Ist Protektionismus unbedingt schlecht?
Jeder hat dieses Wort schon einmal gehört, spätestens jetzt im Zuge dieser Wirtschaftskrise: Protektionismus. Mit Sicherheit denken an dieser Stelle die meisten: “böse”, “unfair”, “falsch”. Einige Experten lasten auch die Depression der 1930er Jahre dem Protektionismus an. Also nicht hochspekulativen Zockereien mit hohem Hebel auf Kredit mit Kundeneinlagen in den 1920ern, sondern dem Protektionismus in den 1930ern, okay! Bleiben wir also an diesem Thema dran.
Was ist Protektionismus überhaupt? Lesen wir dafür bei Wikipedia nach:
Als Protektionismus (von lateinisch protectio: Schutz) bezeichnet man in Bezug auf ökonomische Sachverhalte alle Maßnahmen in Form von Handelshemmnissen, mit denen ein Staat versucht, ausländische Anbieter auf dem Inlandsmarkt zu benachteiligen. Mittel dafür ist die strategische Handelspolitik. Ziel ist es in der Regel, bestimmte Produkte oder Branchen eines Landes zu fördern oder die eigene Volkswirtschaft generell zu unterstützen.
Zudem wird versucht, den Aufbau neuer, noch nicht wettbewerbsfähiger Industriezweige zu ermöglichen, da diese Industriezweige in der Anfangsphase dem Druck des Weltmarkts nicht standhalten würden. Ehemalige Entwicklungsländer wie die Volksrepublik China konnten so zu Schwellenländern bzw. Industrienationen aufsteigen. Dies gelang liberalisierten Ländern mit ähnlichen Voraussetzungen nicht auf diesem Weg. Ähnlich war es mit Deutschland (1874-1914) und den USA (1865-1900).
Die großen Wirtschaftsmächte sind also mit Hilfe des Protektionismus aufgestiegen, zuletzt China. Aus diesem Grund, uns wird es verkauft unter dem Locknamen “Globalisierung”, bricht bei uns derzeit die Wirtschaft zusammen. Also nicht aufgrund hochspekulativer Zockereien mit hohem Hebel auf Kredit mit Kundeneinlagen seit den 1980er Jahren, sondern des Protektionismus der Chinesen (Achtung, Ironie. Natürlich bricht die Wirtschaft aus diesen beiden und noch weiteren Gründen zusammen).
Die Einkommen der Chinesen sind im Durchschnitt sehr viel geringer als die der Europäer oder der Amerikaner. Ausserdem existiert in China eine gnadenlose Planwirtschaft unter staatlicher Aufsicht und ein sehr schlechtes, bzw. überhaupt kein Sozialsystem. Zudem gibt es keine ernstzunehmenden Umwelt- und Arbeitssicherheitsvorschriften, zusätzlich arbeiten 10-20 Millionen Kinder in chinesischen Fabriken.
Davon mag man halten was man möchte, aber diese ganzen Dinge tragen dazu bei, dass eine in China gefertigte Waschmaschine nur 300 Euro kostet, und die umweltfreundliche und moralisch unbedenklich zusammengebaute Waschmaschine aus Gütersloh 900 Euro.
Ich hielte es persönlich für fair, wenn auf chinesische Billigprodukte, welche in der EU oder in den USA verkauft werden sollen, eine Strafgebühr eingeführt würde, weil China sich nicht an westliche Wertvorstellungen und Qualitätsstandards hält. Nach dem Motto “wenn ihr hier mitspielen möchtet, dann nach unseren Regeln”. Man kann nicht unsere Produktionen zu teuren Auflagen zwingen und gleichzeitig Produkte importieren, die diese Auflagen nicht erfüllen müssen. Wo ist da die Logik?
Eine Billig-Waschmaschine, welche von chinesischen Kindern unter desaströsen Umständen zusammengebaut wurde, darf nach meinem Empfinden ruhig mit einem Strafzoll von sagen wir 30% belegt werden. Wenn dabei ein qualmender Schornstein mit ungefilterten Giftstoffen die Umwelt verpestet hat, nochmal 30% drauf. Das dadurch eingenommene Geld könnte man ganz protektionistisch in unsere heimische Wirtschaft investieren. Dadurch würde man sicherlich eine ganze Menge von verlagerten Firmen aus Fern-Ost zurückholen und unsere Firmen könnten entspannter produzieren, der Konkurrenzdruck wäre in diesem Sinne nicht mehr vorhanden, sondern man würde mit gleichen Karten spielen.
So wäre der Preisunterschied auf unserem Markt zwischen der Billig-Waschmaschine und der “sauberen” Waschmaschine aus Gütersloh mit Sicherheit nicht mehr so groß, vielleicht würden sich beide Waschmaschinen sogar irgendwo bei 500 Euro treffen. Klingt nicht gerade verlockend – 500 statt 300 Euro für eine Waschmaschine? Ein Opfer, welches man verkraften kann, wenn wir Millionen von Arbeitsplätzen schaffen und unseren Wohlstand erhalten, bzw. die Wirtschaft wieder wachsen lassen möchten.
Die gesamte westliche Welt befindet sich in einer Rezession, in einer bitteren Wirtschaftskrise. Falls der erhoffte Aufschwung nicht bald einsetzt, und das wird er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht tun, dann müssen wohl oder übel auch bei uns Kosten eingespart werden. Zuerst wird die Umwelt unter die Räder kommen, dann das Sozialsystem, dann der Bürokratieapparat (und damit auch viele unserer liebgewonnenen Qualitätsansprüche) und und und… Das wäre doch eine Sache, für die sich unsere Politiker stark machen könnten. Stattdessen verkauft man uns hier Aufkleber für irgendwelche Umweltzonen.
Sicher, es mag viele schlagende Argumente gegen den Protektionismus geben, ich möchte hier auch nicht irgendeinen …ismus gutreden, doch wozu sollten wir eine Wirtschaft wie die von China, deren Wachstum in den letzten Jahren 12% betrug, noch unseren Markt mit Billig-Artikeln überschwemmen lassen? Wir haben diese Artikel in den letzten Jahren gekauft und China dadurch zum wirtschaftlichen Aufstieg verholfen, doch meines Erachtens ist nun Schluss mit billig. Zeit umzudenken.


Vater Staat
Oktober 11th, 2009 at 15:08kein schlechter gedanke! mit gleichen karten zu spielen wäre schonmal eine faire sache!! muss ich ihnen beipflichten!
Joe
Oktober 11th, 2009 at 21:13Hat die USA nicht aufgrund ihrer hohen Zölle auf alle Importwaren die gesamte Weltwirtschaft umgebracht? Ich stimme diesem Artikel generell zu, doch darf man nicht vergessen was damals passiert ist.
Bürgender
Oktober 12th, 2009 at 04:19Richtig, das ist mit großer Vorsicht anzugehen. Wichtig ist dabei, dass man nicht ALLE Importwaren belastet, sondern nur die qualitativ minderwertigen. Also diese Auflagen sind gemeint, welche unsere heimischen Fabriken ebenfalls erfüllen müssen. Es ist nicht korrekt, dass wir in der EU und der USA hohe Kosten tragen für einen gewissen Qualitätsstandard, im Gegenzug aber Produkte importieren, die a) diese Vorschriften nicht einhalten müssen und b) einen unfairen Preiskampf dadurch verursachen. Ich bin ganz klar für einen Strafzoll auf Billig-Produkte, die nicht westlichen Qualitätsstandards entsprechen. Alles andere ist nicht korrekt gegenüber unserer Arbeitskraft.
Markus
Oktober 13th, 2009 at 15:05Ich halte nichts von Protektionismus. Klar gibt es Billigprodukte die aufgrund ihrer minderwertigen Qualität so billig sind, vor denen muss man sich aber doch nicht fuerchten. Man kauft vielleicht ein paar mal so n Scheiß und merkt dann dass das nichts bringt.
Vor Billigsachen aus China brauchen wir uns eh nicht mehr lange fuerchten. die werden bald nicht mehr lauter sachen herstellen und unser wertloses geld im gegenzug nehmen. die chinesen werden bald fuer ihren eigenen bedarf produzieren und wir zahlen wieder 1000 euro fuern handy und 10000 fuern pc.