bahnhof wurde mit einem Bombenteppich überzogen und völlig zerstört, alle dort befindlichen Flüchtlinge getötet. Auch Schulen, Kirchen oder am Krieg völlig unbeteiligte Unternehmen wurden zerbombt.

„Die folgenden Angriffe beinhalteten ebenfalls keine militärischen Ziele und stellten lediglich eine Terrorkampagne gegen Zivilisten dar“, schreibt Romania Dacia. Da die Angriffe stets unerwartet waren und die meisten medizinischen Mitarbeiter an der Kriegsfront arbeiteten, waren die Angriffe auf die zivilen Gebiete besonders dramatisch.

Die zahlreichen Verwundeten konnten nur sehr unzureichend medizinisch versorgt werden. Wasser und Strom standen für Tage nicht zur Verfügung. Viele Tote konnten nicht identifiziert werden. Für sie wurde extra ein neuer Friedhof namens „4 aprilie“ errichtet.

Einige Bewohner suchten unterirdischen Schutz in Bunkern und Kellern, um den britischen und amerikanischen Bombardements zu entkommen. Dort erstickten sehr viele von ihnen, als die von Brandbomben verursachten Flammen den Sauerstoff aus der Luft zogen.

Die Luftangriffe zielten speziell auf zivile Einrichtungen ab, um die „Bevölkerung zu demoralisieren“. Die Luftangriffe „waren jedoch nicht nur demoralisierend, sondern terrorisierten die Bevölkerung“, schreibt Romania Dacia weiter.

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Die britischen Luftangriffe standen übrigens unter dem Kommando des auch in Deutschland bestens bekannten Arthur Harris (Bomber-Harris). Die US Air Force wurde von General Carl Spaatz befehligt, der auch an der Planung der späteren Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki maßgeblich beteiligt war.

Die Alliierten verfolgten mit ihren Luftangriffen zumeist die Strategie der „Demoralisierung der Zivilbevölkerung“. Wie später auch in Dresden, wo 3.500 Tonnen Brandbomben einen Feuersturm auslösten und je nach Quelle zwischen 18.000 und 500.000 Menschen ums Leben kamen. Oder Rom, Italien, wo mit 60.000 Tonnen Bomben hauptsächlich zivile Ziele zerstört wurden.

Bukarest verliert für alle Zeiten sein Gesicht

„Die Bombardierungen ab 1944 waren der Anfang vom Ende. Das Leben war in Rumänien nie wieder wie zuvor. Das alte Bukarest, bekannt als das schöne, friedliche Klein-Paris, war Geschichte. Nach den angloamerikanischen Bombardierungen und der späteren Besetzung durch die sowjetischen Streitkräfte verlor Bukarest einen Teil seines alten Reizes“, schreibt Romania Dacia weiter.

Die folgenden Jahrzehnte verliehen der Stadt ein neues Gesicht. Wie etwa durch die sogenannte brutalistische Architektur, die vom kommunistischen Regime auferlegt wurde.

Heute steht ein Denkmal im Cismigiu-Park im Zentrum von Bukarest. Dieses soll an die 378 amerikanischen Piloten erinnern, die von rumänischen Flugzeugen abgeschossen wurden. Darauf steht geschrieben: „…für die amerikanischen Piloten, die für die Befreiung Europas und für die Herrlichkeit der Vereinigten Staaten gestorben sind“.

„Ein Satz, auf den wir nur mit Bitterkeit blicken können“, so Romania Dacia weiter. „…während die Gräber der Opfer der Bombardierung auf dem 4 Aprilie-Friedhof an den Stadtrand verlegt wurden und durch den Staub der Zeit von Unkraut bedeckt sind…“.

Aus Sicht der Rumänen war die „Befreiung Europas“ durch die Briten und Amerikaner der Beginn vieler dunkler Jahrzehnte unter einer kommunistischen Diktatur.

Quellen mit zahlreichen Bildern anzeigen
romaniadacia, wikipedia (en), jurnalul

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