1940er Jahre: USA wollten 300 Atombomben über Russland abwerfen


Archiv/China/Russland/USA

Zwischen den 1940er- und 1960er-Jahren warteten die USA laut einem erst Jahrzehnte später freigegebenen Geheimdokument förmlich nur auf den geringsten Anlass, um die Sowjetunion und China nuklear anzugreifen. Selbst ein „versehentlicher Vorfall“ hätte als Grund dafür ausgereicht. Laut einem Operationsplan der USA sollten auf einen Schlag mindestens 285 Millionen Menschen in der Sowjetunion, Osteuropa und China ausgelöscht werden.

„Castle Romeo“ von United States Department of Energy - This image is available from the National Nuclear Security Administration Nevada Site Office Photo Library under number XX-33.This tag does not indicate the copyright status of the attached work. A normal copyright tag is still required.. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.
Castle Romeo“ von United States Department of Energy – Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Ein im Jahr 2012 veröffentlichtes Geheimdokument aus den 1960er-Jahren zeigt, dass die USA einen „nuklearen Angriff“ gegen Russland und China geplant hatten für den Fall eines Angriffs eines der beiden Länder auf die USA, selbst wenn es sich dabei nur um ein Versehen gehandelt hätte. Das Dokument wurde am Mittwoch in Washington von den National Security Archives veröffentlicht. Das Protokoll war bis 1968 in Kraft.

Die US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten Lyndon Johnson ordnete eine Überprüfung an, worauf dieser Plan eingestellt wurde. Johnsons Berater empfahlen dabei angeblich zwei wesentliche Änderungen an der derzeitigen Politik: Zunächst forderten sie eine „nukleare Reaktion“ nur gegen Staaten, die die USA direkt angreifen. Zudem riefen sie die Regierung zu einer „No first-use“-Politik auf. Ein konventioneller Angriff solle also nicht nuklear beantwortet werden.

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Das Protokoll mit der Aufschrift „nur für die Augen des Präsidenten“ wurde Ende November 2012 an das National Security Archive übergeben und erstmals für die Öffentlichkeit freigegeben. Dem gingen allerdings atemberaubende militärische Planungen Großbritanniens und der Vereinigten Staaten voraus, wie man heute weiß.

Winston Churchills „Operation Unthinkable“

Nur wenige Wochen nach der Niederlage Deutschlands plante Großbritannien zudem eine Invasion der Sowjetunion, „um Russland den Willen der Vereinigten Staaten und des britischen Empire aufzuerlegen.“ Es wurde intensiv an Plänen gearbeitet, um die Sowjetunion rasch zu zerschlagen, wenn nötig auch mit Hilfe eines massiven Atomschlags. Churchill drängte auf einen Atomschlag gegen die durch den Krieg geschwächte Sowjetunion. Churchills Vorschlag traf in der Politik und beim Militär der USA auf offene Ohren.

Churchill legte als Angriffstermin den 01. Juli 1945 fest. Um der zahlenmäßig überlegenen Roten Armee zu begegnen sollten zudem 100.000 Soldaten der deutschen Wehrmacht an der Seite Großbritanniens und der USA gegen die Sowjetunion kämpfen. Britische Militärs bezeichneten den Plan jedoch als nicht durchführbar, weshalb die ganze Aktion abgeblasen wurde.

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Dennoch hielt man an der Idee fest: Zwischen 1945 und 1949 entwickelte das Pentagon mindestens neun Pläne für einen Atomangriff auf die UdSSR. Dies schrieben Dr. Michio Kaku und Daniel Axelrod in ihrem Buch „To Win a Nuclear War: the Pentagon’s Secret War Plans“, wofür die beiden US-Forscher heute freigegebene Geheimdokumente aus dieser Zeit durchforsteten. Im Jahr 1949 wurde Operation Dropshot ins Leben gerufen, der Plan für einen „Erstschlag“ der USA gegen die Sowjetunion.

Das Pentagon plante die Zerstörung der Sowjetunion ohne einen Schaden für die Vereinigten Staaten. Mindestens 300 Atombomben und 20.000 Tonnen konventionelle Bomben sollten dem Plan zufolge auf 200 Ziele in 100 städtischen Gebieten abgeworfen werden, einschließlich Moskau und Leningrad (St. Petersburg). Darüber hinaus wurde „ein großer Land-Feldzug gegen die Sowjetunion“ geplant, um gemeinsam mit europäischen Verbündeten einen „vollständigen Sieg“ über die Sowjetunion zu erlangen. Starttermin für den Angriff war der 1. Januar 1957.

Nicht genügend Atombomben

Für lange Zeit war das einzige Hindernis für die massive nukleare Offensive schlichtweg der Umstand, dass das Pentagon nicht genügend Atombomben zur Verfügung hatte, um den Plan in vollem Umfang durchzuführen. 1948 verfügte Washington über ein Arsenal von 50 Atombomben und nur 32 B-29 Bomber, die in der Lage waren diese abzuwerfen. Im September 1948 unterzeichnete US-Präsident Truman ein Papier des Nationalen Sicherheitsrats (NSC 30) mit dem Titel „Policy on Atomic Warfare“. Darin wurde erklärt, dass die Vereinigten Staaten bereit sein müssten, zeitnah und effektiv alle verfügbaren geeigneten Mittel, einschließlich Atomwaffen, einzusetzen, um dem Interesse der nationalen Sicherheit nachzukommen.“

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Doch blieb die Sowjetunion nicht tatenlos und arbeitete mit Hochdruck an entsprechenden Gegenmaßnahmen. Am 29. August 1949 erfolgte der erste sowjetische Atombombentest, was die Pläne der USA zunächst auf Eis legte. Irgendwann im Jahr 1960 wurden die US-Nuklearkriegspläne in einem einzigen Operationsplan formalisiert, dem Single Integrated Operational Plan (SIOP). Dieser sah einen massiven Atomschlag gegen die Sowjetunion, China und Osteuropa vor.

3.500 Atombomben sollen 285 Millionen Menschen töten

Die strategischen Streitkräfte der USA planten fast 3.500 Atomsprengköpfe ein, um ihre Ziele zu bombardieren. Nach Schätzungen von US-Generälen hätte der Angriff den Tod von mindestens 285 Millionen Menschen, höchstens 425 Millionen Menschen bedeutet. Einige der europäischen Verbündeten der UdSSR wären dadurch „komplett ausgelöscht“ worden. „Wir sind gerade dabei Albanien auszulöschen“, scherzte US-General Thomas Power während einer Planungskonferenz des SIOP.

Allerdings führte die Kennedy-Regierung bedeutende Änderungen an dem Plan ein und bestand darauf, dass nach Möglichkeit keine sowjetischen Städte bombardiert werden sollten. Die Nuklearstreitkräfte sollten sich nicht auf die Ermordung von Zivilisten, sondern auf ihre Rivalen konzentrieren. Im Jahr 1962 wurde der SIOP dahingehend geändert, jedoch wurde noch immer ein Atomschlag erwägt, der Millionen Menschen das Leben gekostet hätte.

All dies führte zu einem Wettrüsten mit der Sowjetunion. Über insgesamt 70.000 Atomsprengköpfe verfügten die beiden Militärmächte zeitweise zusammengerechnet. Bis heute sind die Vereinigten Staaten die einzige Nation, die jemals Atomwaffen gegen ein anderes Land eingesetzt hat (Hiroshima und Nagasaki).

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Quellenangaben anzeigen
presstv, sputniknews

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10 Comments

  1. wieder ein Zeichen dafür, dass das Imperium ziemlich gaga ist. Braucht´s noch weitere Nachweise? Der Globus braucht solchen Dreck nicht und langsam fängt er ja an zu faulen, von innen heraus. Das ist gut, denn das beschäftigt es und läßt hoffen, dass die friedliche Welt davon profitiert.

  2. Bei der Menge hätte das US Mutterland den vollen radioaktiven Fallout bekommen, und nicht nur die Minimalwerte wie nach Fukushima, die schon große Panik an der US Westcoast auslösten. Und in welche Richtung zog damals die Radioaktivität nach dem Unfall in Tchernobyl? (Vergleichsweise harmlos zu 300 Bomben)

    Darf man inzwischen die Pilze aus polnischen und bayerischen Wäldern wieder gefahrlos essen?

    Es wird bei einem atomar geführten Weltkrieg keine Gewinner geben, sondern nur Verlierer. Das wäre quasi das Ende der Welt, was höchstens die Paranoiden befriedigen könnte, welche an die Texte des uralten Märchbuches glauben. Prophezeiung eingetroffen!

    Weil es so schön zum Thema passt und für neue Leser hier, erlaube ich es mir hier erneut meine modernisierte Textversion eines alten Gebetes einzustellen :

    Führer unser der du bist in Amerika
    gepriesen werde deine Friedfertigkeit
    Dein Marschflugkörper komme
    Dein Tötungsbefehl geschehe
    wie im Himmel so auf Erden
    Unsere Food-Stamps gib uns heute
    und vergib uns unsere Schulden
    die wir den Banken schuldig sind
    Führe uns nicht zur Wahrheit
    sondern erlöse uns von den Terroristen
    Denn dein ist die Demokratie
    und die Militärmacht
    und die Atomkraft
    bis in die verstrahlte Ewigkeit
    Amen

  3. So kann ein jeder mit Verstand, sich ausrechnen an einer Hand, was das doch für Friedensstifter sind, bis heut erkennt es bald jedes Kind.
    Oft muß man schon eingestehen, daß die Roten diese Ganoven schon recht deutlich betitelt hatten.

  4. Sollte man nicht die politischen und militärischen Pläne der USA in das DSM aufnehmen? Dort würden sie neben dem Den Haager Gerichtsaktenschrank auch sehr gut hinein passen.

  5. Das kann aber zur Kubakrise 1962 schon nicht mehr gegolten haben. Sie Sowjets hatten mehrere U- Boote mit nuklearbestückten Raketen in den Raum Kuba entsandt, um die sowjetischen Raketen auf Kuba zu schützen. Die Amerikaner bombardierten die U- Boote und zwangen diese zum Auftauchen. Bei einem dieser Boote war allerdings die Funkanlage ausgefallen und der Kapitän wähnte sich im Krieg.
    Er befahl, alle Raketen abzufeuern und nicht aufzutauchen.
    Ein Offizier unter der Mannschaft überwältigte den Kapitän und schließlich fesselte die Mannschaft den Kapitän und dann tauchte man auf. Das hat der Welt den Nuklearkrieg bereits 1962 erspart- deutsche Fernsehzuschauer kennen die Geschichte.
    Allerdings war Kennedy durchaus zum Weltkrieg bereit, wie sein Ultimatum an Moskau in diesen Tagen beweist. Die Sowjets gaben nach und der Krieg fiel aus.

  6. Zusammenfassend:
    Die Spionage, mit der die Geheimnisse über den Bau der Atombombe verraten wurden, hat uns vor einem Krieg bewahrt, denn die USA überfallen nur Länder, bei denen sie sich ausrechnen können, dass sie gewinnen können.
    Dabei haben die USA in den letzten Jahrzehnten mehr Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen, als die Nazis, die für ihre Untaten gehängt wurden.
    Aber der deutsche Michel lässt sich heute noch einreden, das die Russen die Bösen sind und Sanktionen verhängt werden müssen, während die USA den Ankauf von Raketentriebwerken in Russland verdoppelt haben.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  7. Den ersten Teil verstehe ich zwar nicht, weil es keine Geheimnisse zum Bau einer Atombombe gibt. Dies ist vielmehr ein komplizierter Entwicklungsprozess, der keinesfalls in einem Dossier untergebracht und dann verraten werden könnte.
    Es gibt wirklich ernstzunehmende Hinweise darauf, dass die beiden Atombomben auf Japan im August 1945 „deutsche“ Atombomben waren. Diese wurden im Mai 1945 von den Amerikanern fast fertig vorgefunden, es fehlte nur noch das Schwere Wasser.
    Im letzten Teil gebe ich Dir unbedingt Recht.
    Es ist schon extrem schlimm, wenn gestern in den USA Fox News den russischen Präsidenten als Mörder bezeichnet und Trump selber Putin als „Anführer“ (und nicht etwa Präsidenten) bezeichnet. Putin hatte sich doch nicht selbst eingesetzt, sondern wurde vom Volk gewählt.

  8. Nachtrag: Praktisch alle deutschen Wissenschaftler die direkt oder indirekt mit Waffentechnik zu tun hatten (besonders dem Bau der Atombombe) wurden 1945 für die Siegermächte zwangsverpflichtet. Die besten und zahlreichsten Wissenschaftler wurden in die USA verbracht, die unbedeutendsten blieben für die Sowjetunion. Z.B. Manfred von Ardennne, der aber in der Hierarchie der deutschen Wissenschaftler weit hinten rangierte. Auch die Raketentechnik, mal unabhängig von der Atomtechnik, verdanken die Amerikaner dem Deutschen Werner von Braun. Na und den Düsenantrieb bei Flugzeugen (von den Deutschen damals noch Strahlantrieb genannt) sowieso.

  9. Wieder mal die typische Marxistische Weichspülung bei den Kommentaren.

    STALIN war 10x das Monster als das Hitler verschrien ist und stand diese ganze Zeit kurz davor die Rote Armee und die der Ostblock Vasallen über den Westen (&Jugoslavien) herfallen zu lassen.

    Die „rote Gefahr“ war mitnichten nur ein Propagandatrick.

    Naja und man sieht ja an unserer SED2.0 unter Merkel, daß sie dann doch gewonnen haben.

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