09.03.1945: Bomben auf Tokio


Geschichte/Japan/USA

In der Nacht vom 09. auf den 10. März 1945 wurde Tokio kurz nach Mitternacht durch Luftangriffe der US Air Force zerstört. Dabei setzte das Militär unter anderem Phosphor und das neu entwickelte Napalm ein. 100.000 Menschen starben, die meisten davon waren Frauen und Kinder.

Luftangriff Tokio März 1945
Luftangriff auf Tokio, Von 米軍撮影 – http://www.ne.jp/asahi/k/m/kusyu/kuusyu.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3681336

An diesem Tag im Jahr 1945 wurde Tokio im Zuge der Operation Meetinghouse II von US-Kampfflugzeugen bombardiert und zu weiten Teilen zerstört. Ab November 1944 wurde Tokio bis Kriegsende mindestens 30 bis maximal 100 Mal von der US Air Force angegriffen. Die Nacht vom 09. auf den 10. März war jedoch der Angriff mit den verheerendsten Zerstörungen.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Nach dem missglückten Feuersturm am 25. Februar wurde am 09. März 1945 ein weiterer Luftangriff auf Tokio durchgeführt. Um höheren Schaden in der japanischen Hauptstadt anzurichten, sollten die Angriffe dieses Mal aus einer wesentlich niedrigeren Flughöhe durchgeführt werden.

Kurz nach Mitternacht begannen die Luftangriffe. In weniger als drei Stunden warfen 279 amerikanische B29-Bomber insgesamt 1665 Tonnen Bomben über Japans Hauptstadt ab. Die Luftangriffe konnten aus geringer Höhe durchgeführt werden, da die japanische Luftabwehr zu diesem Zeitpunkt praktisch nicht mehr existierte.

100.000 Menschen verbrennen

Da viele Wohngebäude traditionell aus Holz gefertigt waren, entwickelten sich rasch schwere Brände in der ganzen Stadt. Mindestens 100.000 Menschen starben im Brandbombenhagel, eine Million weitere Einwohner wurden obdachlos und ein Großteil der Stadt wurde niedergebrannt.

Ganze Stadtviertel mit ihren zahlreichen Gebäuden in traditioneller Bauweise fielen den Flammen zum Opfer, auf einer Fläche von 40 Quadratkilometern waren sämtliche Häuser zerstört, unter anderem der historische Kaiserpalast. Auf keine andere japanische Stadt erfolgten so viele Luftangriffe wie auf Tokio.

Das Bombardement ging als eines der schlimmsten in die Menschheitsgeschichte ein. Dabei wurden Brandgemische wie Phosphor oder das an der Harvard University neu entwickelte Napalm eingesetzt. Das Bombardement erinnert an den US-Brandbombenangriff auf Hamburg zwei Jahre zuvor, oder auch den US-Angriff auf Dresden nur einen Monat zuvor.

Die Temperaturen auf den Straßen erreichten bis zu 1.800 Grad Celsius, einige US-Bomberpiloten berichteten von entsetzlichem Gestank verkohlten Fleischs über der ganzen Stadt. 63 Prozent der Innenstadt Tokios wurden zerstört, ebenso 18 Prozent der Industrie. Schätzungsweise 267.000 Gebäude verbrannten.

Die meisten Opfer in der Nähe von Schulen und Brücken

Im Jahr 2014 erstellten japanische Forscher eine 2,50m x 2,50m große Stadtkarte, auf der die Orte der Bombeneinschläge markiert wurden. Dadurch sollte ergründet werden, warum so viele Menschen starben. Dabei wurden auch Adressen von 30.000 identifizierten Opfern mit dem Ort, an dem sie verstarben, abgeglichen.

„Wir hatten viele mündliche Informationen der Geschichte, aber nur wenige Daten boten ein umfassendes Verständnis der Luftangriffe“, sagte Tadahito Yamamoto, Dozent an der Tokyo-Seikei-Universität, der an dem Projekt beteiligt war. „Wir würden gern herausfinden, warum die Angriffe zu einer so hohen Zahl von Opfern geführt haben“, fügte er hinzu.

Bei der Auswertung stellten die Forscher fest, dass die meisten Menschen an Schulen und in der Nähe von Brücken von den US-Brandbomben getroffen wurden. Die Ergebnisse zeigte außerdem, dass 38 Prozent der Opfer unter 19 Jahre alt waren. Mehr als doppelt so viele Frauen zwischen 20 und 29 starben als Männer in derselben Altersgruppe.

Das US-Militär begründete die Bombardierungen auf dicht besiedelte Wohnviertel in Tokio damit, dass sich dort zahlreiche kleine Fabriken befunden hätten, welche die japanische Armee beliefert haben sollen.

Erst 1970 begann die japanische Regierung mit genauen Untersuchungen der US-Luftangriffe auf Tokio. „Die Regierung wollte die Tatsache nicht wahrhaben, dass in der japanischen Hauptstadt Tokio ein derartiger Schaden angerichtet wurde.“

„Außerdem wollten sie japanische Zivilisten, die der Bombardierung zum Opfer fielen, nicht entschädigen“, sagte Katsumoto Saotome, Direktor des Zentrums für Angriffe auf Tokio und Kriegsschäden, im Jahr 2014 laut einem Bericht der Japan Times.

66 japanische Städte werden zerstört

In den folgenden Tagen wurden auch Osaka und Kobe bombardiert, die bereits im Dezember 1944 zerstörte Metropole Nagoja ebenfalls zwei weitere Male. Obwohl es sich bei weitem nicht um die Luftangriffe mit der größten Zerstörung handelte, sind heute die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki die prominentesten Beispiele.

Bis zum Ende des Krieges wurden 66 weitere japanische Städte um bis zu 99,5 Prozent zerstört. Allein zwischen März und August 1945 kamen nach Schätzungen über eine Million japanische Zivilisten durch US-Luftangriffe ums Leben.

Quellenangaben anzeigen
asiapacificjournal, wired, nature, tokiotimes


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