24.02.1945: Die Zerstörung von Manila


Geschichte/Japan/Philippinen/USA

Am 24. Februar 1945 befreiten US-Streitkräfte die philippinische Hauptstadt Manila von ihren japanischen Besatzern. Doch waren am Ende der Befreiung nicht nur die Japaner weg, sondern auch mindestens 100.000 philippinische Zivilisten. Und 72 Prozent der Stadt lagen in Trümmern.

Zerstörung von Manila
Zerstörung von Manila, Flagge der Philippinen, gemeinfrei; Adler, Gegenfrage.com

An diesem Tag im Jahr 1945 siegten die US-Truppen über die Japaner in Intramuros, dem ummauerten Altstadtviertel von Manila. Bereits am 2. Februar wurde die philippinische Hauptstadt von Truppen der 1. US-Kavalleriedivision erreicht.

(Fachliteratur zum Thema gibt's hier: klick)

Der Preis für die „Befreiung“ der philippinischen Hauptstadt war hoch: Mindestens 100.000 philippinische Zivilisten starben. Ebenso alle 33.000 dort stationierten japanischen Streitkräfte, bis auf 19 Kriegsgefangene. Und zwischen 1.000 und 1.700 US-Soldaten kamen ebenfalls ums Leben.

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Die Stadt war nur noch ein einziger Trümmerhaufen, Fotos aus der Zeit erinnern an Hiroshima oder Dresden. Auf deutschen und englischen Wikipedia-Seiten wird von einer „Befreiung“ der Stadt durch die USA und über ungeheure Gräueltaten der Japaner an der Zivilbevölkerung geschrieben.

Die Stadt wurde bereits seit dem 5. Februar von B-29 Superfortress-Bombern und P-51 Mustang angegriffen. Durch heftigen Artilleriebeschuss wurden folglich japanische Stellungen in der Stadt zerstört. Ab dem 11. Februar gingen die US-Truppen in den Häuserkampf über, um die „Japaner aus den Häusern zu bomben“, so der Befehl von US-General Griswold.

Stadtviertel um Stadtviertel wurden schließlich von den US-Truppen auf diese Weise eingenommen, übrig blieben Trümmerhaufen. Infolge der US-Angriffe wurden 72 Prozent der Stadt zerstört. Zum Vergleich: Durch die Atombombe, die die USA knapp sechs Monate später über der japanischen Stadt Hiroshima abwarfen, wurden 80 Prozent der Stadt zerstört.

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„Die Amerikaner zerstörten Manila“

Ricardo Morales, ehemaliger General der Streitkräfte der Philippinen, veröffentlichte im Jahr 2015 einen Bericht über die Zerstörung der Stadt mit der Überschrift „The Americans destroyed Manila in 1945“ (Die Amerikaner zerstörten Manila 1945).

Darin heißt es: Die japanischen Kräfte, die zu beispielloser Brutalität und Barbarei fähig waren, trugen sicherlich zu diesem Ergebnis bei, konnten aber nicht die gleiche Todes- und Zerstörungsrate erreichen. Dieses verheerende Ereignis war ein Wendepunkt in der Entwicklung der philippinischen Gesellschaft.

Die Auswirkungen sind heute, 70 Jahre später, weiterhin deutlich zu sehen. Die Zahl der 100.000 zivilen Todesfälle ist allerdings eine konservative Schätzung. Einige Schätzungen reichen bis 240.000. Das unmittelbare Ziel der USA in Luzon Anfang 1945 war die Befreiung der Kriegsgefangenen in Cabanatuan und die Rettung der Internierten an der Universität von Santo Tomas.

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Als dieses Ziel allerdings erreicht war, wandten sich die Amerikaner Manila zu. Diesmal schien es, als ob zivile Opfer keine Rolle mehr spielten. Die USA rückten mit großen, portablen Waffen an. Darunter etwa die Behemoth 240 mm Haubitzen, die mächtigste Waffe, die von US-Feldartillerie-Einheiten während des Zweiten Weltkriegs eingesetzt wurde.

Auffällig geringe US-Opferzahlen

Eine Statistik, die eine japanische Verantwortung für die Zerstörung widerlegt, ist die geringe Anzahl der gefallenen US-Soldaten. In der Schlacht von Manila, die in einem schrecklichen Blutbad und totaler Verwüstung der Stadt gipfelte, erlitten die Amerikaner ihre niedrigste Todesrate überhaupt: Von 35.000 eingesetzten Soldaten wurden nur drei Prozent getötet.

Zum Vergleich: In den Schlachten um Guadalcanal starben 11,8 Prozent der eingesetzten US-Truppen, in Iwo Jima 9,7 Prozent. Die Kämpfe um die Stadt hielten bis Anfang März an. Am 4. März wurde Manila zur Sicheren Zone erklärt.

Niemand kann den Amerikanern für ihre niedrigen Verluste einen Vorwurf machen, so Morales weiter. Hohe Opferzahlen sind schlecht für die Truppenmoral und eine Verschwendung kostbarer Ressourcen. Geringe Opferzahlen waren schon immer der Fokus von General Douglas MacArthur.

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Auf welcher Seite aber standen die philippinischen Generäle? Waren diese Verbündete der USA? In der Geschichte scheint ihre Stimme keine Rolle zu spielen. Historiker schreiben heute, dass die Bürger Manilas trotz der Verwüstung ihrer Stadt glücklich über die Befreiung von den verhassten Japanern waren.

Manilas einzigartige Kultur für immer zerstört

Die Filipinos verloren infolge der Zerstörung von Manila einen unersetzlichen kulturellen und historischen Schatz. Unzählige Regierungsgebäude, Universitäten und Hochschulen, Klöster, Kirchen und ihre historische Schätze aus der Zeit der Gründung Manilas waren ruiniert.

Das kulturelle Erbe (einschließlich Kunst, Literatur und vor allem Architektur) des Zusammenflusses spanischer, amerikanischer und asiatischer Kulturen – wurde dem Erdboden gleichgemacht. Manila galt einst als „Perle des Orients“ und als Bindeglied der asiatischen und europäischen Kulturen. Alles wurde ausgelöscht.

Die Zerstörung der Bauten der Stadt zerstörte auch die katholischen Werte des Landes und die hispanische Kultur. Doch verloren die Filipinos im Gemetzel von Manila im Jahre 1945 mehr als ihre Leben und Häuser. Die Einzigartigkeit der Stadt war für immer verschwunden.

Hätte die Zerstörung Manilas nicht stattgefunden, wären die Philippinen heute eine völlig anderes Land, schreibt Morales abschließend.

Quellenangaben anzeigen
rappler, ibiblio

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