Die Panik von 1893


Archiv/USA

Im Jahr 1893 platzte die Eisenbahn-Blase. Zudem gab es durch die Abschaffung des Bimetallismus und entsprechende Eingriffe der Regierung enorme Verzerrungen auf dem Markt, was sich durch alle Sektoren zog und die Arbeitslosigkeit in einigen Städten auf weit über 30 Prozent trieb. Die Panik von 1893 war bis dato die schwerste Wirtschaftskrise in den USA.

panik 1893
Bank unter Wasser, Bild: Gegenfrage.com

Die Panik des Jahres 1893 war eine ernste Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten, die im Jahre 1893 ihren Anfang fand. Ähnlich wie die Panik von 1873 war sie gekennzeichnet durch Überproduktionen und wacklige Finanzierungen im Eisenbahnsektor, was zu einer Reihe von Bankenpleiten führte. Die sogenannte Eisenbahn-Blase endete mit einem Run auf die Goldbestände des Landes. Die Panik von 1893 war die bis dato schlimmste Wirtschaftskrise in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Eine der Ursachen für die Panik des Jahres 1893 lässt sich bis nach Argentinien zurückverfolgen. Die argentinische Bank Baring Brothers investierte in den USA, doch als im Jahr 1890 eine Weizenernte ausfiel und in Buenos Aires ein Staatsstreich stattfand, wurden die Investitionen auf Eis gelegt. Da europäische Investoren nun befürchteten, dass sich die dadurch entstandenen Probleme weiter ausbreiten würden, begann ein Ansturm auf das US-amerikanische Gold. Zu dieser Zeit konnte man seine Dollars bei der Notenbank gegen Gold eintauschen.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Während des Goldenen Zeitalters der 1870er und 80er-Jahre hatten die USA ein enormes Wirtschaftswachstum verzeichnet. Ein Großteil dieses Wachstums basierte jedoch auf hohen internationalen Rohstoffpreisen. Als im Jahr 1893 der Weizenpreis zusammenbrach, wanderte das ganze Geld in den Eisenbahn-Sektor, was zu einer Überbauung führte. Viel zu viele Eisenbahnen wurden produziert, sodass die Kosten die Einnahmen letztendlich übertrafen. Zudem wurde der Markt mit Silber überschwemmt, da Minen staatlich gefördert wurden und die Regierung im Zuge des Bland-Allison Act 1878 und des Sherman Silber Purchase Act 1890 massiv Silber zukaufte, sodass der Preis abstürzte. Insbesondere Landwirte aus dem Weizen- und Baumwollsektor litten unter den Marktverzerrungen.

Eine der ersten klaren Anzeichen für das Auftreten einer Wirtschaftskrise traten am 20. Februar 1893 zum Vorschein, 13 Tage vor Amtsantritt von US-Präsident Grover Cleveland. Dieser stürzte sich nach seiner Vereidigung sofort auf die Aufhebung des Sherman Silber Purchase Act, da er dies als Hauptursache für die Wirtschaftskrise sah. Da sich die Sorge um die Lage der Wirtschaft immer weiter vergrößerte, hoben die Bürger ihr Geld von den Banken ab. Es dauerte nicht lange bis zu den ersten handfesten Bank Runs. Eine Kreditkrise zog sich durch die gesamte US-Wirtschaft, was auch zu Wirtschaftskrisen in Großbritannien und anderen europäischen Ländern führte. Ausländische Investoren verkauften ihre US-Aktien im großen Stil und konvertierten ihre Vermögen in Gold.

Weitere Verzerrungen am Markt taten sich auf: Die „Free Silver“-Bewegung erhielt wachsende Unterstützung der Landwirte und Bergbauunternehmen. Die Silver Party (Silberpartei) wurde etwa im Bundesstaat Nevada die regierende Partei. Die Menschen verkauften ihr Silber an die Regierung und erhielten dafür Gold. Die Goldreserven schmolzen schnell auf ein gesetzlich festgelegtes Minimum zusammen, was Präsident Cleveland dazu zwang, sich Gold für 65 Millionen Dollar von den Bankiersfamilien JP Morgan und den Rothschilds zu leihen. Rasch drehte sich die Stimmung gegen die Banken, die unter Arbeitern und Landwirten inzwischen als „Raubritter“ bezeichnet wurden. Juden wurden als Übeltäter ausgemacht, die man als „wurzellose internationale Geldverleiher“ betrachtete, „die die amerikanischen Werte untergraben“. Juden, so behauptete man, seien im Besitz der Banken, hielten am Goldstandard (anstelle des Bimetallismus) fest, was zu einer Verknappung der Geldmenge führte, und würden damit kleine Familienbetriebe absichtlich ruinieren. Man sah in ihnen den Ursprung aller Korruption im Land.

Durch sehr hohe Kreditzinsen, die Banken aufgrund von Gerüchten über einen Konkurs von National Cordage verlangten, ging das Unternehmen dann tatsächlich pleite. Zuvor hatte das Unternehmen versucht, den Hanfmarkt zu cornern. Eine Reihe von weiteren Bankpleiten folgten, auch Eisenbahnunternehmen wie Northern Pacific Railway, Union Pacific Railroad und Atchison, Topeka & Santa Fe Railroad gingen bankrott, was weitere Unternehmen auch aus anderen Sektoren mit in den Ruin beförderte. Insgesamt gingen mehr als 15.000 Firmen und 500 Banken pleite. Die Arbeitslosenquote schoss auf 17 bis 19 Prozent.

Da Arbeitsplätze und Vermögen in großem Stil vernichtet wurden, konnten viele Bürger ihre Hypotheken nicht mehr bedienen, was eine Immobilienkrise auslöste. Die Arbeitslosenquote in Pennsylvania erreichte 25 Prozent, in New York 35 Prozent und in Michigan sogar 43 Prozent. Suppenküchen wurden eröffnet, um den zahlreichen Mittel- und Obdachlosen zu helfen. Die Menschen hackten Holz und klopften Steine als Tauschmittel gegen Nahrung. Viele Frauen boten Liebesdienste an, um ihre Familien zu ernähren. Detroits Bürgermeister Hazen Pingree rief den „Pingree’s Potato Patch“ ins Leben, Gemeinschaftsgärten, wo die Menschen Gemüse anpflanzen konnten. Die weiterhin fallenden Preise für Exportgüter wie Weizen oder Baumwolle trafen in erster Linie die Industriestädte. Die „Coxey Armee“ war eine Vereinigung von arbeitslos gewordenen Arbeitern aus Ohio, Pennsylvania, und mehreren Städten, die nach Washington D.C. marschierten und eine Reform des Arbeitsmarktes forderten. Unter der Leitung von Jacob S. Coxey, Sr. war dies der Beginn der schweren Welle von Streiks, die ab dem Jahr 1894 losbrach. Sehr ernst war der Pullman-Streik im Juli 1894, der weite Teile des nationalen Transportsystems lahmlegte.

Die Depression war ein wichtiges Thema in der Debatte über den Bimetallismus. Die Republikaner beschuldigten die Demokraten für die Misere und erzielten einen überwältigenden Sieg in den Wahlen von 1894. Da Präsident Cleveland Mitglied der Demokraten war, die sich für einen Bimetallismus aussprachen, bedeutete dies das Ende des Silbergeldes in den Vereinigten Staaten und der von Republikanern befürwortete Goldstandard setzte sich durch. Im Jahr 1897 erholte sich de US-Wirtschaft allmählich wieder. Im Zuge des Klondike-Goldrauschs erlangte das amerikanische Bankensystem wieder das Vertrauen der Bevölkerung zurück und die Wirtschaft wuchs in den folgenden 10 Jahren stark, bis zur Panik von 1907.


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