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Warum Gold noch keine Blase ist

“Angst ist ein schlechter Ratgeber” besagt ein altes englisches Sprichwort. Aber: “Wer sein Vermögen schützen will, glaubt gar nichts, sondern rechnet mit allem”. Letztere Worte stammen von keinem Geringeren als Amschel Mayer Rothschild, dem Gründer der Rothschild-Dynastie. Also was ist nun zu tun? Wie wird die Krise weiter gehen und wer bezahlt das Schlamassel am Ende? Fragen, die sich wohl jeder stellt mit einem Konto, das im Haben geführt wird.

Eine lustige Aussage, welche ich heute in einem Gespräch hören durfte, war folgende: “Gold ist ein Spekulationsobjekt wie jedes andere und wird manipuliert”. Hoppla! Leider nur zur Hälfte richtig, wenn überhaupt. Denn inzwischen spekuliert so gut wie niemand mehr mit Gold (mehr dazu gleich), und manipuliert wird Gold höchstens nach unten, was uns im besten Fall einen günstigen Einstiegspreis offeriert. Jeder kennt ja das Beispiel mit dem Anzug im alten Rom… Hand aufs Herz: Gold ist Geld, nicht irgendeine Anleihe oder ein anderes Versprechen in die Zukunft. Ein Leser dieser Website schrieb vor einiger Zeit: “Gold ist Geld. Wer das nicht verstehen will, wird dafür bezahlen”. Ob er recht behalten wird?

Gold ist in den letzten Jahrzehnten unmodern geworden, wird von den meisten Anlegern weiterhin abgelehnt und als spekulativ betrachtet. Schließlich befindet sich Gold seit zehn Jahren in einer Hausse und die Gewinne wurden bereits gemacht. Diese Einschätzung ist weit verbreitet, doch befinden wir uns eher in einer Dollar/Euro/Yen/Franken/Pfund – Baisse, neuerdings auch “Währungskrieg” genannt. Statt in Gold hätten Sie sinnbildlich auch in Krankenversicherungsbeiträge, Omnibustickets oder Konzertkarten von Wolfgang Petry investieren können, weil Gold der Preisentwicklung standhält und somit der Funktion von echtem Geld nachkommt. Ich hoffe mein bildhafter Vergleich ist verständlich.

Der Ansicht von Insidern nach ist es eher spekulativ, Gold nicht zu kaufen. Denn ungeachtet der Diskussion um die Ausweitung von Anleihenkäufen durch die EZB stocken die nationalen Notenbanken der Euro-Staaten ihre Bestände an Wertpapieren weiter auf. Zu deutsch: Die Notenbanken drucken mehr von ihrem Spielgeld, vergleichbar mit Monopoly-Scheinen, und füttern damit den Aktien- und Anleihenmarkt.

In einigen Medien ist seit geraumer Zeit von einer Goldblase die Rede, der SPIEGEL warnte bereits im Jahre 2006 vor selbiger. Damals stand der Kurs bei 660 Dollar. Den Schreibern solcher Beiträge fehlt es aber offenbar an nötigem Verständnis, um sogenannte “Goldpreisanstiege” zu erklären. Man könnte es auch folgendermaßen ausdrücken: Die Gelddruckerei lässt den Europreis in die Tiefe stürzen. Somit wird die aktuelle Entwicklung um einiges nachvollziehbarer. In diesem Fall treibt die Geldentwertung die Preise in die Höhe, nicht die Rohstoff-Spekulation. Nicht falsch verstehen: Die Goldblase kommt sicherlich eines Tages, aber jetzt noch nicht. Warum?

1. Auf der oberen Grafik sieht man die Entwicklung der weltweiten Portfolios in den letzten 90 Jahren. Während die Depots weltweit zwischen 1921 bis 1981 noch 20 bis 30 Prozent in irgendeiner Form Gold oder Goldminen-Aktien beinhalteten, sind es heute noch rund 0,8 Prozent.

2. Im Juni 2010 schrieb David Rosenberg, Chefanalyst von Gluskin&Sheff folgende Zeilen: “The bottom line is that gold makes up a mere 0.05% share of global household net worth (see page 22 of the FT) and so small incremental allocations into bullion or gold-type investments can exert a dramatic impact.” (Quelle, kostenlose Registrierung notwendig). Laut Rosenberg bzw. der Financial Times wird also sogar nur ein Zweitausendstel des weltweiten Reinvermögens in Gold angelegt.

3. Laut einer Analyse der Credit Suisse machte das Volumen aller Gold-ETF Ende April diesen Jahres 0,7% des gesamten weltweiten Fondsvermögens aus.

4. Einer Grafik der Großbank J.P.Morgan zufolge schrumpften die Goldanteile in den weltweiten Vermögen seit dem Jahre 1982 von 17 Prozent auf 4 Prozent. Wohlgemerkt ohne Berücksichtigung von Geldvermögen, Immobilien und aller sonstigen nicht börsennotierter Vermögenswerte. Nur Aktien und Anleihen.

5. Die Förderkosten für eine Unze Gold lagen bei einem der größten Goldförderer Südafrikas “Gold Fields” im November bei genau 1007 US-Dollar. Somit ergibt sich eine Nettomarge von 18 Prozent, was ungefähr der von Fielmann oder oder H&M entspricht.

Eine Blase sieht wahrlich anders aus! Den aufgelisteten Statistiken zufolge finden wir diese wohl eher in der Geldpolitik, im Immobiliensektor und im Aktien- und Anleihenmarkt. Natürlich sind auch beim Gold jederzeit Preisrücksetzer möglich aufgrund schwankender Währungen und Interventionen von Politik und Zentralbanken. Wer das aber aushält und dann nicht in Panik verkauft, sondern hier und da noch ein wenig nachlegt im Wissen, dass eigentlich nur der Euro schwankt, der wird wohl – rein logisch betrachtet – gut damit fahren. Denn aus fundamentaler Sicht sollte man in der größten Schuldenkrise aller Zeiten auf die einzige schuldfreie Anlage der Welt setzen. Die Goldblase wird kommen, davon ist auszugehen. Diese kann sich auch sehr schnell aufblähen, und zwar wenn große Vermögen aus anderen Assets in Gold umgeschichtet werden. Noch ist es aber sicherlich nicht soweit.

Übrigens empfiehlt unser Lieblingsblatt den Kauf von PIIGS-Staatsanleihen und Immobilien und rät weiterhin ab von einer Investition in Gold. Ein sehr guter Kontraindikator, wie die Vergangenheit zeigt.

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