Frankreichs Autoindustrie seit Euro-Einführung halbiert

Seit der Einführung des Euro ist Frankreichs Automobilbranche völlig zusammengebrochen. Werden es am Ende die Franzosen sein, die die Währungsunion auflösen?

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Euro, EZB in Frankfurt, Bild: Gegenfrage.com

Für viele Menschen ist der Automobilsektor ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Leistung eines Landes. Frankreich, einst weltweit führend in der Automobilbranche, hat seit der Einführung des Euro massiv an wirtschaftlichem Stellenwert verloren. Global Analysis from the European Perspective (Gefira) beschreibt Frankreichs Automobilbranche als „sterbende Industrie“, die das gesamte Land oder gar die Europäische Union lahmlegen könnte.

Es handelt sich dabei um eine Branche, die für reales Wirtschaftswachstum sorgt. Frankreichs Wohlstand beruhte in der Vergangenheit nicht auf dem Hin- und Herschieben von Billionen, sondern auf realen Gütern. Wir erinnern uns: Vor allem Frankreich setzte sich für die Einführung des Euro ein. Etwa als Gegengewicht zur Hegemonie des US-Dollars und um die Deutsche Mark aus dem Rennen zu nehmen. Der Euro sollte die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen steigern, den Binnenmarkt stärken und die Wirtschaft sollte in dem neu entstehenden riesigen Handelsraum prosperieren.

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Nach OICA-Daten hat sich die globale PKW-Produktion zwischen 1997 und 2015 von jährlich 53 Millionen produzierten Fahrzeugen auf 90 Millionen fast verdoppelt. Deutschland konnte seine Produktion in diesem Zeitraum immerhin um 20 Prozent von fünf auf sechs Millionen Fahrzeuge steigern. Frankreich hat sein Output gleichzeitig von vier auf zwei Millionen Fahrzeuge verringert.

Laut Eurostat ist die Industrie heute für 14,1 Prozent des französischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich (ohne Baugewerbe). Im Jahr 1995 waren es noch 19,2 Prozent. In Deutschland sind es 25,9 Prozent, EU-Durchschnitt ist 19,2 Prozent. Der Anteil der Industrie an der Gesamtbeschäftigung beträgt 11,9 Prozent. Auch hier liegt Frankreich wieder unter dem EU-Durchschnitt von 15,4 Prozent, in Deutschland sind es sogar 18,8 Prozent.

Obwohl sich Frankreich dereinst vehement für den Euro einsetzte, könnte es aufgrund der sehr negativen Entwicklungen am Ende die Franzosen sein, die die Währungsunion eines Tages auflösen, schreibt Gefira abschließend.

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1 Antwort

  1. Kane sagt:

    Ich glaube das liegt auch der mangelhaften Konkurrenzfähigkeit der französischen Automobile. Im Oberklassesegment bieten sie rein gar nichts an und mit den Kleinwagen lässt sich relativ wenig verdienen. Selbst die Mittelklasse bietet nicht wirklich aufregendes aus Frankreich. Übrigens ganz ähnlich wie Opel oder Ford in D. Sie verschwinden bis auf ihre Golf-Konkurrenzmodelle immer mehr in der Bedeutungslosigkeit.
    Die Oberklasse beherrschen deutsche Hersteller und Mittelklasse abwärts immer mehr die Asiaten, die preislich noch attraktiv sind.
    Ich wundere mich schon länger, dass Europa und besonders Deutschland noch immer so eingleisig auf die Autoproduktion fixiert ist und sich nicht viel stärker – wie die Franzosen mit ihrem TGV auf alternative Verkehrsmittel konzentrieren.

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