Warengeld vs. Kreditgeld (oder: Silber vs. Euro)

By Bürgender | Juli 17, 2009

Seit dem Jahre 1971 läuft ein riesiges Experiment, eventuell handelt es sich hierbei um das größte wirtschaftliche Experiment der Menschheitsgeschichte. 1971 wurde die Bindung des Dollars an den Goldpreis abgeschafft, seither handelt es sich bei unserem Zwischentauschmittel (= Geld) um ungedeckte Papierscheine, sogenanntes “fiat money”. Doch muss hier auch heute noch, knapp 40 Jahre nach Beginn des Experiments, weiterhin zwischen zwei völlig unterschiedlichen Arten von Geld unterschieden werden: Warengeld und Kreditgeld.

Warengeld

Beim Warengeld handelt es sich um ein Zwischentauschmittel, das eine bereits erbrachte Leistung beinhaltet. Ob wir hier von Reis, Zigaretten, Schnaps, Gold oder Silber sprechen ist im Grunde egal. Reis muss angebaut und geerntet werden, Zigaretten sind eingerollter Tabak, Schnaps muss man brennen, Gold und Silber muss gefunden und gefördert werden. Die Leistung wird erbracht, bevor das Tauschmittel in Umlauf gebracht wird, die Arbeitsstunden stecken sozusagen schon drin.

Kreditgeld

Bei dieser Form von Geld wird mit einer Leistung bezahlt, welche für die Zukunft versprochen wird. Dieses Versprechen wird notiert, und der Schuldner verpflichtet sich diese Schuld in einem vereinbarten Zeitraum zu begleichen. Diese notierten Versprechen laufen als “Geld” um, solange die Schuld besteht. Wenn die Schuld beglichen ist, verschwindet das Geld wieder vom Markt.

Was schließen wir daraus?

Bei Kreditgeld handelt es sich also um Geld, für das die Leistung erst in der Zukunft erbracht werden muss, bei Warengeld hingegen wurde die Leistung bereits erbracht. Da der US-Dollar kein von der Regierung ausgegebenes Geld ist, sondern von der Zentralbank “Federal Reserve” gegen Zinsen geliehen wurde, handelt es sich hier um Kreditgeld. Würde die USA inklusive aller ihrer Bürger ihre Schulden begleichen, wäre kein einziger Dollar mehr im Umlauf. Warum sollte die Regierung also Interesse daran haben, ihre Schulden zurückzubezahlen? Das gilt übrigens auch für den Euro, den Yen, den Yuan, den Rubel, den Franken und das Pfund. Alle wichtigen Währungen sind Kreditgeld, das irgendwann wieder verschwinden wird, entweder durch eine Entschuldung (unwahrscheinlich) oder eine Währungsreform infolge einer Hyperinflation oder einem anderen Extrem (wahrscheinlich).

Was bedeutet das für den Bürgenden?

Regierungen und Banken mögen Warengeld nicht besonders, denn dieses lässt sich nicht beliebig vermehren, ausweiten, auf- und abwerten und durch Zinsen wieder aus dem Markt ziehen. Nun bleibt die Frage, ob wir das Schicksal unserer Ersparnisse der Willkür der Politiker und Banker überlassen sollten, also ob wir auf die versprochene Leistung der Regierungen (Schuldner) vertrauen, und unsere Ersparnisse und Altersvorsorge in Kreditgeld anlegen? Oder gehen wir lieber auf Nummer sicher und konvertieren bzw. konservieren unsere Arbeitsstunden in einen Warenwert, der nie mehr verschwinden wird, da die Leistung dafür bereits erbracht wurde?

Fazit

Klar war von vornherein, dass dieses “fiat money”-Experiment scheitern wird, bisher scheiterten alle Experimente auf diesem Gebiet. Darum ergibt nur die langfristige Wertanlage in Warengeld überhaupt einen Sinn. Die größte Chance sehe ich hier in Silber aus zwei Gründen:

1. Silber war jahrhundertelang das Geldmetall Nr.1, die meiste Zeit war das Silber-/Goldverhältnis auf 10-15:1 gefixt. Zeitweise wurde Silber sogar höher gehandelt als Gold. Heute steht steht das Verhältnis bei 50-100:1
2. Silber wird in der Industrie verbraten. Silber gilt derzeit nicht mehr wirklich als Geldmetall und wird vermutlich aufgrund von Unwissenheit in industriellen RoHS-Lötprozessen jeden Tag tonnenweise vernichtet. Jede Grafikkarte, jedes Handy, jeder USB-Stick, jedes Notebook und nahezu alle andere Elektronikkomponenten enthalten neuerdings Silber, welches das früher enthaltene Blei im Lötzinn ersetzen soll. Irgendwann sind die ohnehin schon geringen Bestände aufgebraucht, dann wird der künstlich niedrige Preis auf dem freien Markt explodieren müssen. Achten Sie in diversen Elektronikfachgeschäften auf das Zeichen “RoHS”, oft steht es sogar direkt auf der Platine drauf, beispielsweise bei einer Netzwerkkarte.

Ausserdem wurde Silber im Gegensatz zu Gold noch nie verboten, was in Bezug auf die Altersvorsorge wenigstens teilweise eine Rolle spielen sollte. Der Ruhestand lässt sich nur bedingt verschieben, darum sollte man sein Erspartes neben Gold unbedingt auch in Silber anlegen. Vergessen Sie Zertifikate auf Gold und Silber, das sind dann wieder nur Versprechen der Banken, was wohl ebenfalls irgendwann in die Hose gehen wird. Selbstverständlich sollte man nur in physische Edelmetalle anlegen, davon sollte man zumindest auf einen Teil immer zugreifen können.

Empfehlung

Im Online-Shop von Anlagegold24 gibt es eine große Auswahl an Silber- und Goldmünzen, zeitweise bekommt man dort sogar Silberzehner zum Nominalwert (10 Euro). Die Preise sind absolut günstig, speziell Silbermünzen wie der Philharmoniker, der US-Eagle und der Maple Leaf sind uneingeschränkt zu empfehlen.

>> hier geht’s zum Shop


-

Viele Infos in diesem Artikel stammen aus dem Buch “Das Silberkomplott” des leider verstorbenen Autors Reinhard Deutsch. Zu diesem Buch werde ich in naher Zukunft einen weiteren Artikel verfassen, denn es gehört mit Sicherheit zu den besten edelmetallbezogenen Fachbüchern im deutschsprachigen Raum.




3 Kommentare


  1. Banken und Supermärkte in den Niederlanden: “Bargeld wird abgeschafft” » Gesellschaft, Wirtschaft und Politik

    Juli 21st, 2009 at 19:40

    [...] machen. Ansonsten wird das Ganze in einem Mega-Crash à la 1929 (oder schlimmer) enden, da unser momentanes Geldsystem eigentlich nur ein Haufen Schrott ist. Wir werden sehen, was uns die Bundestagswahl im September bringen wird. Doch wie heisst es so [...]


  2. Komplexe Finanzprodukte - was soll das eigentlich? » Wirtschaft und Politik

    August 9th, 2009 at 23:41

    [...] soll. Geld kann nicht arbeiten und Geld kann man auch nicht vermehren. Wenn Geld vermehrt wird, handelt es sich um Falschgeld und Falschgeld ist bekanntlich illegal. [...]


  3. Wozu gibt es komplexe Finanzprodukte? | Gegenfrage.com – Wirtschaft und Finanzen, Politik und Gesellschaft, Ansichten und Gegenfragen aus der Bürgerperspektive

    November 29th, 2009 at 22:23

    [...] soll. Geld kann nicht arbeiten und Geld kann man auch nicht vermehren. Wenn Geld vermehrt wird, handelt es sich um Falschgeld und Falschgeld ist bekanntlich illegal. Nicht [...]


Kommentare