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“Sparpaket”: Wer spart eigentlich?

Klickt man sich durch die unendlichen Weiten der Mainstreampresse, stößt man neuerdings desöfteren auf das Wort “Sparpaket”. Meist fällt es in Zusammenhang mit ausufernden Staatsfinanzen, Steuererhöhungen und Streiks.

Doch was bedeutet eigentlich “Sparen”?

Unsere Eltern und insbesondere unsere Großeltern definierten diesen Begriff folgendermaßen (wie ich meine mich zu erinnern):

Wer mehr Geld ausgibt als er einnimmt, der geht ins Minus. Gegenmaßnahme: Ausgaben verringern. Man bezieht eine kleinere Wohnung, ersetzt sein Auto gegen ein Fahrrad und geht eben nur noch jedes zweite Wochenende in die Stammkneipe. Decken sich somit Ausgaben und Einnahmen, ist der Haushalt ausgeglichen.

Doch was ist mit den Schulden? Um diese zurückzubezahlen, müssen wir die Ausgaben noch etwas weiter senken. Wir vereinbaren mit dem Gläubiger einen fixen Monatsbetrag, um die Schulden in einem angemessenen Zeitraum zu begleichen.

Dann haben wir aber immer noch nicht gespart! Gespart wird erst, wenn jeden Monat trotz aller Belastungen etwas vom Einkommen übrig bleibt. Überschüsse, die wir auf die hohe Kante legen. In unserem Fall wäre das die Anhäufung von Euros auf dem Sparkonto, im Falle der Bundesregierung ist das ähnlich, nämlich die Schaffung von Reserven und Volksvermögen.

Was bedeutet “Sparen” heutzutage?

Nehmen wir an wir befinden uns wieder am Anfang: Wir geben mehr Geld aus als wir einnehmen. Grund: Wir bewohnen eine wunderschöne 150m² Penthouse-Wohnung mit Meerblick, fahren eine Limousine der oberen Mittelklasse und gehen zwei mal pro Woche zum Stammtisch. Das gönnen wir uns auf Grund unseres sehr ausgeprägten “Wohlfahrtsgedankens”.

Doch was tun mit unseren unausgeglichenen Finanzen? Der erste Weg geht zum Arbeitgeber. Wir bauen uns selbstbewusst auf und sagen: “Der Betrieb hat jahrelang über seine Verhältnisse gelebt, darum müssen die Löhne jetzt erhöht werden”. Der Betriebsleiter schaut etwas geknickt drein, doch glücklicherweise läuft gerade Fußball im Fernsehen und er willigt ein. So weit die Theorie. Und wie schaut die Praxis aus?

Erkenntnis

Tja, liebe Leser, genau so funktioniert es offenbar neuerdings. Das Problem: Wir geben noch immer mehr aus als wir einnehmen. Bund, Länder und Gemeinden nahmen im ersten Quartal 143,7 Milliarden Euro ein – das sind 5,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zugleich stiegen die Ausgaben um 2,9 Prozent auf 190,9 Milliarden Euro. Die öffentlichen Schulden sind im ersten Quartal auf 1.711.000.000.000 Euro gestiegen. Vor kurzem wurde festgestellt, dass wenn das Sparpaket komplett umgesetzt würde, wäre nicht mal ein Viertel des jährlichen Konsolidierungsbedarfs erreicht.

Die Preisfrage ist doch: Wer spart hier eigentlich? Bundeskanzlerin Merkel offenbar nicht: Sie flog nach Südafrika, um sich das WM-Spiel gegen Argentinien anzusehen. Kosten für den Steuerzahler: 200.000 Euro. Wäre es an dieser Stelle nicht eine schöne Geste gewesen, anstandshalber auf eigene Kosten mit einer gewöhnlichen Linienmaschine hinzufliegen?

Seis drum. Es wird unterm Strich weiter aufgeschuldet um zu “investieren”. Lösungsmöglichkeit? Das Sozialsystem zu entschlacken wäre zwar notwendig, doch denke man an dieser Stelle an die alleinerziehende Mutter, die Hartz4 bezieht. Dort ist allein aus moralischen Gründen nichts mehr zu holen. Oder an die Mittelschicht, die von ihrem zu 50% versteuerten Einkommen hinterher noch 19% Mehrwertsteuer bezahlt. Oder an die Unternehmer der Oberschicht, die ins Ausland flüchten und somit Arbeitsplätze vernichten, wenn man die Spitzensteuersätze weiter anhebt. Oder die Beamten, die streiken, wenn sie ihre Pensionen plötzlich selbst bezahlen müssen.

Wird der letzte Ausweg eine schleichende Geldentwertung sein? Nein, die findet bereits seit eh und je statt. Eher dürfte die Lösung eine rasante Geldentwertung sein. Um sich selbst davor zu schützen sollte man sein Vermögen zumindest teilweise aus dem System entfernen, sofern möglich. Dafür bieten sich Sachwerte aller Art an. Waffen, Immobilien, Schnaps, Edelmetalle usw…

Immobilien sind dabei allerdings etwas mit Vorsicht zu genießen. Im besten Fall ist die Immobilie selbst bewohnt, schuldenfrei und in einem guten Zustand. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt nämlich, dass beispielsweise bei Ausbruch des 1. Weltkrieges ein Mietpreis-Stopp verhängt wurde, während gleichzeitig die Ausgaben für die Instandhaltung inflationsbedingt dramatisch anstiegen. Auch im Rahmen der Währungsreform von 1948 beschloss die Politik eilig Sondersteuern für Immobilieneigentümer.

Außerdem ist der Immobilienmarkt durch die sehr lockere Kreditvergabe in den letzten Jahrzehnten stark aufgebläht. Wohngemeinschaften dürften in Zukunft mit Streichung von Sozialleistungen und sinkenden Reallöhnen wohl wieder moderner werden, ebenso spricht die Demografie in Deutschland gegen steigende Immobilienpreise. Hier also nur zuschlagen, wenn es sich um ein Schnäppchen handelt. Und natürlich nicht auf Kredit.

Die Frage ist, ob es wieder so schlimm werden wird wie im vergangenen Jahrhundert, oder ob wir aus den letzten Krisen gelernt haben. Momentan bin ich noch etwas skeptisch, doch blieb das drohende Chaos glücklicherweise bislang weitgehend aus. Zumindest hierzulande. Wenn die Menschen aber das Vertrauen in das Geld- oder Politiksystem ansich verlieren, beginnt die eigentliche Gefahr: Dieses verlorene Vertrauen kann dann nur durch einen radikalen Systemwechsel wiederhergestellt werden. Und auch in dieser Hinsicht durften wir Deutschen bereits Erfahrungen sammeln.

Abschließend ein Zitat: “Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.” – George Santayana (führender Vertreter des kritischen Realismus)

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Eine Antwort zu "“Sparpaket”: Wer spart eigentlich?"

  1. blackcougar sagt:

    Natürlich wäre ein klarer Wechsel des Geldsystems am effektivsten, jedoch kaum zu erwarten. Eine gerechtere Steuerverteilung zum Wohle aller (Verbesserung der Binnenwirtschaft, mehr Unabhängigkeit vom Export, etc.) ist umsetzbar, zumal wenn man sieht, wie ungerecht die Lasten in Deutschland verteilt sind. Hierzu kann ich folgenden Link zum Infoportal von Joachim Jahnke empfehlen, der fundierte Informationen zum Thema liefert: http://bit.ly/bJW1zv

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