19.03.2011: Beginn des Libyen-Kriegs


Frankreich/Geschichte/Libyen/USA

Am 19. März 2011 begannen die Luftangriffe Frankreichs und der USA auf Libyen. Der Krieg endete für Libyen in einer Katastrophe. Die an der Kampagne teilnehmenden NATO-Staaten strichen hingegen satte Gewinne ein.

libyen krieg 2011
NATO-Krieg gegen Libyen ab 2011, Bild: Flaggen der NATO + USA, gemeinfrei

An diesem Tag im Jahr 2011 begann der internationale Militäreinsatz gegen Libyen. Zunächst brachen Anfang 2011 infolge einer durch Spekulation ausgelösten Nahrungsmittelkrise Unruhen im Land aus, welche seitens der Regierung niedergeschlagen wurden.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Angeblich um die Zivilbevölkerung zu schützen flogen französische Kampfjets am Nachmittag des 19. März erste Luftangriffe auf das nordafrikanische Land (Opération Harmattan). Auch die USA (Operation Odyssey Dawn), Großbritannien (Operation Ellamy) und Kanada (Operation MOBILE) beteiligten sich an den Luftangriffen.

Allein in den ersten Tagen der Bombardierungen (Sonntag bis Mittwoch) kamen 114 Zivilisten ums Leben. 445 Weitere wurden verletzt. Anfang Mai erschienen Berichte, dass sich libysche Sicherheitskräfte nach Tunesien gerettet und sich ergeben hätten. Im selben Monat forderte die Afrikanische Union (AU) die NATO zu einem Ende der Bombenangriffe auf Libyen auf.

Kuwait und Katar versprachen insgesamt 280 Millionen Dollar. Die USA trugen 26 Millionen Dollar für „humanitäre Einsätze“ bei, wie die New York Times berichtete. Tesoro, ein US-Unternehmen aus der Petrochemie-Branche, hatte den Kauf von 1,2 Millionen Barrel Rohöl unterzeichnet.

Die Luftangriffe Großbritanniens auf das Land begannen unmittelbar, nachdem britische Abgeordnete lukrative Verträge ausgehandelt hatten. Der Militäreinsatz kostete Großbritannien 300 Millionen Pfund. Durch den Wiederaufbau Libyens sollte das Land bis zu 200 Milliarden Pfund einnehmen – eine ver-700-fachung der Investition.

Internationale Stimmen

Bereits Anfang März hatte der kubanische Staatschef Fidel Castro vor einer bevorstehenden „kolossalen Lügenkampagne über Libyen“ gewarnt. Er warf den Alliierten Nazi-Methoden vor. Boliviens Präsident Evo Morales hatte nach Beginn der Angriffe gefordert, US-Präsident Barack Obama wegen der Luftangriffe auf Libyen den Friedensnobelpreis abzuerkennen. Obama entsandte auch Drohnen nach Libyen.

Rogelio Polancio, Kubas Botschafter in Venezuela, bezeichnete die Invasion als „imperialistische Aggression in Libyen. Auch Venezuelas Präsident Hugo Chavez und Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad äußerten während eines Telefonats „tiefe Besorgnis aufgrund der Invasion.

David Maimela von der Initiative South Africans for Peace in Africa warnte vor einer „massiven politischen Instabilität“ und vor dem „Ausbruch eines Bürgerkriegs“ im Falle einer Absetzung Gaddafis. Er lag damit völlig richtig: Selbst Jahre nach Ende des Kriegs versank Libyen im Bürgerkrieg. Fünf Jahre später etablierte sich u.a. der Islamische Staat.

Laut einem geheimen Dokument aus dem Jahr 2008 hatte Gaddafi eine direkte Kommunikation mit Vertretern der US-Regierung. Darin ging es um den Machterhalt Gaddafis. Man empfahl Gaddafi, eine PR-Kampagne zu starten und die Rebellen in die Al-Kaida-Ecke zu drängen. Dies meldete Al Jazeera.

Ölmarkt

Unmittelbar nach Beginn der Unruhen brach der libysche Ölmarkt von 1,7 Millionen Ölbarrel auf 200 000 bis 300 000 Barrel pro Tag ein. Libyens Staatschef Gaddafi verteilte unter der gesamten Bevölkerung leichte Schusswaffen für den Fall einer Bodenoffensive der NATO. Gaddafi drohte mit einem“Feuerball-Inferno“, zehnfach größer als im Irak.

Anfang Juni wurden mit sogenannten libyschen Rebellen Öl-Deals verhandelt. So kaufte etwa Italien der libyschen Opposition Treibstoff im Wert von 438-584 Millionen Dollar ab. Frankreich stellte 290 Millionen Dollar aus gesperrten Vermögenswerten zur Verfügung.

Der Politologe William Engdahl sagte im August in einem Interview mit RT, dass der Sturz der libyschen Regierung lediglich westlichen Öl-Interessen diene. „Libyen steht vor einem großen Chaos, das sich noch lange hinziehen kann und niemand weiß, was am Ende dabei herauskommt.“

Im August wurde bekannt, dass französische Ölkonzerne „lukrative Verträge“ mit „der neuen libyschen“ Regierung abgeschlossen hatte. Der französische Ölkonzern TOTAL gilt als großer Profiteur des Kriegs. Französische Journalisten bezeichneten den Überfall auf Libyen darum auch als TOTALenr Krieg.

In einem Abkommen mit den Rebellen wurde außerdem ausgehandelt, dass Frankreich 35 Prozent aller Ölexporte erhalten solle. Im Gegenzug erklärte sich Paris bereit, die Rebellen im Kampf gegen Gaddafi zu unterstützen. Interessant war vor diesem Hintergrund, dass Frankreich auch 35 Prozent aller Luftangriffe durchführte.

Kriegsverbrechen

Im Juni warf das Centre for Research on Globalization der NATO vor, im Libyen-Krieg Geschosse mit abgereichertem Uran verwendet zu haben. Auch zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser, von Zivilisten bewohnte Häuser und Hotels beschossen sollen beschossen worden sein. Zudem wurden „psychologische Taktiken“ durch nächtliche Flüge über Tripolis beklagt.

Die internationale Presse stelle die Situation außerdem nicht so dar, wie sie wirklich ist, so die Organisation. Moskau kritisierte ebenfalls mögliche Kriegsverbrechen. So sei ein kardiologisches Zentrum teilweise zerstört worden, ebenso Straßen und Brücken.

Zudem zweifelte man in Russland an der Aufrichtigkeit der Behauptungen der Koalitionskräfte. Insbesondere kritisierte wachsende Zahl ziviler Opfer der Invasion. Zudem lag laut Moskau ein Verstoß gegen die Resolutionen 1970 und 1973 des UN-Sicherheitsrats vor. Allerdings änderte Moskau plötzlich seine Ansichten. China missfiel diese Kehrtwende und spottete, dass sich Russland „auffällig dem Willen der Westmächte“ füge und eine Absetzung Gaddafis unterstütze.

Laut staatlichen Medien in Libyen führten die Alliierten in Großstädten wie Tripolis, Bengasi und Suvar Schläge gegen Zivilobjekte durch. Laut libyschem Fernsehen griffen NATO-Kampfjets Ortschaften bei Tripolis an, bei denen dutzende Menschen ums Leben kamen. Darunter dutzende Polizisten, aber auch Zivilisten.

Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass Frankreich unmittelbar vor Beginn des Kriegs Waffen für 90 Millionen Euro an Libyen verkauft hatte. So erhielt Gaddafi beispielsweise noch im Januar 1.000 französische Raketen.

Streumunition, Uranmunition

Laut verschiedenen Medienberichten wurde auch Streumunition eingesetzt, die sehr unpräzise ist und sehr häufig Zivilisten trifft. Auch Uranmunition kam angeblich zum Einsatz. US-Präsident Barack Obama und NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wiesen bei ihrem Treffen in Washington hingegen darauf hin, „dass dank der Operation viele Menschenleben gerettet“ worden seien.

Im Juli sagte Libyens Generalstaatsanwalt Mohamed Zekri Mahjubi, dass seit Beginn der Invasion bereits 1.108 Zivilisten getötet und 4.537 verletzt wurden. Er forderte einen Prozess gegen NATO-Chef Rasmussen vor einem libyschen Gericht. Als NATO-Generalsekretär sei dieser verantwortlich für die Handlungen der Organisation.

Im selben Monat erschienen Berichte, dass die deutsche Bundesregierung den libyschen Rebellen 100 Millionen Euro geliehen hatte, „um dem Land beim Wiederaufbau zu helfen“. Berlin hatte zuvor den libyschen Nationalen Übergangsrat (TNC), also die Rebellen, als legitime Vertretung des libyschen Volks anerkannt.

Proteste

In zahlreichen Ländern protestierten die Menschen gegen den Libyen-Krieg. So fanden sich etwas in Madrid zahlreiche Demonstranten zusammen, die „No a la guerra“ – „Nein zum Krieg“ riefen und die „irreführende Politik des Westens“ anprangerten. Auch in den Vereinigten Staaten fanden große Proteste statt.

Laut Umfragen waren die meisten US-Bürger gegen den Krieg. Einer Umfrage der Universität Quinnipiac zufolge waren 58 Prozent der Amerikaner der Überzeugung, dass Barack Obama die Ziele der USA in Libyen nicht ausreichend deutlich gemacht hatte.

Ähnliche Ergebnisse brachte deutsche und niederländische Umfragen. Hier sprachen sich 59 Prozent der Deutschen und 60 Prozent der Niederländer gegen den Libyen-Einsatz aus. Nur etwa Drittel der Befragten erklärte sich in beiden Ländern mit dem NATO-Einsatz einverstanden.

Auch in Deutschland wurde protestiert, häufig auch in verschiedenen Städten gleichzeitig. Man demonstrierte gegen die Militärpolitik des Westens und der NATO in Libyen. Zudem wurde die Vernichtung von Atomwaffen gefordert.

Die Rebellen spürten Gaddafi am 20. Oktober auf, misshandelten ihn schwer (bspw. Pfählung mit einer Eisenstange) und töteten ihn zusammen mit seinem Sohn Muttasim Gaddafi auf bisher nicht vollständig geklärte Weise. Beide Leichname wurden in den folgenden Tagen in einem Kühlhaus öffentlich zur Schau gestellt.

Gaddafi kündigt Flüchtlingswelle aus Afrika an

Einige westliche (auch deutsche) Medien und Politiker begrüßten die Ereignisse offenbar. „Der langjährige libysche Machthaber Gaddafi ist tot. Damit ist der Weg frei für einen politischen Neuanfang des Landes“, schrieb die Bundesregierung auf ihrer Website. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte lachend während einer TV-Sendung: „Wir kamen, wir sahen, er starb.“

„Ihr sollt mich recht verstehen. Wenn ihr mich bedrängen und destabilisieren wollt […] werdet ihr von einer Immigrationswelle aus Afrika überschwemmt werden, die von Libyen aus nach Europa überschwappt. Es wird niemand mehr da sein, um sie aufzuhalten.“ Dies sagte Gaddafi im Februar 2011, kurz vor Beginn der Luftschläge der Alliierten.

Die neue von den Westmächten eingesetzte Regierung bestand teilweise aus bekennenden Terroristen. Bereits kurz nach Beginn des Überfalls sagte Abdel-Hakim al-Hasidi, Anführer der Rebellenarmee gegen Gaddafi, dass zahlreiche Mitglieder der aufständischen Terroristen seien, die im Irak und in Afghanistan gegen US-Truppen gekämpft hätten.

Gold-Dinar

Der tatsächliche Grund für den Überfall auf Libyen war laut einigen Experten jedoch nicht nur die pure Nächstenliebe, wie sie seitens westlicher Regierungen seit jeher propagiert wird. Sondern möglicherweise auch Pläne Gaddafis, eine panafrikanische Gemeinschaftswährung als Gegengewicht zu Dollar und Euro zu etablieren, die an Gold gebunden werden sollte.

143 Tonnen Gold im Gegenwert von sieben Milliarden Dollar standen dafür bereit, ebenso Silber mit einem ähnlichen Gegenwert. Frankreich hätte auf diesem Weg wirtschaftlichen Einfluss in den ehemaligen Kolonien eingebüßt.

USA wollten kein afrikanisches Wirtschafts- oder Militärbündnis

Zudem versuchen die USA, ein wirtschaftliches oder militärisches Bündnis afrikanischer Staaten zu verhindern. Die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA stützt sich zu 100% auf den US-Dollar als globale Handelswährung.

In einer Email erhielt die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton am 02. April 2011 folgende Mitteilung: „Mitarbeiter des französischen Geheimdienstes entdeckten diesen Plan kurz nach dem Beginn der aktuellen Aufstände. Dies war einer der Faktoren, der Präsident Nicolas Sarkozy in seiner Entscheidung beeinflusste, mit Frankreichs Angriffen auf Libyen zu beginnen.“

Nachdem Gaddafi gestürzt wurde, verschwand das libysche Gold. Einige Beobachter glauben, dass es direkt an Venezuela weitergereicht wurde, das zu diesem Zeitpunkt seine Goldreserven aus den USA abzog. Laut einigen Quellen wurde Libyens Gold nach der Absetzung Gaddafis von den USA außer Landes gebracht.

Quellenangaben anzeigen
Vzgliad, Presscore, USA Politics Today, New York Post, 24hGold, Bloomberg, RT, Foreign Policy Journal, The New American, The Guardian

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Habt ihr schon mal erlebt das die Großmächte aus Nächstenliebe in den Krieg gezogen sind
Nein es war immer nur zum eigenen Nutzen

Überall wo das überfallene Land verlassen wurde gab es nur blutige Hinterlassenschaften und bleibender Terror sowie Bürgerkrieg

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