“Aufschwung oder Depression?” Teil 7 (von Windfahnen-Experten und Anleger-Schafen)

By Bürgender | Oktober 9, 2009

Fällt der Preis des Edelmetalls Nr.1, nämlich Gold, dann werden weiter fallende Preise prognostiziert. Gold sei ja schließlich veraltet und habe keine monetäre Funktion mehr. Steigt der Preis des beliebten Metalls, dann wussten das alle natürlich schon vorher und prophezeien in Zukunft weiter steigende Preise. Manchmal handelt es sich dabei sogar um die selben Experten. Je nach dem, wie sich das Gold gerade verhält, so wird geurteilt.

Schafherde (gemeinfreies Bild von Wikipedia zur lizenzfreien Verwendung)Doch wer liegt nun richtig?

Am amüsantesten finde ich die Charttechniker. Sicher haben auch die ihre Existenzberechtigung und überraschen oft mit erstaunlicher Treffsicherheit, aber einen Goldchart zu analysieren halte ich dann doch für sehr ulkig. Man bekommt seit Jahrhunderten die gleiche Menge Roggenbrot, Herrenanzüge oder sonstige Waren für das gelbe Metall. Das einzige was man hier analysieren könnte, wäre die Kaufkraft der Währung, in welcher das liebe Gold und auch die Wirtschaftsleistung gemessen wird. Ein Meter bleibt schließlich immer ein Meter, egal ob die Straße gepflastert oder geteert ist. Und die Sonne dreht sich nunmal auch nicht um die Erde.

Gold bleibt immer gleich

Und hier kommen wir zum Punkt: Gold steigt oder fällt nicht, sondern bleibt immer gleich. Sicher wird weiter Gold aus der Erde gefördert, aber die Weltbevölkerung nimmt schließlich auch zu. Eine natürliche Kontinuität mit wesentlich geringen Schwankungen als im Papiergeldsystem, geregelt durch Mutter Natur und nicht durch Zentralbanker und Politiker. Lediglich eine sehr hohe Nachfrage, beispielsweise durch eine Flucht aus Papierwährungen wie Dollar oder Euro, könnte großen (positiven) Einfluss auf die Kaufkraft von Gold haben. So wie das eben ist bei Sachwerten.

Förderkosten

Die Förderkosten für eine Unze Gold liegen laut Gold-Analyst Joachim Berlenbach bei 400-500 Dollar, bei vielen Produzenten betragen die Gesamtkosten pro Feinunze sogar 800 bis 900 Dollar. Wenn man nun noch Münzprägekosten, Zwischenhändler und kostenintensive Sicherheitstransporte berücksichtigt, bleibt, was den Preis für einen Maple Leaf, einen Philharmoniker oder einen Krügerrand angeht, nicht viel Spielraum nach unten, könnte man meinen. Wenn Sie also nächstes mal in der Zeitung lesen “Gold so teuer wie nie zuvor”, dann heisst das im Prinzip nur, dass der Dollar so wenig wert ist wie noch nie zuvor.

Expertenmeinungen zur Konjunktur

Für die Bevölkerung ist der wichtigste und prominenteste “Experte” wohl die Bundesregierung. An dieser Stelle möchte ich Angela Merkel aus einer Rede vom November 2007 zitieren: “Der Aufschwung kommt bei den Menschen an. Erstmals seit der Wiedervereinigung werden wir fast einen ausgeglichenen Haushalt erreichen”, sagte die Kanzlerin. Die deutsche Wirtschaft ziehe die europäische Wirtschaft wieder “nach vorne”.

Und was sehen wir etwa zwei Jahre später, im Oktober 2009?

..und und und.

Auf wen man besser gehört hätte

Natürlich wird behauptet, dass die Wirtschaftskrise niemand ahnen konnte. Doch gibt es einige kluge Köpfe, die seit Jahren vor der Krise warnen. Wie z.B. der Investor Walter K. Eichelburg, der uns mit seinen Artikeln seit 2005 begeistert, der auch Bankenzusammenbrüche prophezeite und bis heute auf seiner Website hartgeld.com die skurrilen Machenschaften der Eliten treffend aufschlüsselt.

Oder der Milliardenverwalter Jeremy Grantham aus den USA, den die WELT im Jahre 2007 als “Dauer-Pessimisten” titulierte, weil er vor einem Börsencrash warnte.

Auch Wirtschaftswissenschaftler Max Otte, der in seinem Buch “Der Crash kommt” bereits 2006 diese Weltwirtschaftskrise ankündigte, hätte man mal besser ernst nehmen sollen, anstatt ihn als Schwarzmaler abzuwinken und irgendwelche Investmentbanker und Vermögensberater nach ihren anstudierten und falschen Einschätzungen zu befragen.

Als die Mainstream-Presse bereits wieder “Hurra, jetzt kommt der Aufschwung” posaunte, mahnten aufmerksame Blogger zur Vorsicht, und das ganz ohne Gewinnabsichten. Was man von den großen Medien wohl kaum behaupten kann.

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Fundstück des Jahres
(Aus dem Tagesspiegel von Dezember 2007)

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostiziert:
“Wir erwarten, dass der Aufschwung 2008 bei immer mehr Leuten ankommt. Die Arbeitslosenzahl wird weiter sinken und zeitweise sogar an der Drei-Millionen-Marke kratzen. Auch die Einkommen der Arbeitnehmer werden deutlich steigen.”

>>> Lesen und staunen

Fazit

Vielleicht lässt uns das die Prognosen dieser anerkannten “Experten” irgendwelcher Elite-Unis in Zukunft dann doch etwas kritischer betrachten. Möglicherweise sollten wir auch überhaupt nicht mehr zuhören, wenn unsere Eliten zu uns sprechen, sondern wie Walter K. Eichelburg, Jeremy Grantham oder Max Otte einfach selbst recherchieren und auf unseren gesunden Menschenverstand vertrauen.

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Weitere Artikel aus der Serie “Aufschwung oder Depression?”:

Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 1
Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 2
Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 3
Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 4
Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 5
Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 6




3 Kommentare


  1. Robert Kyosaki

    Oktober 9th, 2009 at 17:22

    He he, man staunt immer wieder


  2. sabine

    Oktober 9th, 2009 at 17:52

    also der tagesspiegel-artikel ist ja die oberhärte :-D
    könnten das bitte noch weitere medien anprangern?


  3. “Aufschwung oder Depression?” Teil 8: Ewiges Wachstum | Gegenfrage.com - Wirtschaft und Finanzen, Politik und Gesellschaft, Ansichten und Gegenfragen aus der Bürgerperspektive

    November 1st, 2009 at 23:05

    [...] Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 1 Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 2 Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 3 Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 4 Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 5 Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 6 Was denn nun? Aufschwung oder Depression? Teil 7 [...]


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