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Sind wir nicht alle ein bisschen Lehman?
5. Mai 2010 | Einen Kommentar hinzufügen
Die Pleitegeier haben den größten Goldschatz. Natürlich nur prozentual gesehen, gemessen an den Devisen-Reserven. Derzeit wanken insbesondere Griechenland und Portugal, der Staatsbankrott steht beiden Ländern unmittelbar bevor. Merkwürdig dabei ist, dass ausgerechnet diese beiden Wackelkandidaten jene mit den weltweit größten staatlichen Goldreserven sind. Griechenlands Devisen glänzen mit 73,2 Prozent in Gold, Portugals sogar mit 84,9 Prozent.
Deutschland (66,1 Prozent) und die USA (70,4 Prozent) liegen etwas darunter, weit ins Hintertreffen geraten ist Großbritannien mit 16,5 Prozent. Macht aber nix, denn da letztere genau so pleite sind wie die Griechen, hat es wohl nicht viel zu bedeuten.
Was ist mit Spanien und Italien?
Gold hin, Schulden her, so langsam wird es eng. Laut der New York Times und etlichen anderen Medien geht als nächstes wohl Spanien die Puste aus. Die spanische Wirtschaft befindet sich nach wie vor in der Rezession, die Arbeitslosenquote liegt bei 20 Prozent, laut Ministerpräsident Zapatero ist aber alles okay. Wir werden sehen. Doch auch in Italien, so munkelt man, besteht die Gefahr, dass demnächst um Hilfen gebettelt wird. Dieser Spaß würde uns laut dem Magazin WELT Online etwa drei mal so viel kosten wie eine Rettung Spaniens, nämlich mehr als 700 Milliarden Euro.
Der Zahlmeister hat selber kein Geld
Moment – uns? Warum machen wir es mit der Eurozone eigentlich nicht wie beim Poker und sagen “Sorry Jungs, Einsatz ist uns zu hoch, wir sind raus”? Ganz einfach: Investoren würden sich auf die “neue” Währung des letzten soliden (Ex-) EU-Staates Deutschland stürzen, diese in die Höhe treiben und dadurch die Exporte zusammenbrechen lassen.
Ärgerlich dabei: Die solide deutsche Wirtschaft ist eigentlich gar nicht so solide. Neben dem voraussichtlichen 2010er-Defizit von 144,5 Milliarden Euro droht schon die nächste Katastrophe: Dieses Jahr wird der Fiskus wohl 50 Milliarden Euro weniger einnehmen als erwartet. Als Grund nennt man Steuerausfälle.
Merkwürdig ist allerdings, dass die Arbeitslosigkeit gleichzeitig nicht steigt. Im Gegenteil: Die Mainstream-Presse feiert sogar den “EU-Musterschüler” Deutschland, den einzigen EU-Staat mit rückläufiger (!) Arbeitslosigkeit.
Tut mir leid, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass man uns einen Bären (Wortspiel!) aufbinden möchte. Laut Walter K. Eichelburg kommt die D-Mark II übrigens noch im Mai. Ich persönlich bin aus oben genannten Gründen skeptisch, doch lassen wir uns überraschen. Wer weiß, was sich die Herren Politiker noch alles einfallen lassen, um uns Schaden zuzufügen. Einbrechende Exporte würden uns jedenfalls gerade noch fehlen.
Aus 30 Milliarden werden 150 Milliarden
Wie man uns wohldosiert und häppchenweise die Hiobsbotschaften zubuhlt, wird am Beispiel Griechen-Bailout sehr schön deutlich: Erst war von 30 Milliarden Euro die Rede, plötzlich sind es 150 Milliarden (110 Milliarden + 40 Milliarden, falls niemand die neuen Anleihen haben möchte). Hoppla! Ist ja nur das fünffache. Und auch die EZB, die normalerweise keine Ramschanleihen bankrotter Staaten annimmt, ändert auf einmal ihren Kurs um 180° und akzeptiert alles, unabhängig vom Rating. Wird die EZB nun also zur EZBB, zur “Europäischen Zentral-Bad Bank”?
Glücklicherweise möchte die deutsche Finanzbranche das Hilfsprogramm für Griechenland unterstützen, es wirkt wie eine barmherzige Geste. Leider aber besteht die Unterstützung lediglich daraus, dass die Institute zusagen, ihr Geld nicht überhastet aus Griechenland abzuziehen.
Wie sagte der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Peter Struck doch so schön: “Deutschlands Sicherheit wird am Hindukusch verteidigt”. Und der Euro wird in Griechenland verteidigt. Und unsere Spareinlagen sind sicher. Bernays, Freud und Goebbels wären begeistert.
Quellen: Goldreserven in Tonnen und Goldanteil an den gesamten Devisenreserven, Spanien gerät ins Visier, Krisenstaaten werden zur Billionen-Euro-Gefahr, Defizit 2010: 144 500 000 000 Euro, Steuerausfälle reißen 50-Milliarden-Loch, Einzig Deutschland baut Arbeitslosigkeit ab, Griechen-Ramsch ist EZB sicher genug, Bankenhilfe für Griechenland ist nur heiße Luft
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Veröffentlicht unter: Kolumnen · Etiketten: Banken, Bankrott, Deutschland, Edelmetall, Euro, Geld, Griechenland, Großbritannien, Italien, Krise, Medien, Portugal, Schulden, Spanien, USA, Welt, Wirtschaft
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