Geldpolitik: Steuern wir in die Hyperinflation?


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Erst kam die Immobilienkrise, dann brachen Banken zusammen, wirtschaftlicher Zusammenbruch drohte, Zentralbanken druckten Geld und überschwemmten den Markt mit vielen bunten Zetteln mit Wasserzeichen und aufgedruckten Ziffern und deren elektronischen Pendants. So in etwa kann man die vergangenen fünf Jahre der Krise kurz und bündig zusammenfassen, in den USA und wenig später auch in Europa und anderen Teilen der Welt. Die Krise konnte durch radikales Eingreifen in den freien Markt seitens Finanzpolitik und Zentralbanken überwunden werden, sind sich Experten aus Politik und Wirtschaft einig. Damit nun aber nicht gewaltige Preissteigerungen folgen, muss das viele Geld, also diese bunten Zettel, schnell wieder aus dem Markt gezogen werden. Das ist die eigentliche Kunst an diesem Spiel, das derzeit betrieben wird. Sonst werden diese Zettel in naher Zukunft an Wert verlieren, wie ein Tankstopp an irgendeiner der zigtausend Zapfsäulen in Ihrer und meiner Nähe bereits heute eindrucksvoll bestätigt.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Laut einer großen Zeitung aus Österreich hat der Dollar in den vergangenen 98 Jahren etwa 99,5% seines Wertes verloren (zum Abschnitt über das Vermögen Rockefellers scrollen und nachrechnen). Ein Dollar aus dem Jahre 1913 entspricht demnach heutigen 200 Dollar. So ganz kann ich das zwar nicht glauben, müsste der Preis für das seit Jahrhunderten kaufkraftstabile Gold in diesem Falle heute bei rund 4000 Dollar stehen. Doch sehen wir aus dieser Perspektive sehr deutlich, dass Regierungen und Zentralbanken mittel- und langfristig stets nichts anderes tun als Geld zu drucken und die Währung zu verwässern. Seit 1971 gibt es weltweit (bis auf die Schweiz) ausschließlich Papierwährungen. Ein mutiges Experiment, welches allerdings in naher Zukunft zu scheitern droht.


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Laut dem wohl berühmtesten Ökonomen und Geldtheoretiker des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes, der als Urvater unseres keynesianischen bzw. heutigen neokeynesianischen Finanzsystems gilt, ist Inflation, bzw. Papiergeld, nichts anderes als ein Besteuerungsmittel. Zwar gilt er unter Anhängern anderer Ökonomien aufgrund des Zitats „Gold ist ein barbarisches Delikt“ teilweise als verpöhnt, doch wer seine Bücher gelesen hat weiß, dass er selbst Anhänger des gelben Metalls war und den Wert des Papiergeldes stets an diesem maß, und nicht umgekehrt. Das oben genannte Zitat wurde in Bezug auf deutsche Reparationszahlungen in der Hyperinflation von 1923 lediglich aus dem Zusammenhang gerissen.

In seinen Büchern beschrieb Keynes anhand einiger Beispiele, dass nach dem Drucken von ungedecktem Papiergeld, wie es heute in gigantischem und nie dagewesenem Ausmaß betrieben wird, immer eine dementsprechende Teuerung folgen muss. So schlussfolgerte er in seinem Buch „Ein Traktat über Währungsreform“:

Wir wollen unterstellen, dass sich 9 Millionen Kassenscheine im Umlauf befinden, und dass sie insgesamt den Gegenwert von 36 Millionen Golddollars ausmachen. Man unterstelle, dass eine Regierung weitere 3 Millionen Noten druckt, so dass der Betrag an Währungsgeld jetzt 12 Millionen ausmacht; dann sind gemäß der obigen Theorie die 12 Millionen Noten immer noch der Gegenwert von 36 Millionen Dollars. Im ersten Fall ist daher jede Note gleich 4 Dollar, im zweiten Fall jede Note gleich 3 Dollar. Folglich sind die 9 Millionen Noten, die ursprünglich in den Händen der Bevölkerung waren, nunmehr 27 Millionen Dollar wert anstatt 36 Millionen und die von der Regierung ausgegebenen 3 Millionen Dollar sind 9 Millionen Dollar wert. So hat die Regierung durch das Drucken der zusätzlichen Noten von der Bevölkerung in ihre eigene Kasse einen Betrag von Mitteln im Gegenwert von 9 Millionen Dollar übergeleitet, genau so wirksam, als wenn sie diesen Betrag per Steuern erhoben hätte.


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So einfach ist das, liebe Leser. So und nicht anders! Wenn also die Federal Reserve verkündet, Anleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar zu „kaufen“, dann bedeutet nichts anderes als oben Zitiertes. Der Goldpreis zeigt den Wertverlust des Dollars und jeder anderen Währung und deren Kaufkraft an. Das war früher der Fall und so ist es auch heute. Punkt. Und während die Geldentwertung der Notenvermehrung normalerweise hinterherhinkt, dreht sich dieses Verhältnis in einer starken Inflation bzw. einer Hyperinflation sogar um. Beispiel deutsche Hyperinflation:

DeutschlandNotenumlauf in Milliarden PapiermarkAnzahl von Papiermark in GoldmarkWert des Notenumlaufes in Mrd. Goldmark
Dezember 192081174,8
Dezember 1921182462,7
März 1922140652,2
Juni 1922180902,0
September 19223313490,9
Dezember 1922129211780,7
Februar 19232266112000,2
März 1923495649501,0
Juni 192317000450000,4
August 192311600010000000,116

…..

Wir sehen also, dass die Goldmark, also Gold, gemessen an allem existierenden Papiergeld in der Vergangenheit in einer starken Inflation kurzzeitig sogar enorm an Kaufkraft gewann. Die Enteignung durch das Drucken von Banknoten funktioniert laut Keynes am besten an jenem Zeitpunkt, an dem die Möglichkeit einer Erholung erwartet wird und die Bevölkerung noch nicht ahnt was ihr bevorsteht. Die Erfahrung zeigt, dass die Bevölkerung im allgemeinen nur sehr langsam die Lage begreift und den Ausweg aus der Situation findet. Die Menschen sind anfangs der Meinung, dass massive Preissteigerungen nur vorübergehend sind, darum Geld horten und Anschaffungen hinausschieben.


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In Phase II begreifen die Menschen allmählich die Lage und beginnen sich in übermäßigem Ausmaß von ihren Noten zu trennen, was man als „Crack-Up-Boom“ bezeichnet. Viele Bürger begehen hier den Fehler, dass sie sich zusätzlich verschulden, um sich möglichst viele Sachwerte zu sichern. Die weit verbreitete Idee dahinter: „Die Inflation frisst meine Schulden auf„. Diese Menschen werden dabei größtenteils unter die Räder kommen, sei es durch exorbitante Schuldzinsen, welche die Inflationsrate noch übersteigen, oder durch übertriebene Forderungen nach Sicherheiten seitens der Bank (einen sehr guten Artikel zum Thema finden Sie hier: „Entschuldung per Inflation„).

Nach Keynes sind extreme Besteuerungen durch Inflation in der Anfangsphase für die Regierungen besonders ergiebig. Wenn die Bevölkerung aber durch enorme Preissteigerungen mißtrauisch wird, dann bricht die Währung in ungeahntem Tempo aufgrund mangelnder Akzeptanz zusammen. Keynes beobachtete während der Hyperinflationen in Deutschland, Österreich und der Sowjetunion im 20. Jahrhundert, dass der Wert der Notenausgabe plötzlich um vier Fünftel fällt, wenn das Geld nur noch für Kleinhandelsgeschäfte verwendet wird. Hat die Regierung ihre Finanzprobleme also nicht vor diesem Zeitpunkt gelöst und zieht die Zentralbank das Geld nicht wieder aus dem Markt, ist eine Teuerung und somit starke Belastung oder gar Zerstörung der Währung unausweichlich.

Hoffen wir also, dass uns unsere Finanzpolitiker, Notenbanker und Experten aus diversen Denkfabriken nicht nur leere Versprechungen geben, wenn sie verkünden, dass Euro und Dollar durch billionenschwere Rettungspakete in naher Zukunft einen selbsttragenden Aufschwung erleben werden. Denn glaubt die breite Masse der Bevölkerung nicht mehr an eine Verbesserung der Lage, dann hilft auch das Drucken von noch mehr Banknoten nicht mehr weiter.

Übrigens stehen wir gerade an einem möglichen Wendepunkt in der Geldpolitik: Da sich allmählich die Preise für Benzin, Einkäufe und alles andere derzeit außergewöhnlich stark erhöhen, zu deutsch: da sich unsere Währung aufgrund der Gelddruckerei in ihrem Wert verringert, müssen sich etwas zeitverzögert auch die Einkommen dementsprechend erhöhen. Tun sie das nicht, droht der Bevölkerung eine großflächige Verarmung. Ziehen die Löhne nach, ist eine weitere Teuerung die Folge. Pest oder Cholera? Die Notenbanken stehen vor einer schweren Aufgabe, und es ist sicherlich in unser aller Interesse, dass die Probleme schnell gelöst werden. Denn noch befinden wir uns in der oben beschriebenen Anfangsphase: Ein Großteil der Bevölkerung erwartet eine baldige Erholung bzw. hat sie den Ernst der Lage noch nicht erkannt, unter anderem aufgrund extremer PR durch die Massenmedien (Aufschwung XL usw…). Aber wie lange wird das noch funktionieren?


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6 Comments

  1. Sehr guter Artikel,

    wenn doch die Menschen erst einmal verstehen würden, das Inflation eine Art der Besteuerung ist, wäre schon viel gewonnen. Aber unsere Politiker scheinen kein Interesse zu haben, dass so etwas in der Schule vermittelt wird. Einen Punkt würde ich noch gern ergänzen. Die tatsächliche inflation liegt höher als es uns die vom Staat bezahlten Statistiker glauben machen wollen.

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