Studie: Hohe Lebensmittelpreise verantwortlich für Unruhen


Krass!

Marco Lagi und ein Forscherteam des New England Complex Systems Institute in Cambridge haben offenbar einen einzigen Faktor entdeckt, der zuverlässig Unruhen auf der gesamten Welt vorherzusagen scheint: Der Preis von Lebensmitteln.

Überschreiten die Lebensmittelpreise eine erstaunlich genau definierbare Schwelle, entstehen soziale Unruhen, wie Lagi in seiner Studie feststellte. Der Beweis dafür wurde ihm aus zwei zuverlässigen Quellen geliefert. Zuerst wurden Daten der Food and Agriculture Organisation von den Vereinten Nationen zusammengetragen, wo die Preise für Lebensmittel auf einer Zeitachse dargestellt werden.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Auf diese Zeitachse wurde ein weiterer Chart gelegt, der die Zeitpunkte der weltweiten Unruhen unabhängig von ihrer Ursache aufzeigt. So erkennt man sich wiederholende Muster, je nach Volatilität der Lebensmittelpreise in der betreffenden Region.

Dies scheint eindeutig zu belegen, dass wenn der Lebensmittelpreisindex über einen bestimmten Schwellenwert steigt, dadurch soziale Unruhen ausgelöst werden, und zwar nach dem selben Muster, überall auf der Welt. Menschen verfallen in Panik, wenn Lebensmittel nicht mehr unmittelbar verfügbar sind.

Daher stammt wohl das Sprichwort: „Jede Gesellschaft ist drei Mahlzeiten von der Anarchie entfernt.“ Das Interessante an dieser Analyse ist, dass Lagi nachgewiesen hat, dass die hohen Lebensmittelpreise die Unruhen nicht unbedingt direkt auslösen, sondern oft auch nur die Voraussetzungen für Unruhen schaffen. „Diese Beobachtungen stehen mit der Hypothese im Einklang, dass hohe Weltmarktpreise für Lebensmittel die Voraussetzung sind für soziale Unruhen“, so Lagi.

Mit anderen Worten führen hohe Lebensmittelpreise zu einem Wendepunkt, an dem fast alles einen Aufruhr auslösen könnte. „Wie wenn jemand ein brennendes Streichholz in einen trockenen Wald wirft.“ Am 13. Dezember vergangenen Jahres hatte Lagi die US-Regierung in einem Schreiben darauf hingewiesen, dass die globalen Lebensmittelpreise im Begriff seien, die von ihm definierte Schwelle zu überqueren. Nur vier Tage später begannen die Proteste in Tunesien, die sich auf den gesamten Nahen Osten ausbreiten sollten.

Derzeit ist der US-Dollar die weltweit wichtigste Leitwährung. Manche Ökonomen bezeichnen ihn auch als Weltwährung. Die im internationalen Vergleich zweitbedeutendste Währung ist der Euro; die dritte seit 2006 das Britische Pfund. Der Anteil an den weltweiten Währungsreserven ist im Falle des US-Dollar 61,4%, des Euro 26,3% und des britischen Pfund 4,0%. Da die meisten Rohstoffe in diesen Währungen, hauptsächlich in US-Dollar, gehandelt werden, haben die Quantitive Easing- und Stimulusprogramme der Regierungen, die aufgrund der massiven Geldmengenerhöhung die jeweiligen Währungen abwerten, einen direkten Einfluss auf die Rohstoff- und Lebensmittelpreise in allen Ländern.

Diese Umstände haben nach Lagis Studie also möglicherweise die Voraussetzungen geschaffen für die Unruhen in Nordafrika. Sind die Diktaturen, die uns immer wieder als Grund für den Aufruhr der Bevölkerung präsentiert werden, demnach also nur das eben erwähnte „Streichholz im trockenen Wald“? Die Federal Reserve kündigte Ende 2010 beispielsweise an, bis Mitte 2011 etappenweise 600 Milliarden Dollar in den Markt zu pumpen.


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