Gegenfrage.com | News, die andere weglassen » Krass! » Unterschwellige Beeinflussung wird populärer
Unterschwellige Beeinflussung wird populärer

Soeben sagte im Radio ein Experte zum Thema “Studienkredite”, dass eine bildungsferne Familie eher Skrupel habe sich zu verschulden als eine Familie aus der Mittel- oder Oberschicht. Darum studierten sehr wenige Jugendliche aus ärmeren Familien und verpassten so die Chance einer guten Ausbildung. Aber hey, wer lässt sich schon gerne als bildungsfern bezeichnen? Laut diesem Experten bietet die KfW-Bank die besten Konditionen, also nix wie hin und einen Kredit aufnehmen! Oder wie?
Indirekte Botschaften
Wer kennt sie nicht, die Diskussionen über die Anschläge des 11. September mit der einhergehenden Frage, ob diese von muslimischen Terroristen oder von der US-Regierung selbst durchgeführt wurden. Oder die Diskussionen über den wirtschaftlichen Aufschwung, der in diesen Tagen von Experten aller Lager eifrig beklatscht wird, welcher laut anderen Experten aber eigentlich ein Abschwung ist. Oder das Gezanke um eine drohende Deflation, die eigentlich eine Inflation ist.
Das Bundespresseamt hat es nicht leicht: Egal was dort gesagt wird, zehntausende freie Journalisten und Blogger mit inzwischen beachtlicher Leserzahl kommen aus allen Richtungen und behaupten etwas anderes. Bundeskanzlerin Merkel beklagte sich sogar öffentlich über das schwindende Meinungsmonopol: “Heute wird es durch die Vielzahl der Informationskanäle, und besonders durch das Internet, immer schwieriger, ein Gesamtmeinungsbild zu erkennen. Durch diesen sehr großen technischen Wandel ist es schwerer geworden, alle Menschen, alle Generationen zu erreichen, denn diese nutzen die einzelnen Medien mittlerweile sehr unterschiedlich.”
Man kann seitens der Konzern- und Mainstreammedien derzeit einen Strategiewechsel in der Berichterstattung beobachten. Während man in der Vergangenheit im Nein/Doch-Prinzip in blutigen Keyword-Schlachten um die Wahrheit stritt und versuchte unabhängige Schreiber als “Verschwörungstheoretiker” zu diffamieren um sie so ins Abseits zu drängen, so scheinen wir uns nun in eine höhere Ebene des Informationskrieges zu begeben. Der Leser wird nun immer häufiger indirekt manipuliert mit Berichten, deren Inhalte zwar möglicherweise korrekt und nachprüfbar sind. Die Strategie: Um dem Leser eine Meinung zu indoktrinieren wird über etwas ganz anderes berichtet, was aber um sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen, die gewünschte Wahrheit voraussetzt.
11. September
Jüngstes Beispiel ist der geplante Moscheebau an Ground Zero. So schreibt beispielsweise die ARD:
Der geplante Moschee-Bau nahe dem Standort des bei den Anschlägen vom 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers hatte in den USA eine hitzige Debatte ausgelöst, weil die Anschläge von Islamisten verübt wurden. Bei Vertretern von Opferverbänden stießen Obamas Worte vom Freitag zum Teil auf scharfe Kritik.
Grundvoraussetzung um sich überhaupt mit diesem Thema zu beschäftigen ist die Annahme, dass die Anschläge des 11. September von muslimischen Terroristen und nicht von der US-Regierung selbst durchgeführt wurden, um einen Krieg gegen Afghanistan zu rechtfertigen. Um die Moschee geht es dabei womöglich überhaupt nicht. Dennoch zieht die Regierung so haufenweise neue Anhänger auf ihre Seite, wenn man den Kommentarbereich bekannter Medien durchforstet. Während der Tenor zu Berichten über “9/11″ seitens der Leser vorher eher kritisch und konspirativ war, so liest man heute empörte Zuschriften von “geschmacklos” über “Verhöhnung der Opfer” bis “Ich will eine Kirche in Mekka bauen“. Die unterschwellige Botschaft der Berichterstattung (= gewünschte Wahrheit) lautet: “Die Moslems waren es! Punkt”. Eine Diskussion über dieses Thema lässt keine andere Meinung zu. Gleichzeitig zieht man erboste Leser auf seine Seite. Die indirekte Propaganda funktioniert hier also bestens.
Die Krise ist vorbei
Ein ähnliches Phänomen ist die momentan wieder aufkeimende Debatte um versprochene Steuersenkungen. Außenminister Guido Westerwelle verkündete folgendes:
Mit dem höheren Wirtschaftswachstum sieht FDP-Chef Guido Westerwelle neuen Spielraum für Steuersenkungen. Angesichts des unerwartet starken Aufschwungs forderte der Bundesaußenminister im Gespräch mit “Bild am Sonntag”, jeden Spielraum für Steuerentlastungen zu nutzen.
Hand aufs Herz: Es wird keine Steuerentlastungen geben. Dennoch wird nun in diversen Foren und Kommentarbereichen wieder hitzig darüber diskutiert, wer sich nun wieder die Taschen vollstopft anstatt den (Zitat:) “Aufschwung weiterzugeben”. Diese bösen Politiker und Wirtschaftsbosse klauen uns einfach den Aufschwung! Die ganze Wut richtet sich zurecht gegen Banker und Top-Manager mit ihren Millionen-Boni, doch welcher Aufschwung ist überhaupt gemeint? Das schuldenfinanzierte Strohfeuer? Um sich überhaupt mit den Aussagen von Herrn Westerwelle zu befassen bedarf es dem Zugeständnis, dass ein echter Aufschwung existiert, was in diesem Fall wohl die unterschwellige Botschaft ist. Tausende Menschen diskutieren, Propaganda erfolgreich.
Angst vor der Deflation
Während der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle den Aufschwung XL verkündet, schürt US-Notenbankchef Ben Bernanke derzeit neue Ängste vor einem Rückfall in die Wirtschaftskrise und fürchtet sich öffentlich vor einer drohenden Deflation. In Anlehnung an die gruselige Hyperdeflation von 1929 schreien Experten nun “Geld drucken!”. 180 Milliarden hier, 900 Milliarden da, 5 Billionen dort… Doch wie will Bernanke dieses unglaublich viele Geld wieder aus dem Markt entfernen? Nicht auszumalen, was mit weltweiten Ersparnissen geschieht, wenn sich diese etlichen Billionen irgendwann in die Realwirtschaft ergießen. Die Angst vor einer Deflation legitimiert jedenfalls das Weiterdrucken von Dollars, darum muss diese Angst immer wieder betont werden.
“Fachkräfte” aus dem Ausland
Einige Ökonomen fordern eine Öffnung der deutschen Gesellschaft für mehr Zuwanderer aus Nahost und Nordafrika. Vor allem die Türkei, Ägypten und Iran seien Länder mit einem attraktiven Potenzial an Arbeitskräften, von denen aus es bereits “Trampelpfade nach Deutschland” gebe. Die Bürger sehen das allerdings anders: 90 Prozent der Bevölkerung sind zwar überzeugt, dass ein ausreichendes Reservoir an qualifizierten Arbeitskräften eine Grundvoraussetzung für einen guten Wirtschaftsstandort ist. Die meisten gehen jedoch davon aus, dass Deutschland diese Voraussetzung längst erfüllt. Denn seien wir ehrlich: Mit Blick auf Berlin-Neukölln oder Duisburg-Marxloh sind wir, was den Nahen Osten angeht, alles andere als Fachkräfte gewohnt.
Vermutlich benötigen wir weiteren Zustrom aus Nahost, um ein größeres Überangebot an Arbeitskräften zu schaffen und die Löhne noch weiter zu drücken. Die unterschwellige Botschaft soll wohl bewirken, dass wir Bürger uns daran weniger stören. Es gibt übrigens mehr Fachkräfte als Arbeitsplätze: Zahlreiche Akademiker und gut ausgebildete Jugendliche finden keinen Job und werden im Alter aufgrund dessen möglicherweise verarmen. So viel dazu.
Aufgepasst
Der Journalismus ist nicht mehr nur ein sprachliches Schlachtfeld. Politik, Banken, Industrie und deren Lobbys nutzen große Medien als Sprachrohr und Meinungsmache und werden immer geschickter. Dabei werden zukünftig wohl immer seltener Kampfbegriffe wie “Aufflammen der Gewalt”, “Terror”, “Massenvernichtungswaffen”, “Freiheit”, “Wachstum” verwendet, wie es z.B. vom ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush sehr offensichtlich praktiziert wurde. Eher wird wohl die indirekte Propaganda in Form von etlichen unwichtigen Stories mit unterschwelligen Botschaften eine Renaissance erleben, wie man derzeit schön erkennen kann.
_________________________________________________________________
Vielleicht interessiert Sie auch folgender Beitrag:
-
Bob Chapman: “Europa wird von US-Großbanken gesteuert” Zahlreiche US-Zeitungen warnen vor einem Niedergang der Eurozone, da Staaten vor dem Bankrott stehen, Bank Runs drohen und die Wirtschaft wieder in eine Rezession abzurutschen scheint. Bob Chapman berichtet,...
Veröffentlicht unter: Krass! · Etiketten: Afghanistan, Afrika, Banken, Bildung, Deflation, Deutschland, Dollar, Geld, Gesellschaft, Gewalt, Inflation, Iran, Krise, Medien, Militär, Regierung, Schulden, Türkei, USA, Waffe, Welt, Wirtschaft

















Letzte Kommentare