Wie ein Junkie auf Entzug:
Japan fährt extremes QE-Programm zurück


Japan/Wirtschaft

Die Bank of Japan (BOJ) fährt ohne große Aufmerksamkeit in den Medien ihr beispielloses QE-Programm zurück, das inzwischen fast 100 Prozent des japanischen BIP beträgt.

(Literatur zum Thema gibt's hier: klick)
Bank of Japan BOJ Schulden QE
Bank of Japan Schulden QE, Bild: Gegenfrage.com, Flaggenmotiv gemeinfrei

Nach Jahren der blasenartigen Anleihenkäufe fährt die BOJ allmählich ihr beispielloses Quantitative Easing (QE)-Programm zurück. Allerdings geschieht dies eher leise und unauffällig, um die Märkte nicht zu alarmieren, meldet das Finanzportal Wolfstreet.com.

Die BOJ hatte laut neuen Zahlen vom 30. November Vermögenswerte in Höhe von 521,6 Billionen Yen im Depot. Darunter japanische Staatsanleihen, Gold, Industrieanleihen, japanische REITs, Aktien und- ETFs. Insgesamt entsprechen die Werte 96 Prozent des japanischen BIP. Zum Vergleich: Bei der Federal Reserve sind es „nur“ 23 Prozent.

Japan ist der QE-Weltmeister, schreibt Wolfstreet weiter. Allein die von der Zentralbank gehaltenen Staatsanleihen schwollen in den vergangenen Jahren auf 443,6 Billionen Yen an. „Eine typische Zentralbankbilanz auf Steroiden nach Finanzkrisen“, so das Portal weiter.

Es gibt ein paar Unterschiede zu anderen Zentralbanken. Erstens hat die BOJ ihr QE-Programm gestartet, lange bevor dies in den Medien ein Thema war. Doch im Jahr 2013 ging es richtig los. Riesige Ankaufprogramme ließen die bisherige Geldschwemme plötzlich vergleichsweise winzig erscheinen.

Ab Dezember 2016 – der Monat, in dem die Fed die Zinsen erhöhte und wenige Monate, nachdem einige Fed-Gouverneure vorschlugen, das QE zu beenden – begann die BOJ, ihre Wertpapierkäufe zurückzufahren.

Zwar wird weiter zugekauft, doch nicht mehr im extremen Tempo der letzten Jahre. Im laufenden Jahr 2017 fügte die BOJ ihren Beständen „nur noch“ 50,8 Billionen Yen (380 Milliarden Euro) zu, 46 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

BOJ wollte Krise à la Griechenland verhindern

Die BOJ begann ihr QE-Programm, um die öffentlichen Schulden unter Kontrolle zu bringen und eine Schuldenkrise wie in Griechenland zu verhindern. Dafür entfernte man Staatsanleihen praktisch vom öffentlichen Markt.

Und es gab nicht viele andere Optionen, schreibt Wolfstreet weiter. Bis Ende 2016 hatte Japans Staatsverschuldung 250 Prozent des BIP erreicht, mit Abstand die höchste der Welt. Zum Vergleich: Die US-amerikanische Verschuldung erreichte zuletzt 105 Prozent des BIP.

Die BOJ befindet sich in einem eigenen Universum, angesichts des Riesenbergs an Schulden, mit dem Japan zu kämpfen hat. Auch die Fed und die EZB haben ihre QE-Programme zurückgefahren. Die EZB reduzierte ihre monatlichen Käufe im April 2017 von 80 auf 60 und am 26. Oktober auf 30 Milliarden Euro.

Im Gegensatz zur BOJ hat die EZB dieses „Tapering“ jedoch groß angekündigt und Pressekonferenzen gehalten. „Der QE-Alkohol, mit dem sich die Finanzmärkte dieser drei Volkswirtschaften und des Rests der Welt betrunken haben, wird weniger und dürfte bald ausgehen. Und dann ist Katerstimmung angesagt“, schreibt Wolfstreet abschließend.

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wolfstreet

2 Comments

  1. Die Notenbanken weltweit, also auch die in Peking, kommen aus der selbstgestellten Falle nicht mehr heraus. Wenn die japanische Notenbank diese gewaltige Kreditblase ansticht, so wird auch das keinen Bestand haben. Denn sobald die Aktienkurse stärker und dauerhaft nach unten gehen, muss weiter aufgebläht werden.
    Wenn das alles so einfach wäre, wüsste man ja was man selbst an den Märkten tun muss.
    Nämlich auf den Crash warten. Aber es ist nicht einfach.
    Solange die Geldillusion intakt ist, solange können die Aktienmärkte nicht zusammen fallen, weil die Notenbanken sofort die fehlenden Käufer ersetzen.
    Und genau jetzt wird es interessant!
    Erinnert sich jemand an meine Worte von gestern oder vorgestern, bezüglich politisch gewollten Sozialismus? Vermutlich hatte das keiner verstanden, aber überlegt mal:
    Die von mir bereits benannten „neoliberalen Kreise“ brauchen demokratische Prinzipien um selbst Geld verdienen zu können. Wenn jedoch im Rahmen der
    “Neuen Weltordnung“ die absolute Macht über alle Märkte (Rohstoffmärkte, Nahrungsmittel) errungen werden kann und alle Unternehmen den Banken und somit der Notenbank gehören, dann kann mit dieser Art Sozialismus genau so gut und noch besser Geld verdient werden. Vor allem risikoloser. Bis dahin ist es noch ein Weilchen.
    Doch wenn ich an die Commerzbank denke und an manche Banken auch in den USA
    (und an denen hängen wiederum industrielle Schuldner) dann ist ein Weg zur Staatswirtschaft und Enteignung der kleinen Leute und sogar der größeren Investmangesellschaften doch nicht mehr soweit. In Deutschland gehört schon seit Jahren die zweitgrößte Bank dem Steuerzahler. Aber hat der Steuerzahler deshalb ein Mitspracherecht? Hatte irgend jemand im Sozialismus ein Mitspracherecht?
    Natürlich nicht. Das Pack durfte noch nicht einmal von seinen Ersparten Anteile an der Firma kaufen. Eben weil es keinen Aktienmarkt gab!
    Rothschild hatte schon seine Gründe, warum er Karl Mardochai Marx das Schreiben des „Kapital“ mit seinen immerhin fünf Bänden finanziell ermöglichte.
    Die Kommunisten erzählte später überall herum, der Industriellen Sohn Friedrich Engels habe Marx finanziell gesponsert. Es gibt aber seit etlichen Jahren seriösere Literatur zum Thema. Aber das führt vielleicht zu weit.

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