USA vs. China: Neuer Kalter Krieg im Indischen Ozean?


China/Militär/USA

Im Indischen Ozean stehen die USA, Indien, Japan und Australien auf der einen, und China auf der anderen Seite. Droht ein neuer Kalter Krieg in der Region?

China, USA im Indischen Ozean
China, USA im Indischen Ozean, Bild: Gegenfrage.com

Im Indischen Ozean braut sich ein neuer Kalter Krieg zusammen. Auf der einen Seite steht eine Allianz bestehend aus den Vereinigten Staaten, Indien, Australien und Japan. Auf der anderen Seite steht China. Zwar sind die Spannungen noch nicht so groß wie beispielsweise im Südchinesischen Meer. Doch ist das Konfliktpotential ähnlich hoch, schreibt die Asia Times.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Mehr als 60 Prozent der weltweiten Öllieferungen passieren den Indischen Ozean. Weitgehend aus den Ölfeldern des Mittleren Ostens nach China, Japan und anderen Treibstoff importierenden asiatischen Volkswirtschaften. Ebenso wie 70 Prozent des gesamten Containerverkehrs zwischen den asiatischen Industrienationen und dem Rest der Welt.

Während der Verkehr über den Atlantik in den vergangenen Jahren abgenommen hat, wächst der Handelsverkehr im Indischen Ozean rapide. Die Aufrechterhaltung der Sicherheit dieses Handels und anderer Angelegenheiten ist der angebliche Grund für die jährlichen Malabar-Marineübungen Indiens, Japans und der Vereinigten Staaten.

China schützt Handelswegswege

Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte schützt China ebenfalls seine Handelswege und Energieversorgung in der Region. Obwohl dies grundsätzlich unproblematisch erscheint, so die Asia Times weiter, befinden sich die genannten Großmächte auf Kollisionskurs.

China hat kürzlich bei bei Obock in Dschibuti, am Horn von Afrika gelegen und mit Blick auf das südliche Tor zum Roten Meer und dem Suez-Kanal, seine erste ausländische Militärbasis errichtet. Angeblich zur Bekämpfung der Piraterie.

Doch die Anlage befindet sich genau neben einer wichtigen US-Militäranlage, die sich ebenfalls in Dschibuti befindet. Noch wichtiger ist, dass sie außerdem nicht weit entfernt von anderen größeren US-Basen in der Region liegt, einschließlich einer riesigen Anlage bei Diego Garcia, südlich des Äquators im Indischen Ozean, sowie US-Stützpunkten in Golf-Ländern.

Chinas wichtigster regionaler Konkurrent Indien betrachtet den Indischen Ozean traditionell de facto als eigenes Hoheitsgebiet. Aus diesem Grund beobachtet Neu-Delhi die Entwicklungen mit großer Sorge. Zuletzt stellten indische Sicherheitskräfte chinesische U-Boot-Aktivitäten in der Nähe der Andamanen und Nikobaren fest.

Im Jahr 2001 errichtete Indien dort das Far Eastern Naval Command (FENC), um seine Interessen in der Region zu schützen. Der Plan für die Gründung wurde angeblich 1995 nach einem geheimen Treffen in Washington zwischen Indiens damaligem Premierminister PV Narasimha Rao und US-Präsident Bill Clinton geschmiedet. Er wurde umgesetzt, als Clinton im Jahr 2000 Indien besuchte.

Australien, das die strategisch gelegenen Gebiete der Weihnachts- und Kokosinseln kontrolliert, erscheint gleichermaßen besorgt über Chinas jüngstes Auftauchen im Indischen Ozean.

…und Frankreich

Und dann gibt es da auch noch Frankreich. Zwar nimmt das Land nicht an gemeinsamen Marineübungen teil, aber ist ein NATO-Partner der USA. Frankreich kontrolliert kleine Inseln in der Region, der wirtschaftliche Einflussbereich des europäischen Landes umfasst 2,5 Millionen Quadratkilometer.

Abgesehen von den Departements Mayotte und Réunion kontrolliert Frankreich die riesige, unbewohnte Kerguelen-Inselgruppe und das nahe gelegene Crozet-Archipel und die Inseln St. Paul und Amsterdam, sowie kleinere unbewohnte Inseln bei Madagaskar.

Es gibt eine Satelliten-Tracking-Anlage auf den Kerguelen und etwa hundert „Wissenschaftler“ auf dem Crozet-Archipel und St. Paul und Amsterdam. Das französische Militär hat auch ein Infanterie-Regiment auf der Réunion, und die französische Fremdenlegion ist auf Mayotte stationiert, um weit entfernte regionale Interessen zu überwachen.

Chinas neue und hoch angepriesene Initiative „One Belt One Road“ (OBOR), die im Oktober 2013 als „Neue Seidenstraße“ vorgestellt wurde, um die Infrastruktur der Region auszubauen und den Handel zu fördern, unterstreicht die Absicht Pekings, zu einer Weltmacht aufzusteigen, so die Asia Times weiter.

China wird zur Seemacht

Die Initiative bezieht sich auf die alte Seidenstraße. Diese verband bereits in der Antike den Osten und den Westen von Europa bis Zentralasien nach China. Bis Ende der 1980er Jahre hatte die Marine der Volksrepublik China nicht die enorme Reichweite wie die der USA und anderer Seemächte.

Erst in den 1990er Jahren, nach dem Fall der Sowjetunion, wandte sich China dem Ausbau der Seestreitkräfte zu. China stieg zu einer Wirtschaftsmacht auf mit einem starken Militär, einschließlich einer Marine, die den Seehandel schützen kann.

Die Missionen Chinas im Indischen Ozean zeigen, dass sich potenzielle Schlachtlinien bilden, so die Asia Times abschließend. Zwar sei die Situation noch weit von einer offenen Konfrontation entfernt, doch drohen die OBOR-Initiative und Chinas neue Militäranlage bei Obock die Ruhe zu stören.

Und da sich China im Indischen Ozean aufhält, anscheinend ohne die Absicht diesen wieder zu verlassen, kann die Allianz, die dem wachsenden Einfluss entgegenwirken will, sich nicht mehr länger hinter gemeinsamen Marineübungen verstecken, ohne offiziell einen geopolitischen Zweck zu nennen.

Quellenangaben anzeigen
asiatimes

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Es wird als gottgegeben hingenommen, dass die halbe westliche Welt auf der anderen Erdseite Gebiete kontrolliert und Manöver abhält.
Was wäre denn, wenn China und Russland im Golf von Mexico Manöver abhalten würden?
Oder China Flugzeugträger entsenden würde, weil die USA vor Florida, oder im Golf von Mexico, eine Felsen-Insel aufschütten, um dort einen Stützpunkt zu bauen.
Wir standen ganz knapp vor dem letzten Krieg auf diesem Planeten, als auf Kuba Raketen stationiert wurden.
Heute stehen diese Raketen in Polen und in Rumänien.
Wie viel Verbrechen und Provokationen wollen.
Washington und seine Vasallen noch in die Welt tragen, bis den Bedrohten doch einmal der Geduldsfaden reißt?

Viele Grüße aus Andalusien
H. J. Weber

Ganz so negativ würde ich das nicht sehen.
Man muss die übergeordneten Interessen beachten.
Und diese lauten in erster Linie: Sicherung der erreichten Weltherrschaft!
Was würde denn geschehen, wenn es wirklich zu einer vergleichbaren Situation wie 1962/ 63 um Kuba gegen China käme?
Das kann ich, falls das wirklich keiner weiß, hier ohne viel nachzudenken, benennen.
Russland würde sofort Flagge zeigen! Moskau würde Peking sofort beistehen; propagandistisch und mit Schiffen.
Ist dieses Bündnis im amerikanischen Interesse?
Diese Frage ist absolut müßig und deshalb wird nichts daraus.
Es sei denn, aber das erscheint mir sehr hypothetisch, Washington würde vorher im Eiltempo die Beziehungen zu Moskau ins Lot bringen. Dann allerdings könnte ich mir vorstellen, dass sich dann Moskau der jetzigen (seit Jahren laufenden) Landnahme russischer Territorien an der Grenze zu China durch chinesische Bevölkerungsteile erinnert.
Wer zumindest zwei oder drei der Bücher des leider verstorbenen Peter Scholl-Latour gelesen hat, weiß um die schlechten Beziehungen zwischen einfachen Russen und einfachen Chinesen an der Grenze. Nur ein Beispiel, für diejenigen die nur im Internet quer lesen: Russen beachten die Schonzeiten im Amurfluss für Fische. Chinesen hingegen nicht. Die eine Hälfte des Flusses wird befischt, die andere nicht. Deshalb fahren dort seit langer Zeit bewaffnete Schiffe um die Interessen des jeweils anderen zu schützen. Jedes Jahr lassen sich 200.000 Chinesen im grenznahen Gebiet in Russland nieder und zwar ohne zu fragen. Das sind in 20 Jahren 4 Millionen in von Russen dünn besiedeltem Gelände!
Der Umstand, dass diese Landnahme außer manchmal bei RT deutsch und Sputnik, in den deutschen Medien nicht thematisiert wird, hatte mein Interesse geweckt. Scholl-Latour hatte das schon vor Jahren plastisch beschrieben. Eigentlich müsste die russische Verwaltung die Einwanderung kontrollieren, aber je schlechter die russische Beziehung zur Nato ist, desto weniger ist daran zu denken. Es handelt sich definitiv nicht um Einwanderung, sondern um Landnahme, weil die russische Sprache dort wo die Chinesen die Mehrheit haben, nur noch im Rathaus gesprochen wird. Alle Firmen, alle Reklame, fast alles ist chinesisch!

Es sieht auch überhaupt nicht so aus, als würde die Feindschaft zu Russland von amerikanischer Seite her gemildert:

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/06/17/energie-krieg-deutschland-droht-usa-mit-geg

Und weil das so ist, können die USA sich nicht zur gleichen Zeit zwei Gegner leisten.

Ein Land kann noch so reich an Bodenschätzen sein, es nützt nichts, wenn es keine Handelswege hat, um diese Bodenschätze in bare Münze zu tauschen. In diesem Zusammenhang sehe ich auch den Syrien,Libyen und Irak und Afghanistan Konflikt, gerade im Hinblick der Pipelines(Iran, Afghanistan,China) die eine Umgehung der von der USA kontrollierten See-Handelswege darstellen könnte .

@ Habnix

Schon klar- das mit den Handelswegen.
Genau das ist übrigens der Punkt der beim Aufbau der deutschen Kriegsflotte ab 1998 von vielen Zeitgenossen nicht verstanden wird.
Wer sein Wissen nur von englischsprachigen Autoren bezieht, welche zu 95 % deren Sichtweise vertreten, dem fehlt naturgemäß der Überblick um dem Thema halbwegs gerecht zu werden.
Deutschland hatte nach der Reichsgründung und der deshalb spät einsetzenden Industrialisierung die doppelten Wachstumsraten wie England oder Frankreich.
Dazu gehörte, vor allem zu jener Zeit, auch eine Hochseeflotte, welche die neuen Handelswege absichern sollte.
Nach Ausbruch des Krieges, zeigte sich rasch, dass daran nicht im entferntesten zu denken war.
Heute ist China in ähnlicher Situation. Deshalb stärkt China auch seine Kriegsflotte. Auch das wird vom derzeitigen Inhaber der Weltherrschaft nicht so gesehen, sondern als Bedrohung aufgefasst.

wpDiscuz
Nach oben scrollen