Japan: Entschuldigung für Pearl Harbor nicht nötig


Japan/Politik/USA

Japans Ministerpräsident Abe wird „noch in diesem Monat“ Hawaii besuchen und der gefallenen Soldaten gedenken, die im Jahr 1941 durch den japanischen Luftangriff auf Pearl Harbor ums Leben kamen. Entschuldigen werde er sich dafür jedoch nicht.

pearl harbor abe
Flaggen Japans und der USA; gemeinfrei

Gestern vor 75 Jahren bombardierten japanische Kampfflugzeuge die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor. Ehemalige Soldaten, tausende Zuschauer und Militärvertreter versammelten sich zu einer Zeremonie auf Hawaii. Es wurde den 2.335 gefallenen US-Soldaten gedacht, die am 7. Dezember 1941 bei der Bombardierung ums Leben kamen. Noch heute lebende Soldaten, die der Veranstaltung beiwohnten, wurden geehrt.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Die Zeremonie begann um 7.55 Uhr mit einem Pfiff, jenem Moment, an dem die Angriffe auf die US Navy begannen. Es folgte eine Schweigeminute, die von F-22 Kampfjets beendet wurde, die in Formation über die Veranstaltung hinwegfegten. „Für die Männer und Frauen – insbesondere weil wir uns heute in Japan befinden – ist dies eine Gelegenheit, über die Opfer zu reflektieren, die wir zu verzeichnen haben“, sagte General Stephen Lanza, Kommandeur des I. Armeekorps der US-Westküste laut einem Bericht von Voice of America.

Abe über Pearl Harbor

Der japanische Ministerpräsident wird sich „noch in diesem Monat“ mit Obama treffen, um der toten Soldaten zu gedenken. Er wird der erste japanische Ministerpräsident seit Ende des Zweiten Weltkriegs sein, der eine derartige Zeremonie auf Hawaii besuchen wird. Wer jedoch auf eine Entschuldigung hofft, könnte enttäuscht werden.

„Der Zweck des bevorstehenden Besuchs ist es, den Kriegstoten Respekt auszusprechen, und nicht um eine Entschuldigung anzubieten“, sagte Chefkabinettsekretär Yoshihide Suga in Tokio. Er werde alles dafür tun, um zu signalisieren, dass die US-japanischen Beziehungen stark und unverzichtbar seien, sagte Denny Roy vom East West Center. „Ich möchte eine Art von Anerkennung hören, dass es sich beim Angriff auf Pearl Harbor um einen aggressiven Akt seitens der Japaner handelte.“

„Eine Entschuldigung, ist nicht notwendig“, sagte Tetsuo Kotani, ranghohes Mitglied des japanischen Institute of International Affairs. Abe, so sagte er, müsse lediglich Reue für diejenigen ausdrücken, die während der humanitären Tragödie litten und starben und sein aufrichtiges Engagement für den Frieden demonstrieren. Abes Besuch auf Hawaii folgt einem Besuch Barack Obamas in Hiroshima. Auch dieser hatte sich nicht für die hunterttausenden toten und verletzten Zivilisten entschuldigt, die allein in dieser Stadt einer US-Atombombe zum Opfer fielen.

Was dem Angriff auf Pearl Harbor vorausging

Die USA waren im Vorfeld des Angriffs zwar formal neutral, hatten Japan jedoch bereits 1940 vor einer Besetzung der französischen Kolonie Französisch-Indochina (heute: Vietnam, Laos und Kambodscha) gewarnt. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne zwischen Deutschland und Frankreich erhielt Japan jedoch die Zustimmung der französischen Vichy-Regierung, Truppen in der Kolonie zu stationieren. Grund für dieses Anliegen waren Hilfslieferungen der Indochinesischen Union an das mit Japan seit 1937 im Krieg befindliche China.

Am 26. Juli froren die USA alle japanischen Guthaben ein, stoppten sämtliche Öllieferungen und schnitten Japan vom Welthandel ab. Japans Außenhandel brach damit um 75 Prozent ein, die kriegsbedingt notwendigen Ölimporte sogar um 88 Prozent. Die vorhandenen Reserven reichten damit nur noch für 18 Monate. Japan versuchte auf diplomatischem Wege mit den USA zu verhandeln, doch blieben alle Anfragen unbeantwortet. Am 6. Dezember kündigte Japan einen Abbruch aller Verhandlungsversuche ab dem 7. Dezember 1941 an.

Laut im Jahr 2011 freigegeben Dokumenten ist bekannt, dass die US-Regierung von den Angriffsplänen Japans auf Pearl Harbor im Vorfeld Kenntnis hatte. Bereits im Januar 1941 hatte Joseph C. Grew, der US-Botschafter in Japan, gemeldet, dass die erste Kampfhandlung Japans im Falle einer Konfrontation mit den USA ein Großangriff auf Pearl Harbor sein würde. Durch den Angriff auf Pearl Harbor konnte die bis dahin pazifistische US-Bevölkerung durch die Medien leicht auf einen Krieg gegen Japan eingestimmt werden. Was dann folgte, ist traurige Geschichte.

Quellenangaben anzeigen
Voice of America, Raw Story


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2 Comments

  1. In der mir vorliegenden Darstellung des Zweiten Weltkriegs aus japanischer Sicht, wurde Japan durch die USA eindeutig zum Angriff gezwungen.
    Aber es waren nicht nur die USA, sondern auch die Briten.
    England hatte in Asien fast überall die Vorherrschaft inne und Japans Losung „Asien den Asiaten“ wurde in England mehr als kritisch gesehen. Zusätzlich war Japan mit Deutschland verbündet, welches wiederum die britische Kolonialherrschaft in Ägypten beenden wollte.
    Die japanischen Regierungen der Neuzeit sind bei weitem nicht so devot wie die deutschen Regierungen der Nachkriegszeit. Wenn die US Regierung schlau ist, verzichtet diese auf einer „Entschuldigung“. Vielleicht entschuldigen sich ja Merkel und der Gauckler stellvertretend für die Japaner! Denen ist alles zuzutrauen. Die Grünen und Linken beklatschen das dann sofort.

  2. entschuldigen müsste man sich höchstens für die gestorbenen zivilisten. und wenn dann sowieso beide länder, nicht nur japan.

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