Israel und Saudi-Arabien: Eine historische Allianz


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Israel und Saudi-Arabien – zwei Staaten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, jedoch anscheinend immer dieselben politischen Interessen und dieselben Ziele im Nahen Osten verfolgen. Was steckt dahinter? Ein Rückblick.

Israel, Saudi-Arabien
Flaggen Israel, Saudi-Arabien, Großbritannien, alle gemeinfrei

Der folgende Text entspricht möglicherweise nicht der Version, die in den meisten europäischen Geschichtsbüchern zu finden ist. Veröffentlicht wurde er von der jüdischen, jedoch israelkritischen Zeitung „Mondoweiss“, gegründet von ehemaligen New York Times-Journalisten.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Möglicherweise hilft diese freie Übersetzung dabei, auch heutige Vorgänge in der Weltpolitik etwas besser zu verstehen. Gerade in Bezug auf den Islamischen Staat und die Geschehnisse im Nahen Osten im Allgemeinen.

Die historische Allianz zwischen dem Königreich Saudi-Arabien und Israel sollte keine Überraschung für all jene sein, die sich mit dem britischen Imperialismus beschäftigen. Leider beschäftigen sich heute nur noch sehr wenige Menschen mit dem fast 400 Jahre dauernden Krieg Großbritanniens gegen den Rest der Welt.

Gemeinsame Feinde

Ende 2014 sagte Saudi-Arabiens Erdölminister Ali al-Naimi: „Seine Majestät König Abdullah war schon immer ein Vorbild für gute Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und anderen Staaten, dabei bildet der jüdische Staat keine Ausnahme.“

Abdullahs Nachfolger König Salman äußerte im Jahr 2014 seine Bedenken zum Atomabkommen zwischen den USA und dem Iran, absolut konform mit Israel. In ihrer Iran-Politik sind Saudi-Arabien und Israel ohnehin konform, praktisch eine Einheitsfront.

Der Iran ist jedoch nicht der erste gemeinsame Feind der beiden Länder. Im Nordjemen finanzierte Saudi-Arabien in den 1960er Jahren von Großbritannien geführte Söldnerarmee, die gegen revolutionäre Republikaner im Jemen kämpfte, welche zuvor die Regierung übernommen hatten.

Ägyptens Gamal Abdul-Nasser unterstützte die Republikaner militärisch, während die Briten die Saudis dazu animierten, die Anhänger der vorherigen Regierung zu finanzieren. Gleichzeitig lieferte Israel auf Geheiß Großbritanniens 14 Mal Waffen an die britischen Proxies im Nordjemen. Israel und Saudi-Arabien wurden hier durch die Briten verbündet.

1920er Jahre

Allerdings muss man zurück bis in die 1920er Jahre blicken, um die Ursprünge dieser Allianz zwischen Saudi-Arabien und Israel zu verstehen. Die Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg hinterließ drei einflussreiche Persönlichkeiten auf der arabischen Halbinsel:

Sharif Hussain bin Ali von Hedschas (im Westen), Ibn Rashid von Ha’il (im Norden) und Emir Ibn Saud von Nadschd (im Osten) und dessen religiöse Anhänger, die Wahhabiten. Ibn Saud trat Anfang Januar 1915 auf Seite der Briten in den Krieg ein, wurde jedoch rasch besiegt .

Sein britischer Offizier William Shakespear wurde durch den mit dem Osmanischen Reich verbündeten Ibn Rashid getötet. Diese Niederlage Ibn Sauds legte ihn militärisch lahm. Sharif Hussain trug zur Niederlage des Osmanischen Reichs maßgeblich bei. Etwa indem er die sogenannte „arabische Revolte“ im Juni 1916 lostrat, wodurch die türkische Präsenz aus Arabien beendet wurde.

Die Briten hatten in ihm einen starken Verbündeten und sagten ihm erhebliche Gebiete für ein einheitliches arabisches Land zu. Dieses reichte vom Gazastreifen bis an den Persischen Golf. Der diesbezügliche Schriftverkehr zwischen Sharif Hussain und Henry McMahon wird als McMahon-Hussein-Korrespondenz bezeichnet.

Arabische Welt wird aufgeteilt

Als der Krieg endete, forderte Sharif Hussain die Briten dazu auf, ihr Versprechen zu halten. Die Briten hingegen hatten jedoch ganz andere Pläne und wollten die arabische Welt in Zusammenarbeit mit Frankreich nach Belieben selbst aufteilen (Sykes-Picot-Abkommen und Balfour-Deklaration).

Bereits zu diesem Zeitpunkt stand aus der Sicht Großbritanniens eine Deportation der europäischen Juden in das damals von Großbritannien besetzte Palästina fest. Dies wurde im Anglo-Hedschas-Vertrag festgehalten, der von Sharif Hussain zutiefst abgelehnt wurde.

Nach der Konferenz von Kairo im März 1921 traf sich Minister Winston Churchill mit britischen Agenten im Nahen Osten. TE Lawrence wurde entsandt, um Sharif Hussain zu treffen, ihn zu bestechen und unter Druck zu setzen, um ihn vom Kolonialprojekt Großbritanniens in Palästina zu überzeugen.

Zunächst wurden 80.000 Rupien angeboten, was jedoch abgelehnt wurde. Lawrence bot ihm daraufhin eine jährliche Zahlung von 100.000 Pfund. Der Sharif weigerte sich jedoch weiterhin „Palästina an den britischen Zionismus verkaufen.“

Daraufhin drohte Lawrence, Sharif Hussain fallen zu lassen und von nun an den bis zu diesem Zeitpunkt eher weniger bedeutenden Ibn Saud zu unterstützen. Lawrence merkte an, dass das politische und militärische Überleben Hussains völlig abhängig sei vom politischen Willen Großbritanniens.

Ibn Saud und Palästina

Während der Verhandlungen mit Hussain traf sich Lawrence mit anderen Führern auf der arabischen Halbinsel und informierte diese darüber, dass man Ibn Saud und seine Wahhabiten „entfesseln“ werde, da diese nach britischen Interessen zu handeln bereit seien.

Gleichzeitig reiste Churchill nach al-Quds (Jerusalem) und traf sich mit Sharif Hussains Sohn Abdullah, dem Hussain unterstellten Herrscher Transjordaniens. Churchill forderte Abdullah dazu auf, seinen Vater von der Palästina-Idee zu überzeugen, anderenfalls werde man Ibn Saud gegen ihn „entfesseln“.

Ibn Rashid erweiterte im Sommer 1920 derweil sein Territorium nach Norden bis an die Grenzen Palästinas und des Irak. Die Briten waren besorgt über eine mögliche Allianz zwischen Ibn Rashid im Norden und Sharif Hussain im Westen, weshalb man die Landwege zwischen beiden Gebieten unter Kontrolle bringen wollte.

Auf der Konferenz von Kairo im Jahr 1921 stimmte Churchill mit dem Offizier Sir Percy Cox überein, dass Ibn Saud die Möglichkeit gegeben werden sollte, die Oasenstadt Ha’il zu besetzen.

Briten liefern Waffen an Wahhabiten

Ab Ende 1920 hatten die Briten Ibn Saud mit einem monatlichen Obolus von 10.000 Pfund in Gold überschüttet + einen weiteren Zuschuss. Er erhielt auch reichlich Waffenlieferungen, darunter 10.000 Gewehre und vier Feldgeschütze. Zusätzlich stellte man britisch-indische Ausbilder zur Verfügung.

Im September 1921 schließlich war es soweit. Die Briten ließen den inzwischen bis an die Zähne bewaffneten Ibn Saud die strategisch wichtige Stadt Ha’il besetzen. Nun kontaktierten die Briten ein weiteres Mal den Sohn Sharif Hussains für neue Gespräche über das zionistische Projekt in Palästina, mit neuer Verhandlungsbasis.

Doch es zeichnete sich ab, dass Sharif Hussain die Pläne niemals akzeptieren würde. Im März 1923 gewährten die Briten Ibn Saud einen zusätzlichen Jahreszuschuss in Höhe von 50.000 Pfund im Voraus, ein Jahr später brachen sie sämtliche Gespräche mit Sharif Hussain ab.

Innerhalb weniger Wochen begannen sich die Streitkräfte Ibn Sauds und die wahhabitischen Anhänger zu organisieren, um Sharif Hussain anzugreifen. Dies bezeichnete der britische Außenminister Lord Curzon als „letzten Kick“, um sich Sharif Hussains zu entledigen.

Bereits im September 1924 hatte Ibn Saud die Residenz Sharif Hussains, Ta’if, überrannt. Massaker wurden begangen, Frauen und Kinder hingerichtet. Ebenso traditionelle islamische Gelehrte aus den Moscheen. Die Sauds übernahmen Mekka und Medina, die heiligsten Orte des Islam. Mitte Oktober 1924 dankte Sharif Hussain ab und ging ins Exil.

Saudis entmachten Nachkommen des Propheten Mohammed

Ibn Saud begann mit der Belagerung von Jeddah im Januar 1925. Im Dezember 1925 ergaben sich die Nachkommen des Propheten Mohammed nach einer über 1000-jährigen Herrschaft den Wahhabiten.

Die Briten erkannten im Februar Ibn Saud offiziell als neuen König von Hedschas an. Andere europäische Mächte folgten innerhalb weniger Wochen. Der neue wahhabitische Staat wurde im Jahr 1932 in „Königreich Saudi-Arabien“ (KSA) umbenannt. Diese Bezeichnung geht angeblich auf einen gewissen George Rendel aus dem Foreign Office in London zurück.

Britische Propaganda

Auf der Propagandaebene diente den Briten die wahhabitischen Übernahme aus mehreren Gründen. Es wurde porträtiert, dass die Ibn Saud-Invasion ausschließlich religiösem Fanatismus entsprungen sei, und nicht der geopolitischen Strategie Großbritanniens. Diese Halbwahrheit wird seither verbreitet, zuletzt in Adam Curtis BBC-Dokumentation „Bitter Lake“.

Die Ibn Sauds wurden als wahhabitische Fanatiker dargestellt, die jedoch eine freundliche aber missverstandene Macht seien und lediglich den „Islam in seiner reinsten Form“ auf die Weltbühne zurückbringen wollten.

Bis heute hält der Westen an diesen Methoden fest. Etwa beim Krieg der Sowjetunion gegen Afghanistan mit den vom Westen finanzierten Mujahedin, oder in Syrien und seinen „moderaten“ Rebellen. Britische Historiker schildern Ibn Saud bis heute als „unabhängige Macht“, und nicht als Instrument zur Durchsetzung britischer Interessen.

Eine historische Allianz

Saudi-Arabien wäre ohne eine Zustimmung zur Gründung Israels heute ein ganz anderes Land mit einer anderen Regierung. Bis heute dient das Königreich den Interessen der Briten, die inzwischen von den USA abgelöst wurden, und Israel.

Vielleicht erklärt sich so ein Stück weit das beherzte Eingreifen Saudi-Arabiens in die inneren Angelegenheiten Syriens, was sich an der Grenze zu Israel befindet und bis heute den Zionismus ablehnt.

Dies erklärt möglicherweise auch die schweren Differenzen mit dem Iran, der gleichzeitig der historische Feind Israels ist. Israel und Saudi-Arabien, eine historische Allianz zweier völlig unterschiedlich geführter Staaten, die ohne die Geopolitik des Westens beide nicht existieren würden.

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mondoweiss

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