EuroThinkTank: „Euro ist vielleicht schon verloren“


Eurozone/Finnland/Wirtschaft

Laut dem EuroThinkTank aus Finnland gibt es verschiedene Möglichkeiten, um die Eurokrise zu bewältigen und damit den Euro zu retten. Jede einzelne davon sei jedoch „sehr unwahrscheinlich“, schreibt der stellvertretende Vorsitzende Tuomas Malinen in einem Gastartikel in der Huffington Post.

Euro
Euro Symbol, EZB in Frankfurt/Main, Bild: Gegenfrage.com

Die Eurozone befindet sich in einer Pattsituation. Um die Probleme der Währungsunion zu lösen wäre eine zentrale Regierung nötig. Dafür gibt es jedoch keine öffentliche Unterstützung. Oder aber man müsste zur nationalen Geldpolitik zurückkehren. Dies wiederum würde zu Staatsbankrotten und Austritten aus dem Euro führen.

Halbherzige Lösungen sind teuer, verschleiern die Probleme und sind unzureichend. Das Schicksal des Euro könnte aus diesem Grund bereits besiegelt sein. Dies schreibt Tuomas Malinen, stellvertretender Vorsitzender von EuroThinkTank, über den Euro. Lebensbedingungen in Italien und Griechenland seien unter dem Niveau, als vor deren Beitritt zur Währungsunion.

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Und Finnland sei das einzige nordische Land, das den Euro eingeführt hat. Gleichzeitig ist es das einzige nordische Land, das sich noch nicht vom Finanzkrise von 2008 erholt hat. Der Euro werde „fast sicher scheitern“, es sei nur eine Frage des Timings. Die verschiedenen Wachstumswerte seien ein Symptom für ein allgemeines Problem, das Währungsunionen seit Jahrhunderten verfolgt.

Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität entwickeln sich in verschiedenen Ländern unterschiedlich, was im Laufe der Zeit zu großer Konkurrenz zwischen den Mitgliedern einer Währungsunion und letztendlich zu einem „asymmetrischen Schock“ führt. Dieser könne durch Transferleistungen von wohlhabenden zu abstürzenden Ländern gemindert werden.

Während der Großen Depression in den USA drohte die Dollar-Union auseinander zu brechen. Dies hat Washington seinerzeit durch derartige Transfers zwischen den US-Bundesstaaten gelöst.

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Unterschiede der Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Eurozone

Nach Angaben der EZB hat sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft um rund 19,3 Prozent erhöht. Die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands hingegen hat sich seit 1999 um 6,5 Prozent, Frankreich um 3,9 Prozent, Finnland um 1,7 Prozent und Italien um 0,9 Prozent erhöht (laut EZB).

Daher sind die Unterschiede der Wettbewerbsfähigkeit groß. Für das Überleben in seiner jetzigen Form und Größe benötigt die Eurozone ein ähnliches Übertragungssystem, d.h. eine volle politische Union, wie in den USA.

Laut einer aktuellen Umfrage wollen 40 Prozent der Finnen die Eurozone verlassen. In den Niederlanden sind 47 Prozent gegen einen Verbleib im Euro oder können sich nicht entscheiden.

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Wegen der anhaltenden Unterschiede der wirtschaftlichen Entwicklungen zeichnet sich ab, dass die Transfers von Geldern innerhalb der Eurozone zum Dauerzustand werden, wie es in den USA teilweise bis heute der Fall ist. Und das dürfte an der mangelnden Unterstützung der nationalen Regierungen scheitern.

Plan für einen Austritt Finnlands aus der Eurozone

Malinen schrieb eine Email an das Portal Mishtalk. Darin schrieb er, dass EuroThinkTank derzeit an einem Plan arbeitet, wie Finnland die Eurozone verlassen könnte. Man spiele verschiedene Szenarien zur Bewältigung der Eurokrise durch, doch seien alle Möglichkeiten „sehr unwahrscheinlich“.

Der EuroThinkTank ist eine finnische Arbeitsgruppe, bestehend aus Wirtschaftswissenschaftlern, Finanzfachleuten und Statistikern, die die Ursachen der Eurokrise bewerten und Prognosen zum Euro erstellen.

Quellenangaben anzeigen
eurothinktank, huffingtonpost, mishtalk

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2 Comments

  1. Wie können die Finnen nur mit so wenig Sätzen soviel Wahrheit
    schreiben.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

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