An diesem Tag
22.09.1980: Beginn des Ersten Golfkriegs


Geschichte/Irak/Iran

Am 22. September im Jahr 1980 begannen die ersten direkten Kampfhandlungen zwischen dem Iran und dem Irak. Saddam Hussein plante einen wenige Wochen dauernden „Blitzkrieg“, der sich zu einem der längsten Stellungskriege der jüngeren Geschichte entwickeln sollte. Die USA, Europa und die Sowjetunion lieferten Waffen an beide Seiten und beteiligten sich teilweise an den Gefechten.

Erster Golfkrieg 1980 Iran Irak Saddam Hussein, Bildquelle: Youtube
Flaggen Iran, Irak (1980), Sowjetunion, USA, alle gemeinfrei

An diesem Tag im Jahr 1980 begannen erste gegenseitige militärische Aktivitäten zwischen dem Irak und dem Iran. Grund dafür waren Grenzstreitigkeiten, da Großbritannien und Frankreich im Zuge des Sykes-Picot Abkommens ohne historischen Bezug willkürlich Grenzen mit dem Lineal zogen. Der Erste Golfkrieg gilt als Stellvertreterkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)

Durch die Islamische Revolution war der Schah gestürzt worden, eine der Hauptstützen der Nahost-Politik der USA. Noch in den 1970er-Jahren versuchten die USA das Schah-Regime dafür zu benutzen, den immer mächtiger werdenden Irak zu bremsen. Nach der Revolution wurde Freund zu Feind und Feind zu Freund.

Irak, der neue „Gendarm für US-Interessen“?

Laut Prof. Ramadani von der Universität Virginia benötigten die USA einen neuen „Gendarm für US-Interessen“ im Nahen Osten. Eine Rolle die nach der Islamischen Revolution im Iran von nun an der Irak einnehmen sollte.

Auch der damalige ägyptische Verteidigungsminister Abu Ghazala bezeichnete die Schwäche des Iran als „einmalige Gelegenheit“ für den Irak, das regionale Gleichgewicht zu eigenen Gunsten zu kippen. Zum ersten mal nach mindestens einem Jahrzehnt war der Irak dem Iran militärisch überlegen.

Der Irak erkannte die durch die Islamische Revolution bedingte Schwächung des Iran und sah eine günstige Gelegenheit, seine Ziele militärisch durchzusetzen. Der damalige Staatspräsident des Irak, Saddam Hussein, befürchtete zudem, irakische Schiiten könnten, motiviert durch die Islamische Revolution im Nachbarland, auch im Irak nach der Macht greifen.

Aus Sicht des neuen iranischen Staatsoberhaupts Ruhollah Musawi Chomeini war Saddam Hussein nichts anderes als ein weiterer Schah. Viele Iraner sahen darum im Ersten Golfkrieg zunächst nur eine Fortsetzung der Islamischen Revolution. Zudem hatte Chomeini selbst noch eine Rechnung mit dem Irak offen, wo er zuvor unter Hausarrest stand und ausgewiesen wurde.

Zusätzlich wurde die ganze Situation destabilisiert, da die US-Regierung den Iran sanktionierte und die Sowjetunion nach Afghanistan einmarschierte. Auch in Palästina gab es Kämpfe, weshalb es unmöglich war, die globalen Militärmächte aus dem Konflikt herauszuhalten.

Brzezinski droht mit Intervention

Brzezinski, Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, kündgte im Falle eines offenen Krieges zwischen dem Iran und dem Irak eine amerikanische Intervention in den Golfkrieg „mit geeigneten Maßnahmen“ an. Moskau warf Bagdad vor, Gegner des Iran mit Waffen auszurüsten.

Chomeini sagte, Hussein stehe „im Dienst des großen Teufels“ und werde „auf dem Müllhaufen der Geschichte enden.“ Israel nutzte das Chaos und zerstörte im Juni 1981 völkerrechtswidrig den im Bau befindlichen irakischen Atomreaktor in Osirak.

Bereits im Vorfeld des Golfkrieges tobte ein heftiger Propagandakrieg zwischen Bagdad und Teheran, wilde Provokationen waren an der Tagesordnung. Beispielsweise entsandte der Irak im April 1980 40.000 Soldaten an die Grenze zum Iran. Chomeini schickte im Gegenzug 210.000 Soldaten an die iranische Seite der Grenze.

Es fanden erste Kämpfe mit dem Einsatz von Panzern und der Luftwaffe statt. Im Irak begann die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von zehntausenden Schiiten. Am 17. September 1980 kündigte Saddam Hussein das Abkommen von Algier und beanspruchte die volle Souveränität über den Fluss Arvandrud, der zum Teil die Grenze beider Staaten bildet.

Irak setzt Giftgas ein

Zehntausende iranische Soldaten und Zivilisten kamen während des Golfkrieges durch Giftgas-Einsätze ums Leben oder wurden für den Rest ihres Lebens entstellt. Im Februar 1985 starben bei einem Giftgasangriff fast 50.000 Iraner.

US-Präsident Ronald Reagan war darüber von Anfang an bestens informiert, hielt die Informationen jedoch unter Verschluss, da der Irak der wichtigsten arabische Verbündete und Öllieferant der USA war. Im letzten Kriegsjahr lieferte Washington sogar Zieldaten für vier Chemiewaffenangriffe gegen die iranische Truppen.

Am 16. März 1988 bombardierte Iraks Luftwaffe die hauptsächlich von Kurden bewohnte irakische Stadt Halabdscha mit Giftgas. 5.000 Menschen starben qualvoll, hauptsächlich Zivilisten. Die meisten Kurden unterstützten den Iran, zudem gab es einige regierungsfeindliche kurdische Guerillas, wie etwa die Peschmerga.

Die Regierung in Bagdad bestrafte die kurdischen Bewohner von Halabdscha, weil sie sich nicht gegen die Eroberung der Stadt durch iranische Truppen gewehrt, sondern die Perser auch noch mit Jubel begrüßt hatten, sagte ein Bagdader Regierungssprecher diesbezüglich. Irans Chomeini bezeichnete Hussein als „Tier, das sein eigenes Volk chemisch bombardiert“.

West und Ost profitieren von Waffendeals

Die USA, Großbritannien, China und die Sowjetunion belieferten vor und während des Golfkrieges beide Konfliktparteien in erheblichem Umfang mit Waffen. Kurz vor Beginn des Krieges hatte der Irak einen milliardenschweren Waffendeal mit Frankreich unterzeichnet.

Im Jahr 1983 erfuhr die britische Regierung von Saddams Bemühungen, Senfgas zu produzieren. Involviert war eine britische Firma namens Weir Pumps. Die Thatcher-Regierung vergab zudem Versicherungsgarantien an eine britische Tochtergesellschaft einer deutschen Firma, die eine Senfgas-Produktion in Fallujah aufbaute.

Allerdings hat „kein anderes Land den Irak beim Bau von Rüstungsanlagen in dem Maße unterstützt und geholfen, ein umfassendes C-Waffen-Arsenal aufzubauen wie Deutschland“, so die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl.

60 Prozent des irakischen Giftgases wurden angeblich mit deutscher Technik hergestellt. Ab 1983 starben die Menschen zunächst durch Senfgas, bis Kriegsende kamen auch die Nervengase Sarin und Tabun zum Einsatz.

USA schaffen Gründe für Intervention

Im Mai 1987 griff die irakische Luftwaffe die US-Fregatte USS Stark an, die unter kuwaitischer Flagge unterwegs war. Die USA beschuldigten den Iran des Vorfalls, obwohl dieser nachweislich nichts damit zu tun hatte, und entsandten Kriegsschiffe in die Region. Im Juli 1988 schoss die US Navy ein iranisches Passagierflugzeug ab, zur gleichen Zeit zerstörten die USA zwei iranische Öl-Plattformen.

Saddam hatte einen kurzen „Blitzkrieg“ geplant. In einigen Prognosen wurde der Sturz der Islamischen Republik sogar innerhalb einer Woche vorausgesagt, da keine der beiden damaligen Supermächte die Regierung im Iran unterstützte.

Doch entwickelte sich der Konflikt zu einem der längsten Stellungskriege der jüngeren Geschichte. Der Iran verlor bis zu 500.000 Menschen, die Opferzahlen schwanken je nach Quelle stark. Weitere 500.000 Menschen wurden zu Invaliden, was die Wirtschaft des Iran bis heute belastet. Der Irak beklagte bis zu 375.000 Tote.

Waffenstillstand

Am 18. Juli 1988 erklärte sich Chomeini bereit, die Resolutionen 582 und 598 und damit einen Waffenstillstand anzuerkennen. Saddam Hussein hatte die Resolutionen bereits zuvor anerkannt. Somit besteht seit dem 20. August 1988 ein Waffenstillstand. Für beide Staaten, insbesondere für den Irak, endete der Krieg in einem wirtschaftlichen Ruin. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht.

Insgesamt wurden 52 Städte beschädigt, davon sechs völlig zerstört und weitere 14 Städte zu mindestens 50% beschädigt. 4.000 Dörfer verschwanden von der Landkarte, bis heute liegen 16 Millionen irakische Minen auf einer Fläche von 600.000 Hektar im Iran.