Vergessene Geschichte
19.02.1942: USA stecken 120.000 japanische US-Bürger in Internierungslager


Geschichte/Japan/USA

Am 19. Februar 1942 unterzeichnete US-Präsident Roosevelt ein neues Gesetz, durch das alle japanischstämmigen US-Bürger enteignet, verhaftet und in Internierungslager gesteckt wurden. 120.000 Bürger waren betroffen, fast alle lebten in Kalifornien.

Japanischstämmige, Internierungslager, USA
Internierungslager – Flaggen USA, Japan, beide gemeinfrei

An diesem Tag im Jahr 1942 unterzeichnete US-Präsident Roosevelt die Executive Order # 9066. Als Reaktion auf den Angriff auf Pearl Harbor, so die Erklärung, wurden durch das neue Gesetz 120.000 japanischstämmige US-Bürger verhaftet und in Internierungslager deportiert. Laut der University of California handelte es sich sogar um fast 122.000 Personen.

Die japanischstämmigen Familien wurden enteignet, ihre Häuser und Geschäfte verkauft. Fast alle der Betroffenen lebten in den Küstengebieten von Kalifornien. Eine der am stärksten betroffenen Städte war Hayward, Kalifornien.

Die Mehrheit der Internierten – fast 70.000 bzw. über 60 Prozent – waren amerikanische Staatsbürger. Die meisten anderen waren langjährige US-Einwohner, die bereits zwischen 20 und 40 Jahre im Land gelebt hatten.

Interessanterweise wurden auf Hawaii lebende japanischstämmige Amerikaner nicht in so hohem Maße eingekerkert wie in Kalifornien, trotz des Angriffs auf Pearl Harbor und des Niihau-Vorfalls im Dezember 1941. Obwohl die japanische Bevölkerung in Hawaii fast 40% der Bevölkerung ausmachte, wurden nur wenige tausend Menschen dort eingesperrt.

Dies führt gemeinhin zum Verdacht, dass die Massenverhaftungen in Kalifornien nicht „militärisch notwendig“ waren und andere Gründe dahintersteckten. Laut der University of California waren rassistische Ursachen eher wahrscheinlich.

„Gelbe Gefahr“

Tatsächlich galten japanische und andere asiatischstämmige US-Bürger seinerzeit längst als ausländische „gelbe Gefahr“, die angeblich eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellten. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gab es Vorurteile gegen japanische Amerikaner.

Chinesen, Filipinos und andere nichtjapanische Asiaten mussten in Asiatenvierteln wie der China Town in Seattle Abzeichen tragen, durch die sie erklärten keine Japaner zu sein. Desweiteren wurden Gesetze verabschiedet, die es Personen mit asiatischem Hintergrund unmöglich machten Land zu erwerben.

Die meisten japanischen Amerikaner waren jedoch weitgehend loyal, gut integriert und sogar patriotisch. Bereits vor dem Angriff auf Pearl Harbor bezeichnete Präsident Roosevelt die japanischen Bürger dennoch als mögliche Bedrohung für die nationale Sicherheit.

Er beauftragte einen Geschäftsmann namens Curtis Munson dies zu überprüfen. Dieser stellte fest, dass „es keinen bewaffneten Aufstand der Japaner“ in den Vereinigten Staaten geben werde.

„In den meisten Fällen“, hieß es in seinem Bericht, „sind die örtlichen Japaner loyal gegenüber den Vereinigten Staaten oder im schlimmsten Fall hoffen sie, nicht in Konzentrationslager gesteckt zu werden und bleiben ruhig.“

Die Internierungslager

In einem Beitrag der US-Version der Wochenschau wurden die Internierungslager verniedlichend als „Wartime Community“ oder „Relocation Centers“ bezeichnet. Dort kümmere sich die Army um die „Evakuierten“, so der Film.

Die Familien wurden in Häuserblocks untergebracht, in denen für jeweils 300 Personen Platz war. Jedes der „Appartements“ war 6m x 7,50m groß. Gegessen wurde in einer Kantine („cafeteria style“), das zur Verfügung gestellte Essen war „nahrhaft aber einfach“.

Die Internierten durften maximal Nahrung für maximal 45 Cent pro Tag zu sich nehmen, „in den meisten Fällen“ habe das locker gereicht, so der Bericht. Zudem hatte man die Auflage, sich selbst zu versorgen. Die Internierungslager befanden sich jedoch in der Wüste, sodass „erst einmal aufgeräumt werden musste“, bevor Landwirtschaft betrieben werden konnte.

Die „Evakuierten“ schafften es innerhalb kürzester Zeit, Gemüse auf dem unfruchtbaren Wüstenboden anzubauen. Das Gemüse wurde nicht auf dem Markt angeboten, „sondern landete direkt in der Küche“, erquickte sich der Bericht.

Grundsätzlich wurde in den USA ähnlich über die Internierungslager berichtet, wie zur gleichen Zeit in Deutschland über die Konzentrationslager. Vgl. z.B.: „Das Leben der Juden im Konzentrationslager Theresienstadt“, zu finden auf Youtube.

Entschädigungen gab es erst 1990

Erst im Jahr 1990 rangen sich die Vereinigten Staaten dazu durch, 1,65 Milliarden Dollar an die 82.000 überlebenden Häftlinge als Wiedergutmachung zu leisten. Zuvor war durch die Gerichte stets die Notwendigkeit betont worden, die Nation vor Spionage zu schützen und damit die individuellen Rechte der japanischstämmigen US-Amerikaner auszuhebeln.

Auch Deutsch-Amerikaner, Mexikaner und Italiener wurden durch Anordnung von US-Behörden verschleppt. Die letzte Freilassung von Deutsch-Amerikanern aus den Internierungslagern erfolgte im Jahr 1948. Seit 1978 feiern japanischstämmige US-Bürger den „Day of Remembrance“ (Tag der Erinnerung) und gedenken an diesem Tag allen Verschleppten im Zweiten Weltkrieg.

In den USA werden Angehörige eines feindlichen Staates per Gesetz als „Enemy Alien“ (deutsch: feindlicher Ausländer) bezeichnet. Das Gesetz, der sogenannte Alien Enemies Act von 1798, fand in erster Linie in den beiden Weltkriegen Verwendung. Auch in Großbritannien und Frankreich wurden während des Zweiten Weltkriegs Angehörige von Feindstaaten, insbesondere aus Deutschland, Japan und Italien, interniert.

Quellenangaben anzeigen
universityofcalifornia, en.wikipedia, facebook, densho, en.wikipedia



5 Comments

  1. Gelegentlich sollte man sich auch erinnern, dass im vorletzten Krieg (die USA traten 1917 ein)
    die deutschstämmigen Einwanderer interniert wurden. In diesem Zusammenhang, gab es einen Druck den deutschen Namen in einen englischen Namen zu ändern.
    So wurde aus einem Schmidt ganz leicht ein Smith. Wer das tat, also den Namen änderte, wurde nicht interniert, bzw. baldigst frei gelassen.
    Und das fand weit vor 1942 statt!

  2. Gibt es eine Quelle dazu, dass eine Namensänderung die Internierung verhinderte? Mir neu und ich fand dazu auch nichts.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Internierung_Deutscher_in_den_Vereinigten_Staaten_w%C3%A4hrend_des_Zweiten_Weltkrieges

    Die Asylanten die sich Amerika unter den Nagel rissen kamen aus allen europäischen Ländern, Die Rooseveltsippe aus Holland, die Rockefellers aus Deutschland usw. usw.. Interessant Herkunft der US Politiker und Reichen zu lesen. Bezüglich der Ausrottung sind viele damals in alle Welt gezogen in Verbindung mit Landraub und im Namen ihres Gottes. Läuft heute in Europa auch, aber ein wenig anders.
    https://www.youtube.com/watch?v=2lZHwBdH-Yc

  3. @ A. Nonym
    Ich sprach von der zeit ab 1914, als Deutschland bei der US Regierung in Ungnade fiel.
    Bereits ab da gab es eine Erwartungshaltung mit mehr oder weniger Druck, die „vollständige Integration“ mit einer Namensumformung ins Englische zu vollziehen.
    Genau das haben im Laufe der Jahre nicht nur hunderttausende, sondern Millionen deutsche Einwanderer getan.
    Es müsste auch nachlesbar sein, jedenfalls schrieb das schon „Der Spiegel“ vor Jahrzehnten, also vor der Erfindung des Internet, dass rund 60 Millionen (!) Amerikaner sich auf deutsche Vorfahren berufen.

  4. Auch wenn ich bei einigen anglophilen Schreiberlingen anecke:

    In Deutschland gab es, außer bei den Alten Germanen (Römerzeit) keine Sklaverei.
    Aber in den USA hielt sich selbst George Washington noch einen schwarzen Sklaven.
    Alles andere, was man im Internet bei Google darunter findet, ist von deutsch Hassenden und somit Anglophilen erfunden oder aus dem Zusammenhang gerissen!

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