06.04.1917: USA erklären Deutschland den Krieg


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Nach der Versenkung des mit US-Bürgern besetzten britischen Passagierschiffs „Lusitania“ wuchs die antideutsche Stimmung in den USA, was letztendlich am 06. April 1917 zu einer Kriegserklärung der Vereinigten Staaten gegen Deutschland führte.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)
USA Kriegserklärung Deutschland 1917
Bild: Britische Propaganda, Destroy this mad brute Enlist von Harry R. Hopps, (1869-1937), Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

Grundsätzlich heißt es, die Amerikaner hätten sich im Ersten Weltkrieg zurückgehalten. Zum späten Kriegseintritt heißt es in der deutschen Wikipedia: “Am 06. April 1917 erklärten die USA dem Deutschen Reich den Krieg, nachdem Präsident Wilson vier Tage vorher den US-Kongress zur Teilnahme am Kreuzzug der „friedensliebenden“ Demokratien gegen die „militärisch-aggressiven“ Autokratien der Erde aufgefordert hatte.”

Tatsächlich aber begann die anti-deutsche Politik der USA bereits weitaus früher. Auf der einen Seite gab es keine nennenswerten Friedensvermittlungen. Auf der anderen Seite starteten die Vereinigten Staaten bereits 1915 den Haiti-Krieg, welcher fast 20 Jahre dauern sollte.

Ein wichtiger Grund dafür war der deutsche Einfluss in dem Karibikstaat. Deutsche Einwanderer hatten sich zur treibenden Kraft der Wirtschaft Haitis entwickelt. Sie heirateten in haitianische Familien ein, um sich stärker dort zu verwurzeln (Mehr dazu hier).

Die USA belieferten die Briten außerdem mit Waffen, Nahrung und anderen Gütern. Demnach waren die Vereinigten Staaten also nur formal neutral. Tatsächlich stand man seit Beginn der Kampfhandlungen auf der Seite Englands.

Versenkung der Lusitania

Der Kriegserklärung durch die Vereinigten Staaten an das Deutsche Kaiserreich ging jedoch eine Art False-Flag-Operation voraus. Man ließ das Passagierschiff Lusitania direkt auf deutsche U-Boote zusteuern. Die deutsche Regierung hatte zuvor über die amerikanische Presse eindringlich vor einem derartigen Vorhaben gewarnt.

Über 1.200 Menschen befanden sich an Bord, darunter je nach Quelle zwischen 114 und 128 US-Passagiere. Erst knapp 90 Jahre später konnte bewiesen werden, dass sich zudem 10 Tonnen Munition und Waffen auf der Lusitania befanden, was illegal war.

Deutsche Behörden waren im Vorfeld informiert worden, dass die Lusitania wahrscheinlich gesetzeswidrig Waffen an die Armeen Englands und Frankreichs auf dem Festland liefern sollte. Mit den Waffen sollte dort gegen deutsche Truppen gekämpft werden.

Als die Lusitania zu nah kam, versenkten die deutschen U-Boote das Schiff. Die Empörung in der amerikanischen Gesellschaft führte letztendlich zu einer wachsenden antideutschen Stimmung. Der damalige US-Außenminister Robert Lansing schrieb später, der Vorfall habe ihn davon überzeugt, dass die USA ein Alliierter von Großbritannien werden würden.

Zahlreiche Historiker sind sicher, dass der damalige Marineminister Winston Churchill die Lusitania bewusst nicht rechtzeitig vor einem deutschen U-Boot gewarnt hatte. Dadurch wollte er die USA zum Kriegseintritt bewegen.

Großbritannien hatte die gesamte Nordsee zum Kriegsgebiet erklärt hatte. Als Reaktion darauf hatte Deutschland die Gewässer um die britischen Inseln ebenfalls zum Kriegsgebiet erklärt. Da die britische Flotte der deutschen weit überlegen war, setzte die deutsche Marine in erster Linie U-Boote ein.

Deutschland beendet den U-Bootkrieg

Nach der Versenkung der Lusitania beendete Deutschland am 01. September 1915 den „uneingeschränkten U-Bootkrieg“, nachdem die USA damit drohten, in den Krieg einzutreten. Damit war die Seeblockade gegen England aufgehoben. England hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch Reserven für 14 Tage und befand sich kurz vor der Niederlage. Gleichzeitig war die russische Front temporär ausgeschaltet, was die Briten in noch größere Bedrängnis brachte.

Der deutsche Seehandel wurde nach dem Abzug der U-Boote allerdings weiterhin blockiert. Es folgten Hungerkrisen. Dadurch sahen sich die Deutschen im Januar 1917 gezwungen, den U-Bootkrieg gegen England wieder aufzunehmen („Lieber Krieg mit Amerika als verhungern“).

Aus Sicht der USA kam dies einer Kriegserklärung gleich. Rasch verbreitete sich in Deutschland die Ansicht, man habe die Lusitania absichtlich geopfert, um die USA in den Krieg zu ziehen.

Insbesondere jene US-Zeitungen, die ab Kriegsbeginn vom Großbankier JP Morgan gezielt aufgekauft worden waren, hetzten von nun an gegen die Deutschen. So wurde etwa berichtet, dass man aufgrund mehrer Verstöße gegen die Haager Konventionen durch deutsche U-Boote in den Krieg „gerissen“ werden würde.

Immer wieder wurde betont, deutsche U-Boote hätten auf amerikanische Zivilisten gefeuert. Durch die Munitionsladung war die Lusitania aus deutscher Perspektive jedoch als Kriegsschiff anzusehen. Die zuvor eher pro-deutsche Stimmung in der US-Bevölkerung kippte und US-Präsident Woodrow Wilson erklärte den Krieg.

Weitere Gründe für einen Kriegseintritt

Es exisiterte jedoch noch ein weiterer Grund für den Kriegseintritt auf der Seite der Briten. England war bei den USA hoch verschuldet. Im Falle einer Niederlage, so befürchtete man, würden die Schulden nicht zurückgezahlt. Dies hätte der US-Wirtschaft einen schweren Schlag versetzt.

Im Jahr 1936 kam das Nye Committee, ein Untersuchungsausschuss des US-Senats, zum Ergebnis, dass die USA weder aufgrund des deutschen U-Bootkriegs oder idealistischer Ziele in den Krieg eintraten. Die US-Rüstungsindustrie erlebte durch Waffenverkäufe an England und Frankreich einen enormen Aufschwung.

Der Krieg sollte darum in die Länge gezogen werden, heißt es in dem Bericht. Auch die Kredite an England und Frankreich wären im Falle eines deutschen Siegs wahrscheinlich verloren gewesen. Das Nye Committee beschuldigte Präsident Wilson, dem Kongress wichtige Informationen zu den Hintergründen der Kriegserklärung an Deutschland vorenthalten zu haben.

„Zimmermann-Telegramm“

Ein weiterer Grund für einen Kriegseintritt war ein vom deutschen Staatssekretär des Auswärtigen Amts im Januar 1917 verfasstes Telegramm, das dem britischen Geheimdienst in die Hände fiel. Im Falle eines Kriegseintritts der USA bot dieser Mexiko an, in einen Krieg gegen die USA einzutreten und sicherte die US-Bundesstaaten Texas, New Mexico und Arizona als Kriegsbeute zu.

Einige Historiker glauben jedoch, dass es sich dabei eher um einen Bluff handelte. Das Ziel war eher, durch diese Zusicherung an die Mexikaner für Unruhe an der Grenze zu Mexiko zu sorgen. Damit sollten die USA aus dem Krieg in Europa herausgehalten werden.

Dass das Telegramm den Briten und Amerikanern in die Hände fiel, war aus Sicht der Deutschen äußerst ungünstig. Die britische Historikerin Barbara Tuchmann bezeichnete dies „als einen jener Glücksfälle, die schon manchem US-Präsidenten den Schritt in einen unpopulären Krieg erleichtert haben.“

Krise in den USA

Die US-Wirtschaft steckte ab 1913 in einer Rezession, die zu einer schweren Krise heranzuwachsen drohte. Die Waffenexporte wurden in die Höhe getrieben, um die Krise abzuwenden. Insgesamt 77 Prozent aller Exporte wurden an die Entente geliefert.

Der Handel mit der Entente stieg bis 1916 von 825 Millionen auf 3,2 Milliarden Dollar. Der Handel mit den Mittelmächten hingegen schrumpfte im selben Zeitraum von 169 Millionen auf eine Million Dollar. Aus wirtschaftlicher Sicht war also längst vor dem Kriegseintritt klar, auf welcher Seite die USA standen.

Gründe gegen einen Kriegseintritt

Allerdings gab es aus US-amerikanischer Sicht auch Gründe gegen einen Kriegseintritt, wie etwa die Beziehungen zu Österreich-Ungarn. Beamte des US State Departments beteuerten, man habe kein Interesse an einem Krieg gegen den Verbündeten Deutschlands.

Dennoch brach Österreich-Ungarn zwei Tage nach der Kriegserklärung alle Beziehungen zu Washington ab. Anschließend begann in den USA eine groß angelegte Kampagne gegen Österreich. Man warf dem Land vor, ein riesiges Spionagenetz und Sabotage in den USA zu betreiben.

US-Zeitungen bezeichneten Österreich-Ungarn als „Gefahr für die Menschheit“ und als „Vasallenstaat Deutschlands“. Begonnen und angeführt wurde die Kampagne übrigens von Ex-Präsident Theodore Roosevelt.

Churchill wollte die USA in den Krieg ziehen

Churchill räumte später ein, er sei es gewesen, der durch seine Befehle an die britische Handelsmarine die U-Boote gezwungen habe, nur noch unter Wasser anzugreifen. „Getaucht liefen sie ein größeres Risiko, ein neutrales für ein britisches Schiff zu halten und neutrale Seeleute zu töten, womit Deutschland in Auseinandersetzungen mit anderen Mächten verwickelt wurde“, so der polnische Historiker Janusz Piekałkiewicz.

Der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg trug erheblich zur deutschen Niederlage bei.

Quellenangaben anzeigen
wikipedia, science, spiegelarchiv

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